Schulbildung

Mit Franz Wiehl verlässt eine Lehrerlegende Reinach

Anschaulich und genau wie dieser Versuchsaufbau war Franz Wiehls Unterricht. Peter Siegrist

Franz Wiehl

Anschaulich und genau wie dieser Versuchsaufbau war Franz Wiehls Unterricht. Peter Siegrist

Franz Wiehl geht nach 22 Jahren Dienst an der Sekundarschule vorzeitig in Pension. Im Gespräch mit der az erzählt, was er alles erlebt hat und wieso er in der Reinacher Schule Spuren hinterlässt.

Mit Franz Wiehl verlässt ein Sekundarlehrer die Reinacher Schule, der Spuren hinterlässt. Zwar räumt er am letzten Schultag Kästen aus, verschenkt und oder verpackt Material in Schachteln, verwischt also Spuren, aber vieles bleibt zurück. Zum Beispiel die gut ausgerüstete und vorbildlich organisierte Mediothek, die weit über die Kreisschule hinaus ihresgleichen sucht. Franz Wiehl hat sie über Jahre aufgebaut und betreut. Oder die Naturwissenschaftliche Sammlung, wo die Lehrer mit ihren Schülern praktisch arbeiten können. Franz Wiehl war bei der Konzipierung und der Einrichtung massgeblich beteiligt.

Über zehn Jahre Reallehrer

Diese Tatsache erstaunt nicht, denn Wiehl hat einst in Aarau eine C-Matur gemacht und sagt von sich selber: «Ich bin ein strukturierter und analytisch denkender Mensch.» Wiehl, der eigentlich Pädagogik und Psychologie studieren wollte, ist nach der Kanti buchstäblich in die Schule hineingerutscht.

In den 70er- Jahren war Lehrermangel und die Schule Bergdietikon hat dem damaligen Maturanden eine Stellvertretung anvertraut. Eine Kleinklasse, und dies ohne Ausbildung. Franz Wiehl nahm zwar das Studium auf, unterbrach es jedoch für weitere Stellvertretungen, bis er sich endgültig für den Lehrerberuf entschied und 1975 den Jahreskurs am Lehrerseminar absolvierte. Von 1976 bis 1989 war er Reallehrer in Bergdietikon, und bildete sich in dieser Zeit noch zum aargauischen Sekundarlehrer weiter.

Der Wechsel ins Wynental

1989 wechselte er an die Sekundarschule in Reinach. Mit seiner geradlinigen Art, seinem klar strukturierten Unterricht hatte er sich bald den Ruf eines Lehrers geschaffen, der viel von seinen Schülern erwartete und forderte, der ihnen aber auch sehr viel mit auf den Weg gab. «Ich habe erfahren, dass die Jugendlichen leisten wollen» sagt Wiehl, «aber sie müssen adäquat gefordert werden.» Auch die Kollegen der Bezirksschule, die immer wieder Schüler von Wiehl übernahmen, schätzten deren solide Ausbildung und gute Arbeitshaltung.

Auch lernen will gelernt sein

Franz Wiehl hat seine Schüler das Lernen gelehrt, hat ihnen viel zugetraut. «Dabei ging ich an die Grenzen.» Doch Rückmeldungen von Eltern oder, was ihn besonders freut, von Ehemaligen, bestätigen, dass dieser manchmal strenge Weg letztlich geschätzt wurde. Vor dem Wochenende mussten bei Wiehl sämtliche Arbeiten erledigt und das Pult aufgeräumt werden, «manchmal war da Open End», schmunzelt der Lehrer. Doch kürzlich habe ihm ein ehemaliger Schüler erklärt, dass sei schon hart gewesen, aber heute halte er es am Freitagnachmittag in seinem Büro genau gleich.

Franz Wiehl hat seine Frühpensionierung mit 58 Jahren sorgfältig geplant. Seine Gesundheit - Wiehl ist Diabetiker - nötige ihn dazu. Die Gefahr, ob der Arbeitsbelastung auszubrennen, war latent vorhanden, und dem wollte Wiehl bewusst entgegentreten.

Früher weniger Fremdeinflüsse

Mit dem Blick auf die vergangenen Jahre kommt Franz Wiehl zum Schluss, dass vieles anders, aber nicht alles besser war. Die Jugendliche seien heute derart vielen Einflüssen ausgeliefert und müssten lernen damit umzugehen. Dabei spricht er die Neuen Medien an, welche die Schüler praktisch rund um die Uhr beschäftigen. «Das sind zusätzliche Dinge, die wir während unserer Pubertät nicht kannten.»

Wiehl ist überzeugt, dass auch heute einzelne Lehrerinnen und Lehrer eine Schule prägten, wenn dies auch bei externen Evaluationen nicht beurteilt werde. Die Schulbürokratie habe im Unterschied zu früher stark zugenommen und drohe gelegentlich den gesunden Menschenverstand auszubremsen. «Es ist schlimm», sagt Wiehl, «alles muss heute rechtlich abgesichert sein; statt sich von der Juristerei leiten zu lassen, wären manchmal mutige Entscheide nötig.» Den Behörden von Reinach windet Wiehl ein Kränzlein, sie seien immer offen gewesen für Neuerungen und hätten die nötigen Anschaffungen bewilligt.

Als Lehrer älter werden

Franz Wiehl hat in den letzten Jahren die Stelle mit seiner Frau Esther geteilt. Als pädagogisches Team haben die beiden die Schüler gemeinsam angeleitet. «Wenn auch die altersmässige Distanz zu den Kindern mit den Jahren grösser wurde» erklärt Wiehl, «waren es die Schüler, die mich jünger erhielten.» So denke er zum Beispiel an die Informatik: «Ich weiss nicht, ob ich ohne Schüler alles mitgemacht hätte.» Ähnlich sei es ihm im Kollegium ergangen, wo er gelegentlich in die Rolle des erfahren Beraters geriet.

Ganz so leicht fällt der Abschied nicht. Wer wie Franz Wiehl mit Herzblut Lehrer war, löst sich nicht so leicht. Er werde aber bewusst aus der Schule gehen, wenn er auch noch für ein halbes Jahr die Mediothek als Stellvertreter weiterführe. «Andere Stellvertretungen nehme ich im Moment keine an, ich will jetzt ganz bewusst mein Leben nach der Schule organisieren. Interessen und Pläne hat Franz Wiehl viele. Damit er damit Ernst macht und der Start in den neuen Abschnitt auch physisch erfährt, hat ihm seine Frau für den letzten Sommerferientag - die Lehrer haben eine Weiterbildung - eine Tageskarte für die Eisenbahn geschenkt.

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