Menziken

Nach 1-Million-Verlust: «Das Spital Menziken ist nicht gefährdet»

Direktor Daniel Schibler will das Spital Menziken bereits in diesem Jahr wieder zurück in die Gewinnzone führen.

Direktor Daniel Schibler will das Spital Menziken bereits in diesem Jahr wieder zurück in die Gewinnzone führen.

2014 hat das Spital Menziken einen Millionen-Verlust eingefahren und musste 20 Vollzeitstellen streichen. Direktor Daniel Schibler blickt trotzdem zuversichtlich in die Zukunft.

Das Spital Menziken hat ein schlechtes Jahr hinter sich. 2014 resultierte ein Gesamtverlust von knapp einer Million Franken (die az berichtete). Der Spitalbetrieb selbst hat ein Defizit von zwei Millionen eingefahren, das durch einen ausserordentlichen Ertrag von einer Million (Auflösung von Rückstellungen) zur Hälfte aufgefangen werden konnte.

Das Partnerspital Leuggern, das ebenfalls zur Asana Gruppe AG gehört, verlor eine Million, konnte diesen Verlust aber durch die Auflösung von Rückstellungen in einen Gewinn von 52 000 Franken umwandeln. Leuggern steht damit besser da als Menziken. «Wir hatten eine deutlich schlechtere Auslastung», sagt der Menziker Spitaldirektor Daniel Schibler.


Herr Schibler, wie schlecht steht es um das Spital Menziken?

Daniel Schibler: Die knapp zwei Millionen Verlust aus dem Spitalbetrieb sind viel Geld. Die Asana-Gruppe hat aber rund 20 Millionen Franken flüssige Mittel. Das Jahresergebnis ist also verkraftbar.


Warum haben Sie im vergangenen Jahr so viel Geld verloren?

Hauptgrund sind die Personalkosten, die um 1,8 Millionen bzw. rund 8 Prozent stiegen. Dieser Mehraufwand ist auf verschiedene, teilweise ausserordentliche Faktoren zurückzuführen. Seit Januar 2014 haben wir zum Beispiel eine Gynäkologin angestellt. Zudem mussten wir für fehlendes Fachpersonal, das über Temporärbüros vorübergehend angestellt war, deutlich höhere Entschädigungen bezahlt.

Gleichzeitig hat unser Spital rund 200 000 Franken weniger verdient. Im Vergleich zu 2013 verzeichneten wir rund 60 akutstationäre und 900 ambulante Patienten weniger. Das ganze 2014 war durchzogen. Warum, ist unklar. Zudem sind die Spitaltarife unter Druck: Krankenkassen und der Kanton wollen die Kosten so tief wie möglich halten.


Ist Ihr Spital nicht auch zu wenig wirtschaftlich? Im Vergleich zu Leuggern hatten Sie 2014 rund 600 stationäre und ambulante Patienten weniger (total 11 282), aber 50 Betten und 20 Mitarbeiter mehr als das Partnerspital.

Wenn man die Zahlen des Jahres 2014 isoliert betrachtet, kann dieser Eindruck entstehen. Menziken hatte eine deutlich schlechtere Auslastung. Im akutstationären Bereich betrug diese rund 70 Prozent, in der Langzeitpflege knapp 90 Prozent. Das ist zu wenig. Wir setzen unser Personal entsprechend der Belegung ein und arbeiten mit Jahressollstunden.


Es sind vor allem Belegärzte mit eigener Praxis, die in den Spitälern operieren und diesen Patienten bringen. Leuggern hat über 50 Belegärzte, Menziken nur 10. Warum?

Die Einzugsgebiete der Belegärzte an beiden Standorten sind historisch gewachsen. Unsere Belegärzte arbeiten grösstenteils in der Umgebung des Spitals. Es ist schwierig neue Ärzte zu finden, die sich in der Region niederlassen wollen. Wir suchen deshalb auch Belegärzte aus anderen Regionen – doch diese wohnen im Einzugsgebiet anderer Spitäler. In 30 bis 40 Minuten erreicht man von Menziken in alle Himmelsrichtungen ein Spital. Unsere geografische Lage im Oberen Wynental ist offensichtlich ein Problem. Kommt hinzu: Nebst der Suche nach neuen müssen wir uns mit der Nachfolge etablierter Belegärzte befassen, die vor dem Ruhestand stehen.


Das Defizit für 2014 hatte sich bereits im vergangenen Sommer abgezeichnet. Der Verwaltungsrat strich deshalb im Herbst 20 Vollzeitstellen. Wie viele Angestellte erhielten die Kündigung?

Wir hatten die Auflage, bis Ende Jahr
10 Vollzeitstellen abzubauen und 10 weitere Ende März 2015. Einen Teil davon konnten wir über natürliche Fluktuationen regeln. Wir mussten nur einer Handvoll Mitarbeitern kündigen. Unser Personalbudget hat jetzt 196,5 Vollzeitstellen.


Angestellte berichten von einem schlechten Klima im Spital. Es herrsche Unsicherheit über die Zukunft. Eine Mitarbeiterin sagt: Das Spital gibt es in ein paar Jahren nicht mehr.

Ich habe versucht, in der schwierigen Zeit so transparent wie möglich zu informieren. Unsicherheiten lassen sich in solchen Situationen aber nicht vermeiden, was ich absolut nachvollziehen kann. Ich halte aber ausdrücklich fest: Der Spitalstandort Menziken ist nicht gefährdet. Der Verwaltungsrat hat die Situation im vergangenen Sommer rechtzeitig erkannt und Massnahmen eingeleitet. Deren Wirkung zeigt sich bereits im ersten Quartal 2015: Wir hatten mehr Patienten und verdienen wieder Geld. Gleichzeitig bauen wir unser Angebot weiter aus.


Wo wird ausgebaut?

Wir verstärken vor allem die Kooperationen mit anderen Institutionen. So konnten wir in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Aarau eine Neurologische Sprechstunde aufbauen. Zudem bietet die Aargauer Diabetes-Gesellschaft seit Herbst 2014 eine Diabetesberatung in unserem Spital an. Seit April 2015 ist auch ein plastisch-ästhetischer Chirurg an unserem Haus tätig. Zudem wird der Patientenkomfort verbessert: Rückmeldungen haben gezeigt, dass wir hier handeln müssen. Wir sind wohl das einzige Spital im Kanton Aargau, das noch keinen Fernseher an den Betten hat. Die Betten werden nun mit Panels für TV, Radio und Internet ausgerüstet. Der Spitalverein Wynen- & Seetal unterstützt diese Investition finanziell. Das Ziel bleibt: Wir wollen die Grundversorgung im Wynental stärken. Als einer der grössten Arbeitgeber im Tal wollen wir zudem für Angestellte attraktiv bleiben. Trotz Sparmassnahmen konnten wir per 2015 die Lohnsumme um insgesamt 1,3 Prozent erhöhen.


Sie bauen aus, haben aber nach der Streichung von 20 Vollzeitstellen rund zehn Prozent weniger Personal. Wie passt das zusammen?

Der Personalabbau erfolgte insbesondere in Bereichen mit wenig Patientenkontakt. Bei der Qualität und der Patientensicherheit machten wir keine Abstriche. Zudem nutzen wir vermehrt interne Synergien, investieren zurückhaltend und schauen generell aufs Geld.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1