Oberkulm

Nach 167 Jahren löst sich der Chor auf

Am Klavier hat sich Fritz Burkhard viele Jahre lang auf die Chorproben vorbereitet. Sibylle Haltiner

Am Klavier hat sich Fritz Burkhard viele Jahre lang auf die Chorproben vorbereitet. Sibylle Haltiner

Die ehemaligen Mitglieder des Männerchors Oberkulm bleiben dem Singen trotzdem verbunden.

Der  hat ausgesungen. Nachdem nur noch sieben Mitglieder und der Dirigent Fritz Burkhard übrig geblieben waren, gab es für den Chor nach 167 Jahren keine Zukunftsperspektiven mehr. «Es reichte nicht mehr für einen anständigen Klang», erklärt Fritz Burkhard, der den Chor gut 30 Jahre lang geleitet hat. «Wir hatten nur noch einen einzigen Tenor.»

Die Oberkulmer Männerchörler haben früher bessere Zeiten gesehen, zählten einmal über 40 Sänger. Als man mit der Zeit das Repertoire für zu altmodisch hielt, öffneten sich die Mitglieder für neue Wege, zogen Klavierbegleitung hinzu und studierten sogar englische Lieder wie «Green, Green Grass of Home» oder amerikanische Folksongs ein.

Projekte waren nicht nachhaltig

Auch die Zusammenarbeit mit Frauenstimmen wurde gesucht, so entstand 1996 der «Chomer Chor», der zeitweise durch Mitglieder des italienischen Chors «Voci in Coro» aus Suhr verstärkt wurde. Später tat man sich mit dem Männerchor Gontenschwil zusammen, auch wurden für die Unterhaltungsabende Gastsängerinnen engagiert, um das Programm noch attraktiver zu gestalten.

Doch all diese Projekte waren nicht nachhaltig und lösten sich früher oder später wieder auf. Lange dauerte die Zusammenarbeit mit der Trachtengruppe aus Oberkulm, gemeinsam gestaltete man viele Unterhaltungsabende, die auch wegen des Theaters der Trachtenleute grossen Anklang fanden. Zum Schluss verstärkten die Männerchörler den Gemischten Chor Teufen-
thal. An der 167. Generalversammlung im Februar kam trotzdem das definitive Ende des Männerchors. Aus nostalgischen Gründen werden sich die zuletzt noch übrig gebliebenen Sänger und der Dirigent einmal im Monat im Restaurant Pöstli treffen.

Obwohl sich keiner der Oberkulmer Männerchörler einem neuen Verein anschliessen will, werden die meisten dem Singen verbunden bleiben. «Einer ist schon lange Mitglied eines Jodlerklubs und wird dort bleiben, andere werden bei Bedarf beim Gemischten Chor Teufenthal aushelfen», erzählt Burkhard. Und selbstverständlich bleibt das «Singquadrat» bestehen. Dieses Quartett entstand 2003 als Formation des Männerchors und singt vor allem amerikanische Barbershop-Songs sowie oberitalienische und russische Lieder.

«Es tut weh, dass sich der Chor auflösen musste», sagt Fritz Burkhard. Mit der «Harmonie Oberkulm» habe das Wynental seinen letzten Männerchor verloren, berichtet der ehemalige Dirigent mit Bedauern. «Nur auf der Burg besteht noch einer.» Woran es liegt, dass in Oberkulm wie auch in anderen Dörfern kein Männerchornachwuchs rekrutiert werden kann, weiss er nicht.

«Heute haben die Jungen eine grössere Auswahl an Freizeitaktivitäten und oft kein Interesse an langfristigen Engagements», mutmasst Burkhard und fügt hinzu: «Es ist immer schade, wenn ein Dorfverein verschwindet. Diese sind die Kulturträger in den Gemeinden und helfen auch bei Anlässen.» Ein grosses Bedauern habe er bei der Dorfbevölkerung nicht gespürt, erzählt der leidenschaftliche Sänger. «Man nimmt es zur Kenntnis, aber es war den Leuten schon seit langem klar, dass der Männerchor sterben wird.»

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