Kulmerau LU
Mit der «IG pro Kulmerau» formiert sich der Widerstand gegen den Windpark

Der neue Verein «IG pro Kulmerau» kritisiert die Pläne der CKW, auf der Höhe bei Kirchleerau und Kulmerau (Triengen LU) einen Windpark zu errichten.

Peter Siegrist
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Die Visualisierung des Windparks auf dem Gemeindegebiet von Kirchleerau und Triengen LU.

Die Visualisierung des Windparks auf dem Gemeindegebiet von Kirchleerau und Triengen LU.

Visualisierung/zvg

Auf der Höhe bei Kirchleerau und Kulmerau (Triengen LU) planen die Centralschweizerischen Kraftwerke CKW einen Windpark mit vier Windkraftanlagen. Rund 18 Millionen Franken wollen die CKW hier investieren und noch in diesem Jahrzehnt mit den Windrädern ans Netz gehen.

«200 Meter Abstand genügen hier»

Peter Suter, Leiter Neue Energien der Centralschweizerischen Kraftwerke CKW, äussert sich zu den Argumenten der IG Kulmerau: «Unsere Windmessungen haben deutlich höhere Werte ergeben, als die IG erwähnt.» Jetzt messe die CKW noch ein zweites Jahr auf der Kulmerauer Höhe, um die zu erwartende Stromproduktion genauer abzuschätzen. Zum Hinweis, die Anlagen würden deutlich unter der Nenneffizienz laufen, erklärt Suter: In unserem Gebiet erzielten Windräder selten die maximale Nennleistung. Sie seien rund 6000-7000 Stunden in Betrieb, also 70 bis 80 Prozent der Zeit. Man rechne dabei mit sogenannten Volllaststunden. Topanlagen erreichten in der Schweiz rund 2000 Volllaststunden pro Jahr. «In Kulmerau erwarten wir bis zu 75 Prozent der Auslastung an einer Toplage mit idealem Standort. Suter bestätigt zudem, dass die Nabenhöhe der Anlagen bei rund 100 Metern liegen müssten. Der Abstand von etwas mehr als 200 Meter zwischen den Anlagen genüge hier, weil die Windräder parallel zu den Hauptwindrichtungen stünden und nicht hintereinander.

Zur Effizienz sagt Suter: «In unseren Produktionsprognosen ist sogar ein Abzug von rund 20% für Netzverluste, Mess-Ungenauigkeiten, Eisbeschlag und für Abstellung bei Unterhalt, Vogelzug und Fledermäusen eingerechnet – erst auf dieser Basis berechnen wir die Wirtschaftlichkeit der Anlagen.» Die IG sagt, ohne Einspeisevergütung würde auch die CKW nicht bauen. Suter: «Wir können als privatwirtschaftliches Unternehmen nur Kraftwerke bauen, die rentieren. Mit den Fördermitteln des Bundes, der gemessenen Windstärke und unserer Auslegung des Windparks ist er wirtschaftlich realisierbar.» Kosten für Amortisation, Unterhalt und Betrieb, Rückbau und Kapitalverzinsung könnten gedeckt werden. (psi)

Im Juni informierte die CKW in Kirchleerau und Triengen die Bevölkerung. «Kirchleerber reagieren positiv auf geplanten Windpark» titelte die az nach dem Infoanlass. Wie sich jetzt jedoch zeigt, ist die Bevölkerung nicht einhellig begeistert von den Plänen der CKW. In Kulmerau steht der Verein «IG pro Kulmerau» vor der Gründung. Mitglieder der Kerngruppe der IG sind Barbara Estermann, Kulmerau, und Heinz Sommerhalder, Schmiedrued-Walde. Gegenüber der Aargauer Zeitung äussern sie ihre Vorbehalte zu den Plänen der CKW. «Ich bin nicht grundsätzlich gegen Windkraft», sagt Barbara Estermann, «aber am richtigen Ort». Sommerhalder ergänzt, er sei als technisch ausgerichteter Mensch fasziniert von solchen Anlagen. «Aber nur am richtigen Platz», sagt er, «dort, wo die Anlagen übers Jahr gesehen ihre Nennleistung erbringen.»

Die beiden IG-Vertreter untermauern ihre Argumente gegen die Anlagen in Kirchleerau mit Karten und Zahlentabellen. Drei der vier Anlagen würden gemäss Windkarte des Bundes in einem Gebiet stehen mit einer Durchschnittswindstärke von weniger als 4,5 Meter/Sekunde. «So laufen sie unterhalb ihrer Nenneffizienz», sagt Sommerhalder, sie würden knapp einen Zehntel der möglichen Energie produzieren. Die CKW könne hier kaum rentabel Strom produzieren, «das geht nur, weil die Anlagen mit der Einspeisevergütung subventioniert werden», so Sommerhalder. Estermann fügt an, dass die Minimalabstände zwischen den Anlagen nicht eingehalten würden. «Nur 200 Meter statt deren 300.» Das Gebiet sei zu kleinräumig für eine derart grosse Anlage, da sei mit Turbulenzen zu rechnen.

Keine Sankt-Florian-Politik

Die beiden IG Mitglieder halten fest, sie wollten keine Sankt-Florians-Politik betreiben. «Wir kämpfen gegen den technischen Unsinn, Anlagen mit einem 10-Prozent-Wirkungsgrad zu bauen.» Es geht ihnen nicht primär um den Landschaftsschutz, sie wissen beide, dass erneuerbare Energien in den Produktionsmix gehören, aber auch dass man in der Schweiz nicht mit den Massstäben deutscher Küsten messen kann. Das hügelige Mitteland lasse kaum effiziente Anlagen zu, sagen sie. Als positives Beispiel führen sie die Anlage auf dem Gütsch bei Andermatt an. Dort seien die Bedingungen besser, und es müsse auch keine Rücksicht auf Anwohner genommen werden. Die CKW wird sich wohl auf eine Diskussion mit der IG Kulmerauer Allmend einlassen müssen.