Ende November, als die zwei neuen 60-Tonnen-Giessereiöfen beim Alu-Werk Reinach vom Tieflader gehoben und in die Werkhalle gehievt wurden, da lag Schnee. In der Zwischenzeit sind die Anlagen montiert, mit der nötigen Infrastruktur ausgerüstet und aufgeheizt worden.

Die Alu hat ihre alte Giesserei in Menziken auskühlen lassen und stillgelegt. «Parallel dazu haben wir eine völlig neue Giessanlage im Werk Reinach hochgefahren», sagt Gerhard Anger, CEO der Alu Menziken. Die Giessereifachleute hätten ihren Arbeitsplatz von Menziken nach Reinach gezügelt, in der Übergangsphase sogar an beiden Orten gearbeitet.

Alu Menziken Extrusion AG produziert mit der neuen Giessereianlage im Werk Reinach.

Alu Menziken Extrusion AG produziert mit der neuen Giessereianlage im Werk Reinach.

Die neue Anlage steht in einer hellen Halle. Nur die Wärme in Ofennähe erinnert daran, dass der Besucher in einem Giesswerk steht. Als dann der Bereichsleiter Produktion, Hans Adams, die Ofentür kurz hochfahren lässt, strahlt die Hitze förmlich ins Gesicht und im Innern ist das flüssige, blubbernde Metall zu sehen.

Eine massgeschneiderte Anlage

Gerhard Anger erklärt, dass für ein Presswerk in der Grösse von jenem in Reinach eine eigene, «massgeschneiderte» Giesserei ein Muss sei. «Wir stehen in einem derart harten Wettbewerb», sagt Anger, «wenn wir da mithalten wollen, müssen die Anlagen genau aufeinander abgestimmt sein.»

Die Giesserei in Reinach, bestückt mit zwei Öfen, gehört in die Sparte «Format-Giesserei». In Reinach werden keine Alu-Teile gegossen, sondern Bolzen in verschiedenen Grössen. Zwischen 10 und 30 Zentimetern Durchmesser haben die Alustangen.

Die grössten erreichen die Länge von 7 Metern. Je nach Produkt, nach Profil, welches die Mitarbeiter mit den grossen Pressen herstellen, müssen die Giesser Bolzen in verschiedener Legierung vorbereiten.

«Die Qualitätsansprüche der Kunden sich hoch», sagt Anger, «da ist es wichtig, dass wir genau die gewünschte Qualität der Profile in mechanischer Eigenschaft und Oberfläche produzieren können.»

Dank der neuen Anlage, einer Investition von rund 5 Millionen Franken, kann die Alu ihre Giess-Kapazität verdoppeln bis verdreifachen. «Das ermöglich uns die Stangenproduktion vor Ort, wir müssen weniger extern zukaufen», so Anger. Rund 15 000 Tonnen Alu können jährlich in Reinach geschmolzen und verarbeitet werden.

Die neue Anlage bringt nicht nur den Mitarbeitern hellere, offene Arbeitsplätze, auch die interne Logistik ist für den Betriebsablauf optimaler. Früher mussten die in Menziken produzierten Alu-Bolzen nach Reinach ins Presswerk transportiert werden. Und der in Reinach anfallende Alu-Schrott wurde wieder in die Giesserei nach Menziken gefahren.

Giessöfen werden mit Gas beheizt

Jetzt sei der Ablauf fast optimal, sagen Adams und Anger: Schrott und Schmelzware in den Ofen, dann ausgiessen der Bolzen, anschliessend Ablängen und homogenisieren und lagern oder gleich verarbeiten in einer der grossen Pressen. «Mit diesen kurzen Wegen sparen wir Zeit und Energie», meint Anger und gibt ein weiteres Stichwort zur neuen Anlage.

In Menziken wurden die Giessereiöfen mit Strom aufgeheizt, hier in Reinach heizen die Giesser mit Erdgas. Die neuen Öfen sind so ausgerüstet, dass sie die warme Abluft gleich wieder in den Heizprozess zurückführen. Nicht nur Alu-Schrott wird recycelt, auch die Energie wird bestmöglichst im Prozess gehalten.

Angesichts dieser Investition im Werk Reinach erklärt Gerhard Anger, müsse sich die Firma immer wieder neu ausrichten, um zu bestehen im europäischen und internationalen Markt. «Wir müssen unseren Platz finden, auch in einer Zeit mit eher flauen Nachfrage».

Daher seien Umstrukturierungen, Änderungen bei Arbeitsprozessen und Anpassungen in der Produktepalette ein Dauerthema. «Wir müssen kostendeckend produzieren und am Schluss profitabel da stehen, um das Werk zu sichern.»

Der Euro, die Rohstoffpreise, alles spiele da zusammen. Und mitten drin stehe das Werk in Reinach, wo Mitarbeiter ihr Bestes gäben, um mit ihren Produkten im Markt bestehen zu können. Die Alu sei auf dem Weg, sagt Anger, aber «da wir keinen Rückenwind vom Markt spüren, ist es äusserst zäh.»