Reinach

Mit «Capriols» als Leitfaden durch ein Konzert

Konzert des OV-Reinach mit dem Dirigenten und Cellosolisten David Reitz in Schöftland. archiv Mathias Marx

Konzert des OV-Reinach mit dem Dirigenten und Cellosolisten David Reitz in Schöftland. archiv Mathias Marx

Der Orchesterverein Reinach unter David Reitz trat in den Kirchen Schöftland und Reinach mit einem bunten Programm auf. Zu den klaren Höhepunkten gehörten drei Werke – zwei für Orchester und Rossinis Andante mit Variationen für Flöte und Harfe.

Im Zentrum stand Dirigent und Cellist David Reitz – und es gab allerlei «Capriols» während und zum Schluss des Konzerts. Weshalb David Reitz ausgerechnet Joseph Haydns berühmtes D-Dur-Cellokonzert an den Beginn des Abend gestellt hat, bleibt sein Geheimnis.

Das sowohl für das begleitende Orchester als auch für den Solisten äusserst durchsichtige und heikle Stück eignet sich bestimmt nicht zum Einspielen.

Da wäre allen Beteiligten mit der vierten Sinfonie von William Boyce, einem gefälligen Werk aus dem 18. Jahrhundert, mehr gedient gewesen.

Während das Orchester engagiert, mitunter fast verzweifelt um saubere Intonation und Tempogleichheit mit dem Solisten rang, musste Reitz am Soloinstrument beides tun, seinen transparenten und zeitweilen virtuosen Part vortragen und gleichzeitig dem dirigentenlosen Orchester Impulse geben, damit nicht zu viel auseinanderdriftete.

Unter diesen eher schwierigen Verhältnissen konnte zwar eine ansprechende, aber keine überzeugende Leistung zustande kommen. Immerhin: im langsamen Satz fügten sich Orchester und Solist zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Farben und Schatten

Maurice Ravels «Pavane pour une infante défunte» ist ein im Jahre 1899 entstandenes Klavierwerk, das Ravel erst elf Jahre später orchestrierte – ein zarter, melancholischer Tanz, der vom grossen Bogen lebt, den das Werk vom ersten bis zum letzten Takt umspannt.

Von diesem Bogen war wenig zu spüren, zu sehr war jedes Orchestermitglied mit seiner eigenen Partitur beschäftigt. So konnte man die Grossartigkeit dieser Musik über weite Strecken nur erahnen.

Bläser sorgten für Farbtupfer

Besser gelang ein anderes langsames Stück, die «Pavane» von Gabriel Fauré aus dem Jahre 1887, das die Zuhörenden mit Ausnahme des Anfangs zu überzeugen und zu berühren vermochte. Speziell zu erwähnen sind hier die Bläser, die mit schönen Farbtupfern das Ganze zu bereichern vermochten.

Zu den klaren Höhepunkten des Abends wurden drei Werke, zwei für Orchester und Rossinis Andante mit Variationen für Flöte und Harfe. Diesen virtuosen Variationen gaben der Flötist Werner Stähli und die Harfenistin Isabelle Pampuch viel Kolorit und sprühende Italianità – ein Genuss!

Die beiden Orchesterstücke – die bereits erwähnte Sinfonie von Boyce und die «Capriol-Suite» des englischen Komponisten Peter Warlock – waren die beiden anderen Höhepunkte. Der begabte Engländer Warlock wurde nur 36 Jahre alt und komponierte vor allem Lieder.

Die «Capriol-Suite» für Streichorchester, entstanden vier Jahre vor seinem Tod, ist bis heute seine bekannteste Hinterlassenschaft. Es handelt sich um sechs Tänze aus dem Mittelalter, geschaffen von Thoinot Arbeau und bearbeitet von Warlock.

In beiden Interpretationen spürte man ganz deutlich, dass sich das Orchester hier zu Hause fühlte, dass es nicht überfordert war und mit Lust und rhythmischer Sicherheit musizieren konnte.

Mag sein, dass gewisse Bläsereinsätze in Boyces Sinfonie etwas zu scharf gerieten, mag auch sein, dass die «Tordion» in Warlocks Suite, das den Streichern mit nicht einfachen Pizzicati recht viel abverlangt, nicht wunschgemäss gelang.

Dass man sich ganz am Schluss nicht einig war, wie die letzten Akkorde zu spielen waren, konnte man den Musikern verzeihen. Trotzdem war es hier eine Freude, dem Orchester zuzuhören.

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