Unterkulm

Musik und Menschen machen Heimat

Tinu Heiniger singt

Tinu Heiniger singt

«Heimat – ein Ort der Sehnsucht»: Zu diesem Thema lud Pfarrer Peter Müller Regierungsrätin Susanne Hochuli und Liedermacher Tinu Heiniger in den vollen Unterkulmer Pfarreipavillon.

Heimat gibts nicht gratis; man muss sie sich erschaffen. Das sagt Susanne Hochuli. Dabei sei Heimat nicht nur ein Ort, sondern habe mit Menschen und Beziehungen zu tun. Eine Aussage, die Tinu Heiniger unterstreichen kann. Er erinnert sich an einen Parisaufenthalt: Als die Bäckerin ihn wieder erkannte, habe das gut getan. Das Dorf in der Grossstadt.

Auch Katzen schaffen Kontakte

Gleiches gilt in Schöftland, wo Heiniger seit sechs Jahren wohnt und man einander auf der Post mit Namen begrüsst. Kontakte könnten auch Katzen schaffen oder das Interesse an Nachbarn, auch wenn sie aus dem Balkan stammen. Das trage zu jenem Heimatbegriff bei, wo Menschen sich angenommen fühlen und Gerechtigkeit erfahren, wie Peter Müller sagte.

Sowohl Hochuli als auch Heiniger stützen die These des Gesprächsleiters, wonach Heimat die Erfahrung temporärer Heimatlosigkeit brauche. «Das schafft eine Aussensicht, die jemandem, der nie aus seinem Wohnort herausgekommen ist, abgeht», meint Hochuli. Und sie spricht damit Ausgrenzungsreflexe gegenüber Fremden und Fremdem an, die in einer Unsicherheit gründeten.

Angst, etwas zu verlieren? Komische Reflexe gegenüber Fremdem sind auch Heiniger nicht fremd, und wenns nur die «anderen» Kühe im Luzerner Surental sind. In seiner Kibbuz-Zeit hätten ihm Erdbeerkonfitüre von Hero und Toblerone Heimatgefühle vermittelt.

Prägende Kindheit

Die Kindheit präge den Heimatbegriff wesentlich mit. Leben im Mehrgenerationenhaus, die Küche als Zentrum des Familienlebens beeinflussen Heiniger bis heute: Er übt in der Küche. Grossvater Schär, der Bergkenner, erhält in einem Lied heute sein Denkmal. Und dass der SC Langnau abgestiegen ist und nun in der Nationalliga B gegen Langenthal Hockey spielt, tut ihm jetzt noch weh.

Was gehört in Susanne Hochulis Heimatbild? Die Suhrentaler Landschaft mit Hochstammbäumen! Und dies der Faszination schönster Wüstenlandschaften zum Trotz. Deshalb könnte sie sich nur vorstellen, nach Ecuador auszuwandern, wo die Landschaft jener der Heimat ähnle und die Kühe mit den schweizerischen verwandt seien.

Voraussetzung, Heimat zu schaffen, sei ein politisches System, das Freiheit, und vor allem die Meinungsäusserungsfreiheit, erlaube. «Als junger fräche Siech wurde ich nicht eingesperrt für Sachen, die daneben waren», sagte Heiniger und spielte auf ideologisch geprägte Äusserungen an. Man müsse aber auch für sich etwas gefunden haben, das trägt. Für Heiniger ists die Musik: «Unerschöpflich, nie tief genug zu empfinden.» Aber auch die Sprache könne Heimat sein, die zahlreichen Dialekte, die Gotthelfhörspiele der Jugendzeit. Heinigers Lieder zeugen davon.

Sich engagieren schafft für Susanne Hochuli Heimat. Sich Zeit nehmen für andere sei zwar zuweilen «huere anstrengend»: sich kümmern, nachfragen, ein gemeinsames Znacht anbieten. Aber es schaffe Heimat. Das beginne in der Familie. Heimat geschaffen hat sie sich an ihrem Arbeitsplatz in Aarau: offene Türen, farbige Wände.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1