Trotz des sommerlichen Abends und des wolkenlosen Himmels liessen es sich viele Mühelerinnen und Müheler nicht nehmen, die Aula im Alten Schulhaus aufzusuchen.

Denn dort wurde am Montag das neue Ortsplanungsleitbild der Gemeinde vorgestellt, das als erster Schritt im Rahmen der Gesamtrevision der Nutzungsplanung erstellt wurde.

«Das Leitbild ist etwas, das wir angefangen haben, das aber überhaupt noch nicht fertig ist», sagte Frau Gemeindeammann Cornelia Wüthrich zu Beginn. Es müsse sich noch niemand aufregen, im Gegenteil, jetzt sei der Zeitpunkt, um Ideen anzubringen.

Einwohner können sich einbringen

Denn die Einwohner haben nun die Möglichkeit, aktiv an diesem Leitbild mitzuwirken und bis 15. August schriftlich Eingaben einzubringen. Ein Prozedere, das die Gemeinde nicht machen müsste. Doch: «Wir wollen, dass die Bevölkerung mitdenkt und mitwirkt», sagt Wüthrich.

Mit dem Ortsplanungsleitbild ist Muhen in die erste Phase gestartet. Dieses wird nun analysiert und bildet die Grundlage für die Revision der Planungsinstrumente wie des Bauzonenplans, des Kulturlandplans und der Bau- und Nutzungsordnung, die in einer zweiten Phase entworfen und verabschiedet werden. In der dritten Phase geht es um das planrechtliche Verfahren mit dem Ziel, die revidierte Nutzungsplanung vor die Winter-Gmeind 2014 zu bringen.

Blick in die Zukunft nötig

Das Projekt wird von Thomas Vonrufs und Daniel Schluep von der Firma Planar begleitet. Es gibt kantonale und regionale Rahmenbedingungen, die beachtet werden müssen. «Das Ortsplanungsleitbild zeigt ein Zukunftsbild für Muhen und ist ein Führungsinstrument der Gemeinde», sagt Vonrufs.

Die kantonale Prognose zeigt ein Wachstum von 18 Prozent bis 2030. «Ein wichtiger Punkt ist der demografische Wandel und die Frage, wie in Zukunft die Wohnungen aussehen sollen», sagt der Raumplaner. «Denn es wird mehr ältere Menschen haben, dies hat Auswirkungen auf den Wohnbedarf.» Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Anzahl betagter Menschen in Muhen bis 2030 um rund 50 Prozent zunehmen werde.

Im Leitbild wird unter anderem unter «Siedlungsentwicklung» festgelegt, dass Wohnformen für verschiedene Bedürfnisse anzubieten sind. Muhen soll moderat wachsen, Einzonungen an sinnvollen Lagen sollen mit Auszonungen an ungeeigneten Lagen kompensiert werden.

Der Punkt «Orts- und Quartierbild» sieht vor, dass ein Gemeindezentrum entstehen soll. In diesem Zentrum sollen Begegnungsräume geschaffen werden. Der dörfliche Charakter der Quartiere soll erhalten bleiben.

Unter «Mobilität und Umwelt» soll unter anderem der Durchgangsverkehr eingedämmt werden. Eine Lösung brauche es bei der Erschliessung der Gewerbezone Kapag. Denn die Lastwagen müssen jeweils durch das Wohnquartier fahren, um die Gewerbezone zu erreichen.

Neue Sammelstellen für Entsorgung und Recycling sollen ins Auge gefasst werden, die Gemeinde will eine nachhaltige Energiepolitik vorleben. Unter dem Punkt «Wirtschaft», soll neben anderen Zielen das Gewerbe nach Möglichkeit gefördert werden.

«Die Landschaft und die Landwirtschaft haben in Muhen einen hohen Stellenwert und sollen weiterentwickelt werden», sagt Vonrufs und spricht damit den Punkt «Natur und Landschaft» an. Naherholungsgebiete sollen erschlossen und die ökologische Vielfalt gefördert werden. Unter «Gesellschaft» sollen Begegnungsräume für alle Generationen geschaffen werden. Mögliche Massnahmen wären ein Jugendtreffpunkt und ein Alterskonzept.