Muhen
Nach 30 Jahren verlässt er die Schule: Philipp Grolimund

Als Lehrer hat Philipp Grolimund in der Schule Muhen begonnen – jetzt verlässt er das Dorf als Schulleiter.

Christine Wullschleger
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Philipp Grolimund im Schulhaus Süd, wo er als Lehrer am längsten unterrichtet hat und damit einige Erinnerungen verbindet. Fotos: Chris Iseli

Philipp Grolimund im Schulhaus Süd, wo er als Lehrer am längsten unterrichtet hat und damit einige Erinnerungen verbindet. Fotos: Chris Iseli

Chris Iseli

Die hölzerne Kochkelle an der Wand ist übergross. Sie hat dichtes, schwarzes Haar aufgeklebt bekommen, grosse Augen, einen roten Mund und eine grüne Fliege mit hellen Punkten aufgebunden. Daneben gibt es viele kleine Kellen, die Menschen verschiedenster Herkunft symbolisieren. Die grosse Kelle stellt einen ganz bestimmten Menschen dar: den Müheler Schulleiter Philipp Grolimund. Er sei ganz zufrieden, wie die Schüler ihn dargestellt hätten. Nur Haare hätten sie ihm definitiv zu viele verpasst.

Philipp Grolimund steht im Schulhaus Süd in Muhen. Hier hat er vor 30 Jahren seine erste Klasse unterrichtet. In eben diesem Schulzimmer riecht es heute nach Kresse, die Schüler können bald ernten. Auf einer Tafel steht in gelber Schnürlischrift «Meine Hausaufgaben für Montag ...». «Das habe ich damals an die Tafel geschrieben», sagt Philipp Grolimund, erstaunt darüber, dass die Tafel noch immer existiert. Die Ära dieser Tafel endet aber bald – sofern die Müheler den Baukredit für das neue Schulhaus sprechen. Dann nämlich wird das Schulhaus Süd abgerissen.

Eine Ära endet

Auch die Ära von Philipp Grolimund an der Schule Muhen neigt sich dem Ende zu. Nach drei Jahrzehnten verlässt der 56-Jährige Muhen. Grund genug, ihn auf einem Rundgang durch die verschiedenen Schulhäuser zu begleiten. Im Schulhaus Süd hat er am längsten unterrichtet. «Ich erinnere mich noch daran, wie der Holzboden jeweils in den Frühlingsferien neu versiegelt wurde und die Tische danach immer nach vorne rutschten, keine Ahnung, warum», sagt er. Mit wasserfestem Filzstift habe er dann am Boden markiert, wo die Tische eigentlich stehen sollten.

Ein wesentlich grösseres Schulzimmer hatte Philipp Grolimund im Schulhaus Ost, im «alten Schulhaus». Das Schulzimmer war 105 m gross, normal sind 70 m. «Es ist eines der beliebtesten Zimmer, da machte mir auch das Treppensteigen nichts aus», sagt er. Nein, als Lehrer arbeiten wolle er nicht mehr. «Ich war lange Lehrer. Und immer wenn ich etwas lang gemacht habe, hatte ich irgendwann das Gefühl, etwas Neues machen zu müssen.»

Um die Jahrtausendwende war er an der Reihe, das Rektor-Amt neben seinem Lehrerberuf zu übernehmen. «Ich merkte schnell, dass sich dieses Amt mit der Klassenlehrertätigkeit schlecht vereinbaren liess», sagt er. Telefonate während der Schulstunde waren keine Seltenheit. Die Schule hat schliesslich – auch auf Grolimunds Drängen hin – drei Jahre vor der kantonsweiten Verpflichtung – eine Schulleitung eingeführt.

Er wurde Schulleiter und hängte den Lehrerberuf an den Nagel. Damals bekam er im Schulhaus Ost ein provisorisches Büro, zusammen mit dem Sekretariat. Dass er sein richtiges Büro erst zwölf Jahre später bekommen sollte, hätte er damals wohl kaum geglaubt.

Alle Projekte abgeschlossen

Tatsächlich riecht sein neues Büro im Schulhaus Nord noch ein wenig nach frischer Farbe und neuen Möbeln. Die Wände sind leer. «Ich habe jetzt zwar ein neues Büro, aber sonst ist meine Arbeit hier in Muhen getan», sagt Grolimund. Die Schulraumplanung sei aufgegleist, der Baukredit komme bald vor die Gemeindeversammlung. Der Aufbau der Schulsozialarbeit dauerte sechs Jahre, Grolimunds längstes Projekt.

Der Kreisschulverband Kölliken/Muhen funktioniert, Grolimund war Standortleiter in Muhen. «Die Zusammenarbeit mit Philipp Grolimund in der gemeinsamen Kreisschul-Schulleitung machte Freude», sagt Urs Franzelli, Kölliker Schulleiter und Co-Schulleiter der Kreisschule. «Viele Grundlagen der Kreisschule tragen seine Handschrift.» Auch die Müheler Gemeinderätin Cornelia Wüthrich, verantwortlich für das Ressort Bildung, hat nur lobende Worte: «Philipp Grolimund vertrat alle Anliegen dossiersicher und engagiert.»

Routine geht er aus dem Weg

«Alle Projekte, die angestanden sind, sind abgeschlossen und um die Wahl der Plättli in den neuen WC’s muss ich mich nicht kümmern», sagt Grolimund. Vielleicht wäre in Muhen bald Routine eingekehrt. Und genau der geht Philipp Grolimund lieber aus dem Weg. Deshalb stellt er sich ab dem neuen Schuljahr einer neuen Herausforderung: Er wird Gesamtschulleiter der Schulen Windisch. Die Schule ist beinahe dreimal so gross wie jene in Muhen, die Schulhäuser und Kindergärten sind alle im Dorf verstreut, während in Muhen alles an einem Ort war. «Ich werde sicher nicht jedes Haus auf Anhieb finden», sagt er und lacht.

«In Windisch geht es jetzt auch um die Schulraumplanung, ein Bau steht bevor», sagt Grolimund. Er – der eigentlich Erfinder werden wollte – kommt also gerade richtig. «Projekte zu entwickeln und zu sehen, dass etwas funktioniert, das fasziniert mich», sagt er.

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