Renate Gautschy ist die Stimme der Aargauer Gemeindeammänner. Und als solche kandidiert sie am 24. September auch wieder für die Gontenschwiler Dorfexekutive – nach 20 Jahren als Gemeinderätin und 17 Jahren als Ammann. Vom Beine-Hochlagern will die 63-Jährige nichts wissen. Still sitzen liegt der FDP-Politikerin nicht im Blut. Auch ist sie nicht der Kaffeekränzchen-Typ, wie sie im Gespräch mit der AZ verrät. Nicht nur, weil sie keinen Kaffee mag. «Ich bin gerne sinnvoll engagiert», sagt sie und schiebt die Ärmel ihrer Bluse ein Stück zurück. «Das ist für mich Lebensinhalt.» Wie so oft trägt sie Weiss. Darüber ein altrosa Jackett. Ein Farbtupfer an diesem grauen Tag.

Wenn immer sich Gemeindefragen stellen, wird Renate Gautschy als Präsidentin der Aargauer Gemeindeammänner-Vereinigung befragt. Privat gibt die zierliche Frau, die neben ihrem Engagement als Kommunalpolitikerin seit 2005 auch im Grossen Rat Einsitz hat, wenig von sich Preis.

«Staatskunde war in der Schule mein Lieblingsfach», sagt sie. «Das hat mich am meisten interessiert.» Ausserdem sei daheim im Elternhaus oft debattiert worden, das habe sie inspiriert. Ihr politisches Engagement habe aber eher zufällig seinen Anfang genommen, erzählt sie. 1986 kam sie als junge Mutter in die Kindergartenkommission, vier Jahre wurde sie in die Schulpflege gewählt. Eine gut geplante Politkarriere? Renate Gautschy winkt ab: «Nein, mein Lebensweg hat sich einfach so ergeben und ich habe ihn angenommen.» In den Grossen Rat sei sie 2005 gekommen, «weil für die Liste noch Frauen gesucht wurden». Ähnlich habe es sich bei ihrer Wahl zur Präsidentin der Aargauer Gemeindeammänner-Vereinigung 2009 ergeben. «Nach damals 35 Jahren und drei Männern aus drei Städten wollte man eine Frau aus einer kleinen Gemeinde. Das war meine Chance.»

Noch nichts «zum Grossmütterlen»

Halbe Sachen sind nicht ihr Stil. Hat sie ein Amt inne, eine Aufgabe angenommen, kämpft sie für ihre Sache. Von Müdigkeit keine Spur. Im Gegenteil: «Ich bin in einer Lebensphase, in der ich mich voll einbringen und von meiner Erfahrung und meinem grossen Netzwerk profitieren kann. Ich bin frei und unabhängig, das gibt mir Kraft und Motivation», sagt sie und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Und zum Grossmütterlen gibts auch noch nichts.» Gebe es auch wieder einmal einen Partner, so werde die Agenda «geräumt oder angepasst».

Nein, aus Langeweile politisiert Renate Gautschy nicht. «Lösungen zu finden, etwas zum Guten zu bringen, das gibt einem unglaublich viel Energie», sagt sie. In der Gemeinde sieht sie sich denn oft auch mehr in einer Vermittler-Rolle, als Initiantin oder Mediatorin, denn als Chefin. Nicht selten greift sie selber zum Hörer oder legt Hand an, egal, ob in der Arbeit für jemanden in Not oder auf der Suche nach potenziellen neuen Unternehmern für das Dorf. Dabei helfen ihr ihre vielen Kontakte, ihr Netzwerk, gesponnen über all die Jahre und begründet in der Kombination ihrer Ämter. Einer, der seit bald 20 Jahren mit Renate Gautschy zusammenarbeitet, ist Gemeindeschreiber Reto Mäder. «Renate Gautschy hat einen guten Draht zur Verwaltung», sagt er. «Das ist sehr viel Wert.»

Einsatz für gutes Bildungsangebot

Gontenschwil wächst – so stark wie seit 60 Jahren nicht mehr. Das Dorf hinter der Moräne zählt 2122 Einwohner und hat rund 700 Arbeitsplätze. Ausserdem gibt es hier noch zehn grosse Bauernbetriebe. Das gefällt Renate Gautschy. Hier fühlt sie sich daheim. «Ich könnte das alles nicht machen, wenn es mir hier nicht wohl wäre. Wenn ich hier nicht meine Freunde treffen und die Gemütlichkeit pflegen könnte.» Seit 13 Jahren lebt sie allein. Ihre beiden Kinder sind längst erwachsen und eigenständig. «Ich bin stolz auf sie», sagt Renate Gautschy. Sie habe das Familienleben und die Politik immer getrennt, dies auch auf Wunsch ihrer Kinder. «Die beiden sind meine Erfolgsgeschichte.»

Renate Gautschys Terminkalender ist voll. «Die Kombination meiner Ämter ist nur mit grosser Disziplin möglich», sagt sie und blickt auf die Uhr. Die nächste Besprechung in der Schule wartet bereits. «In Gontenschwil gibt es noch viel zu tun. In der Schule wird sich einiges verändern.» Renate Gautschy will sich für den Erhalt eines guten Bildungsangebots einsetzen. Ausserdem sind ihr Wirtschaft, Arbeitsplätze und Sicherheit in der Gemeinde ein zentrales Anliegen. «Nur auf diesem Boden ist der Fortschritt möglich.»