Ein bisschen Nostalgie schwingt mit: Die alten Postfächer gefielen Monique Gächter besser. «Sie waren irgendwie chic«, sagt sie und streicht mit der Hand über die neuen, modernen Postfächer.

Diese insgesamt 54 modernen Postfächer befinden sich seit Beginn des Jahres im Velounterstand an der Luzernerstrasse 17, gleich neben dem Post-Verteilzentrum. Die Fächer im Dorfzentrum bleiben seither leer. Trotz leiser Sentimentalität findet Gächter den Umzug der Postfächer sinnvoll. Es bedeute weniger Verkehr mitten im Dorf. «Eine gute Sache», sagt sie und steigt mit Zeitung und Briefen in der Hand wieder in ihr Auto und fährt zurück ins Zentrum.

Mehr Lärm im Wohnquartier

Wenig begeistert über den neuen Standort der Postfächer ist ein Anwohner, der seit knapp einem Jahr in der Überbauung wohnt, in deren Velounterstand die Postfächer sind. «Seit die Fächer in Betrieb genommen wurden, veranstalten die Benutzer der Schliessfächer morgens ein kleines Verkehrschaos.» Das Schliessen der Fächer mache ausserdem Lärm, erzählt er. «Für mich ist es schwer nachvollziehbar, dass Postfächer in ein Wohnquartier verlegt werden.»

Erklären kann den Umzug Beat Stirnemann, Leiter Briefzustellregion Aarau. Die alten Postfächer bei der Post seien veraltet und sanierungsbedürftig. Zudem wird überlegt, ob ein neuer Eingang für den Abtransport der aufgegebenen Sendungen im Bereich der heutigen Postfächer gebaut werden soll. Ausserdem seien Postfächer den Verteilzentren angeschlossen und nicht den Kundenschaltern. Das spreche aus logistischer Sicht für die Nähe zum Verteilzentrum. Es gibt noch einen dritten Grund: «Das kostenlose Postfach ist ein Auslaufmodell.» Das zeigt auch die Reduktion der alten Anlage von 150 benutzen auf neu 54 Fächer. Früher war das Postfach wichtig, weil es noch keine Frühzustellung der Zeitung gab. Für die Post aber der gewichtigste Faktor: «Mit der heutigen Sortierlogistik ist es für uns günstiger die Briefe in die Briefkästen zu verteilen, als in die Postfächer.» Deshalb kommt es der Post entgegen, dass nur ein Drittel der Postfach-Besitzer den Umzug ins Quartier mitmachte.

Für den lärmgeplagten Anwohner bedeuteten die verbleibenden Postfächer trotzdem bis zu 50 Autos, die sich morgens um den einzigen Parkplatz vor dem Haus reissen und 50 Mal das Scheppern beim Öffnen und Schliessen der Fächer.» Ändern könne man das nicht, sagt Stirnemann. «Wir waren zuerst hier, das Erdgeschoss wurde nach unseren Wünschen für einen Logistikbetrieb erstellt.»

Der Anwohner will nun erst mal abwarten, wie sich die Situation entwickelt und das Gespräch mit der Verwaltung suchen: «Danach sehen wir weiter.»