Drei verschiedene Aussagen zieren die Plakate und Flyer der Klinik Im Hasel: «Ich will meinen Job behalten» – «Ich will ihnen das nicht antun» – «Ich will ihn nicht verlieren». Ein Berufsmann, ein Vater, eine Ehefrau drücken klar aus: «Ich will nicht». Thomas Lüddeckens, Chefarzt der Sucht-Klinik Im Hasel, bestätigt, Sucht ist eine Krankheit, die alles im Leben gefährden kann. Arbeitsstelle, Partnerschaft und die eigene Gesundheit. Und er schiebt aber nach: «Die Suchtkrankheit kann man therapieren.»

Aus Erfahrung weiss Lüddeckens, viele Suchtpatienten sind Menschen unter uns, die in der Arbeitswelt und in Familien integriert sind und die «lange Zeit recht gut funktionieren und ihre Aufgaben erfüllen». Ob Alkohol- oder Drogensucht, ob Spielsucht oder Internetsucht, alle diese Abhängigkeiten beinhalten ein zerstörerisches Potenzial.

Zwar sei vielen Süchtigen bewusst, dass etwas nicht mehr im Lot sei. Oft würden sie von ihrem familiären oder beruflichen Umfeld daraufhin angesprochen. Nur, der Entscheid, fachliche Hilfe anzunehmen und sich auf eine mehrmonatige Therapie einzulassen, sei nicht einfach zu fällen.

«Mit der Kurzzeit-Therapie verfügen wir über ein äusserst effizientes Instrument», sagt Lüddeckens. Auch Arbeitgeber würden hier noch mitziehen. «Zwei Monate Ausfall liegen noch drin, die Patienten verlieren ihre Stelle nicht.» Auch Familien könnten sich für diese Zeit organisieren, wenn Vater oder Mutter ausfällt. Die Kurzzeittherapie richtet sich gezielt an Menschen, die zwar ein Suchtproblem haben, die jedoch noch gut in ein System, seien es Arbeitsplatz oder Familie, integriert sind. Häufig würden die Menschen zwar selber spüren, «dass etwas ist», sagt Lüddeckens, aber sie würden sich dennoch zu spät in eine Therapie begeben. Dies sei der Grund dafür, dass die Klinik eine Kurzzeit-Therapie entwickelt hätte. «Acht Wochen sind gut», sagt der Arzt, «wenn nachher eine ambulante Begleitung anschliesst.»

Die Aussagen auf den Plakaten weisen auf den Kern der Therapie hin. «Ich will meinen Job behalten». Da könne man weiter fahren, so Lüddeckens und sagen: «Ich will in meinem Leben, das zu entgleisen droht, etwas ändern.» Die Motivation zur Veränderung sei das A und O der Suchttherapie. Darauf basiert auch die «8-Wochen-Intensivtherapie. Nach einem Eintrittsgespräch im Ambulatorium in Lenzburg und dem Entscheid des Patienten, sich auf die Therapie einzulassen, folge die Aufnahme auf dem Hasel. Die Kurzzeit-Therapie wird stationär in der Klinik durchgeführt. Die Patienten einer Gruppe – sieben bis neun Personen – treten am gleichen Tag ein und durchlaufen die ganze Therapiezeit gemeinsam als Gruppe. Das Zusammenleben in der Gruppe bewirke, dass sich die Patienten gegenseitig motivierten und in ihrem Willen, etwas zu verändern, bestärkten. Auch in Krisen ist die Gruppe eine starke Unterstützung.

Ein Teil des Therapieangebotes, von Gesprächen, Kunst- und Körpertherapie bis hin zu verschiedenen Sportangeboten findet jeweils im Gruppenrahmen statt. Ergänzt werde die Arbeit in der Gruppe durch Einzelgespräche mit dem Einzeltherapeuten, erklärt Lüddeckens. Unter anderem baut die Klinik auf eine «aufmerksamkeitsorientierte Psychotherapie». «Dazu gehört auch das Aushalten von schlechten Gefühlen, von Stress.» Dies müsse geübt und trainiert werden. Suchtpatienten hätten ganz häufig auch psychische Probleme. «Da müssen sie sich der Auseinandersetzung mit ihrer Lebensgeschichte stellen.» Von grundlegender Bedeutung sei, dass die Patienten vor allem in der Gruppe spürten, «ich bin mit meiner Sucht nicht allein». Die Gruppenmitglieder werden zur Schicksalsgemeinschaft, und sie stützen sich gegenseitig. Die geringe Abbruchquote von unter zehn Prozent bestätigt die Klinikleitung darin, dass das Gruppenkonzept funktioniert. Die acht Wochen werden miteinander begonnen und auch wieder als Gruppe beendigt.

Den acht Wochen folgt eine längere ambulante Begleitung. Diese bringt Patienten Sicherheit und Rückhalt, wenn sie sich wieder im Alltag bewegen. Die
8-Wochen-Therapie ist offen für Patienten ab 18, wobei die meisten in der Regel zwischen 26 und 60 Jahre alt sind.

Finanziert werden der stationäre Klinikaufenthalt und die ambulante Nachbetreuung durch die Krankenkassen. Sucht ist als Krankheit definiert. Für Lüddeckens ist entscheidend, dass die Leute rechtzeitig etwas unternehmen, etwas ändern. So kann viel Elend von Familien abgewendet werden und die Betroffenen selber finden wieder in ein gutes Leben zurück.