Reinach
Mit Lamborghini zum Vorstellungsgespräch: Aargauer Autoverleiher erfüllt Bubenträume

Bei «Rentalux» gehen Bubenträume in Erfüllung – hat man das nötige Kleingeld. Rund 6000 Franken lässt liegen, wer einen Lamborghini übers Wochenende mieten will. Einsteigern in der Branche empfiehlt Geschäftsführer Valbon Hakaj deshalb, mit dem Maserati anzufangen.

Rahel Plüss
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Lamborghini und Ferrari (Mitte) im neuen Showroom.

Lamborghini und Ferrari (Mitte) im neuen Showroom.

SEVERIN BIGLER

Man kennt sie im Oberwynental. An sonnigen Wochenenden kommen sie wie aus dem Nichts – Lamborghini, Ferrari, Maserati und Co. «Was zum Kuckuck ...?!», mag sich schon so manch einer gedacht und den Boliden ungläubig hinterhergestaunt haben. Wer sich nicht wegen ihres extravaganten Exterieurs umdreht, tut dies spätestens, wenn der Fahrer mit dem Gas spielt.

Für Valbon Hakaj wie Musik in den Ohren. Der 23-Jährige mit kosovarischen Wurzeln ist Geschäftsführer von «Rentalux», einem Vermieter von Luxusautos. Die Firma gehört seinem Bruder Valon Hakaj mit Partnern, der in der Immobilienbranche tätig ist und unter anderem die Überbauung Plattenstrasse in Menziken realisiert. Kürzlich ist «Rentalux» aus dem Schatten einer Hinterhofgarage in Menziken ins Reinacher Glashaus-Gebäude umgezogen. Hier gibts jetzt nicht nur einen Showroom, im Industriequartier neben Coop-Tankstelle und McDonald’s ist auch weniger mit Lärm-Reklamationen zu rechnen.

Ein Maserati zum Aufwärmen

Zwölf Luxusautos stehen zur Vermietung bereit. Der Lamborghini Aventador mit seinen Flügeltüren ist zweifellos das beste Pferd im Stall: 700 PS, die mit Bedacht gelenkt werden wollen. «Kein Anfängerauto», wie Valbon Hakaj betont. Einsteigern in der Branche empfehle er, mit dem Maserati anzufangen – mit immerhin 460 PS auch kein Kinderspielzeug. «Die meisten Kunden fahren aber sehr vorsichtig», betont Valbon Hakaj. «Viele sind sowieso extrem nervös, wenn sie kommen.» Oft seinen auch grosse Emotionen im Spiel. «Ein Bubentraum geht in Erfüllung. Das mitzuerleben, ist auch für mich immer wieder schön.»

An Wochenenden oder schönen Feiertagen arbeitet der junge Geschäftsführer, der nach der Bezirksschule zuerst eine Lehre als Anlageführer bei Emmi Suhr absolviert hatte, praktisch rund um die Uhr. Bis nachts um zwei können an Samstagen die Fahrzeuge abgegeben werden. Valbon Hakaj wechselt zwischen Jacket und Blaumann, eilt zwischen Showroom und Werkstatt hin und her. Vermietung und Unterhalt macht er in Personalunion. «Manch einem kommt erst nach Mitternacht in den Sinn, dass er gerne ein Auto mieten möchte», sagt er. «Kein Problem, er muss ihn einfach bis morgens um acht behalten.» Und das geht ins Geld. Für den Lamborghini Aventador legt man für sechs Stunden 1250 Franken hin (ohne Kilometerbegrenzung). Das ganze Wochenende kostet 5800 Franken. Den Ferrari 488 GTB etwa gibts für 3800 Franken.

«Wer mit dem Auto nur eine Runde durch Zürich drehen oder es irgendwo vor der Shisha-Lounge parken will, wie das viele Junge – Schweizer wie Ausländer – machen, kommt mit Kilometerbegrenzung etwas günstiger weg», sagt Valbon Hakaj. Oft könne er aufgrund der Mietdauer sagen, was Kunden vorhätten. «Wer ins Ausland bucht, der will fahren, Tempo machen.» Kurzmieter wollten meist nur gesehen werden oder hätten einen speziellen Anlass. «Einmal hat ein Koch einen Ferrari für sein Vorstellungsgespräch geholt.» Valbon Hakaj grinst. Wie es herausgekommen sei, wisse er nicht. Oder da sei der eine Stammkunde, ein älterer Mann, Schweizer, der miete immer einen Ferrari. «Dann fährt er über verschiedene Pässe und geht Pilze sammeln.» Er komme jeweils mit vollem Körbli auf dem Beifahrersitz retour.

Die Regeln sind strikt

Dass Kunden geblitzt würden, das komme öfters vor. Dass einer das Billett habe abgeben müssen, sei in den vergangenen zwei Jahren, seit es die Vermietung gebe, erst einmal passiert. Auch Unfälle seien zum Glück selten. Die Regeln sind strikt, die Liste der Vereinbarungen lang. Selbstbehalte. Ausschlüsse. «Jeder weiss, was er eingeht», das bläue er den Kunden bei der Instruktion immer wieder ein. «Die Autos sind versichert, wenn man sich richtig verhält.» Aber wie bei jedem richtigen Märchen gibts auch Verlockungen: Die verbotenen Knöpfe. Es ist untersagt, gewisse Automatiken zu deaktivieren. «Ich sage immer, wenn du da drückst und etwas passiert, zahlst du ein Leben lang. Das wirkt.»

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