Die Gemeinden im Wynental sind im Dilemma. Über den Daumen gepeilt leben rund 400 bis 500 Personen in der Region von der Sozialhilfe. Das Angebot an günstigem Wohnraum zieht wirtschaftlich Schwache an.

Zudem bleiben viele erstzugewiesene Flüchtlinge im Tal und belasten, wenn der Kanton die Kosten nach fünf Jahren nicht mehr trägt, die Gemeindekassen. Das Hauptproblem: Sie sprechen schlecht Deutsch und sind wenig integriert.

Dem will «jobwärts» entgegenwirken. Das Projekt, das vor gut einem Jahr als Pilotprojekt in Burg startete und ab Mai so richtig Fahrt aufgenommen hat, will Beschäftigungsmöglichkeiten für Personen aus dem Asyl- und Sozialhilfebereich schaffen.

Das Ziel: diese Menschen über Alltagsstrukturen und Arbeit fit zu machen, ihren Lebensunterhalt irgend einmal – oder wieder einmal – selber zu bestreiten.

Bereits 36 freiwillige Mentoren

Unterdessen gibt es schöne Erfolge zu verzeichnen: Bereits 36 Mentoren aus allen acht beteiligten Gemeinden arbeiten im Projekt mit. Mentoren, das sind Freiwillige, die Klienten ehrenamtlich begleiten, sie bei der Pflichterfüllung gegenüber den Ämtern unterstützen und ihnen helfen, sich ins Dorfleben zu integrieren.

«Wichtig ist auch, dass der Mentor bei Fremdsprachigen die Deutschfortschritte kontrolliert», sagt «jobwärts»-Koordinatorin Lilo Henkel. Die Zetzwiler Gemeinderätin und ehemalige Mitarbeiterin beim Projekt «Pforte Arbeitsmarkt» weiss, wovon sie redet. «Leider wird dem in Aarau viel zu wenig Beachtung geschenkt. Dabei sind die Deutschkenntnisse das A und O. Wir konnten schon Angebote von Arbeitgebern nicht nutzen, weil die Sprachkenntnisse nicht ausreichten.»

26 Einsatzplätze hat «jobwärts» mittlerweile gefunden: etwa bei Bauämtern, auf dem Entsorgungsplatz oder beim Forst. Gegen 50 Personen haben in den vergangenen Monaten auf diese Weise rund 200 Stunden gemeinnützige Arbeit geleistet.

Ein Erfolg freut Lilo Henkel besonders: Ein Asylbewerber hat es geschafft, eine Festanstellung zu bekommen. Aber auch jene vier Personen, die Teilzeit arbeiten können, sind «ein Aufsteller» und motivieren, weiterzumachen.

Lilo Henkel, das merkt man, ist mit Eifer dabei. Sie organisiert, koordiniert und iniziiert – weit über ihr bezahltes 30-Prozent-Pensum hinaus. Als Nächstes soll an der Hauptstrasse 65 (im Erdgeschoss des Valiant-Gebäudes) ein Bewerbungsatelier eröffnet werden.

Start ist voraussichtlich Mitte Februar. «Wir planen ein ganz niederschwelliges Angebot», so Henkel. «Wir prüfen Unterlagen, helfen, Inserate zu übersetzen oder Anforderungen zu verstehen.» Auch das Bewerbungsatelier wird von Mentoren geführt. «Bei den Freiwilligen hats einige Profis dabei.»

Beiträge aus Swisslos-Fonds

Von den 142 Klienten, die von «jobwärts» aktuell betreut werden, sind 80 Prozent Asylsuchende, der Rest übrige Sozialhilfeempfänger, zumeist Schweizer. Das Projekt, lanciert von der Organisation «Impuls Zusammenleben aargauSüd» in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Burg, Menziken und Reinach, konnte dieses Jahr aufs ganze Tal ausgeweitet werden.

Es wird vom Kanton mit 96 000 Franken aus dem Swisslos-Fonds unterstützt. Die erste Tranche, etwa die Hälfte des Betrages wurde bereits ausgeschüttet. Nach einem Zwischenbericht, der im Februar fällig ist, wird über die Fortzahlung entschieden.