Unterkulm
Mit Ton und Farbe einen Traum leben

Zu Besuch bei der Künstlerin Verena Müller aus Unterkulm: Vom Keller übers Atelier bis in die Wohnung ist alles ein grosser Gestaltungsraum.

Peter Siegrist
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Zu Besuch bei Künstlerin Verena Müller
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Zu Besuch bei Künstlerin Verena Müller

Peter Siegrist

In einer Zeit, wo sich berufliche Tätigkeiten häufig auf Bildschirmen im virtuellen Raum abspielen, suchen viele Menschen nach ausgleichenden Tätigkeiten; nach Aktivitäten, wo unter ihren Händen Neues entstehen darf, wo sie ihre Sicht und Empfindungen gestalterisch umsetzen können. Im Atelier der Unterkulmer Keramikerin Verena Müller ist dies möglich. Sie teilt ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen, indem sie Kurse und «eine offene Werkstatt» anbietet.

Verena Müllers Atelierräume sind in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Unterkulm untergebracht. Über eine Treppe, die von Keramikfiguren gesäumt ist, erreicht man im ersten Obergeschoss die Werkstatträume der Keramikerin. Grosse Tische stehen in drei Räumen, Gestelle, mit Material und Werkzeugen belegt, lehnen an den Wänden. Durch grosse Fenster tritt das Tageslicht ein.

Wyna-Expo

Verena Müller stellt ihre Arbeiten vom 28. April bis zum 1. Mai an der Wyna-Expo in Reinach der breiten Öffentlichkeit vor. (www.ateliermosaik.ch)

Atelier als Begegnungszentrum

Ein weiterer Raum dient als Ausstellungsraum, wo die Keramikerin ihre Produkte ausstellt. Halboffene Kugeln mit farbiger Innenglasur und einem Teelicht leuchten hier zum Beispiel, auf den Fenstersimsen brennen Feuerschalen. Auf einem Tisch liegen nebeneinander dekorativ geformte Herzen, Blumen, daneben stehen Stelen mit besonders geformten Einzelteilen oder fantasievollen Tiergesichtern. In einem Werkraum befinden sich auf einem Gestell Tonkugeln, die den ersten Brand überstanden haben und jetzt darauf warten, von der Künstlerin mit einer farbigen Glasur überzogen und ein zweites Mal gebrannt zu werden. In diesen Räumen arbeitet Verena Müller, hier führt sie Kurse durch und leitet Erwachsene jeden Alters, aber auch Kinder zum schöpferischen Tun an. «Mein Atelier ist ein Begegnungszentrum», sagt sie, «ein Ort, wo man sich zum gestalterischen Tun und zum gemeinsamen Austauschen trifft.»

Vor fünf Jahren hat Verena Müller ihr «offenes» Atelier eingerichtet. Privatpersonen aus ganz verschiedenen Berufen, Gruppen, Grossmütter mit ihren Enkeln, ganze Familien nehmen an Workshops teil und arbeiten mit Ton. Auch mit Schulklassen hat die Keramikerin schon Modellierwochen durchgeführt. Bei ihrer Kurstätigkeit folge sie dem Grundsatz, «die Atelierbesucher sollen ihre eigenen Werke gestalten können.» Sie unterstütze, leiste technische Hilfe, wo es gewünscht werde, aber nie wolle sie «überkorrigieren».

In der Wohnung wird gemalt

Sind keine «freien Kunsthandwerker» oder Kursteilnehmer im Atelier, dann arbeitet Verena Müller an ihren eigenen Projekten. «Ich experimentiere mit Glasuren, verschiedenen Tonarten und entwickle meinen Stil immer weiter», sagt sie. Beim künstlerischen Gestalten sei alles im Fluss, da komme immer wieder Neues hinzu. Verena Müller wirkt gelöst und glücklich, wenn sie sagt, «ich lebe meinen Traum».

Ihre Wohnung liegt gleich über dem Keramikatelier. Der Übergang ist fliessend. Denn das zweite Standbein von Verena Müller spielt sich in einem grossen Raum in ihrer Wohnung ab: hier malt sie. Sie hat sich der abstrakten Malerei mit Öl- oder Aquarellfarben verschrieben. Auf Raufasertapeten als Malgrund trägt sie die Farben teils dick, teils dünn auf, bildet geometrische Formen, Rechtecke und Quadrate, zeichnet Ornamente, die sie spannungsgeladen zueinander in Beziehung setzt. Mit Tusche setzt sie in die Zwischenräume ganz feine «sphärische Schriftzeichen» ein. Diese Mosaike von farblich fein auf einander abgestuften Formen und Schriftzeichen, strahlen etwas Ruhiges, aber auch Geheimnisvolles aus.

Im Gegensatz zu Menschen, die strikt auf die klare, räumliche Trennung von Arbeitsplatz und Wohnung achten, freut sich Verena Müller daran, dass ihr «Gestaltungsraum» vom Keller mit den beiden Brennöfen über das Tonwerkstatt bis zum Malatelier direkt in die privaten Räume hineinreicht. «Menschen, Ton und Farben sind mein Umfeld, hier lebe ich.»