Reinach
Monroe, Popkorn, Kolleund Landkino-Geschichten

Lilo Pulver, Romi Schneider und die junge Sophia Loren.Das Theater Marie lässt in seiner neusten Produktion «Kino Marie» 55 Jahre Landkino- und Mediengeschichte Revue passieren. Am Schluss geht auch noch die Titanic unter.

Peter Weingartner
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Theater Marie mit Zeitreise durchs Landkino
8 Bilder
Was ist nun Realität
Theater vor dem Film
Vor der Kamera
Star Wars-Parodie
Popcorn gehört zum Kinobesuch
Mit Popcorn kommt man sich näher
Medien vermischen sich

Theater Marie mit Zeitreise durchs Landkino

PW

Lilo Pulver, Romi Schneider und die junge Sophia Loren. Und was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist? Schwarz-Weiss-Film-Einspielungen drehen das Rad der Zeit ins Jahr 1957 zurück, als es mit der Eröffnung des Kinos keinen Grund mehr gab, abends zu Hause zu bleiben.

Das Theater Marie lässt in seiner neusten Produktion «Kino Marie» 55 Jahre Landkino- und Mediengeschichte Revue passieren. Eine Geschichtslektion der amüsanten Art, mit einem Augenzwinkern Erinnerungen weckend, überaus unterhaltsam. Theater im Kino also. Und umgekehrt. Dabei erfährt das Kino unterschiedlichste Würdigungen: billige Unterhaltung für die niederen Klassen, bei dem die Sitznachbarn einem den Genuss verderben können? Ort der Erleuchtung ohne Meditation? Ort erster Annäherungsversuche ans andere Geschlecht!

Filme im Wirtshaus

Doch da kommt das Fernsehen auf, schwarz-weiss zunächst, und die Kinokonsumentin beginnt zu rechnen. Die «Linde» und der «Freihof» zeigen Filme, ohne Eintritt und Raucherzuschlag. Da kann man Fr. 1.70 sparen und erhält erst noch zwei Flaschen Bier, zwei Kaffees und drei Stück Patisserie. Das Theater Marie hat in Reinach, Suhr und Birsfelden recherchiert und Zeitzeugen kommen zu Wort, deren erfrischender Originalton schmunzeln lässt.

Lederhosen und Schulmädchen

Auf Marilyn Monroe folgen die 60er-Jahre mit Oswalt Kolles «Wunder der Liebe». Ein Knüller fürs Aargauer Landkino, zumal der Film im Nachbarkanton Zürich verboten war. Eine herrliche Parodie, das Interview Kolles mit zwei Professoren. Es reicht nicht,eine Geige zu haben, «es kommt darauf an, wie er seine Geige spielt», meint ein schwitzender Professor Hochheimer zur psychohygienischen Notwendigkeit sexueller Aktivität: «Die Menschen wollen wissen, wie sie Liebe machen können.» Die Zeitzeugen schwärmen derweil von bayrischen Lederhosenfilmen mit Schwedinnen-Besuch und Schulmädchenreporten. Nun ist auch Popcorn dabei.

Variété im weitesten Sinne

«Kino Marie» schliesst mit dem Untergang der Titanic. Die Leinwand ist längst heruntergerissen, und man lauscht gebannt der Unterhaltung auf dem sinkenden Schiff, den konkreten Todesvorstellungen durch Ertrinken im Eismeer.

Das Theater Marie (Regie Olivier Bachmann) bietet Variété, bunte Vielfalt: Da wird gesungen und musiziert; man kann schmunzeln und sinnieren. Geist und Gemüt kommen auf ihre Rechnung, und die technischen Kabinettstücke – Film und Theater durchdringen einander, und einmal heben die Akteure die Leinwand und sind dreidimensional da – sind nie Selbstzweck. Nächste Aufführung: 22. März in Suhr.

Info: www.theatermarie.ch