Leimbach
Mit 19 wurde er jüngster Gemeindeschreiber im Aargau: «Luca Zanatta ist ein Ausnahmetalent»

Vor einem Jahr wurde Luca Zanatta als 19-Jähriger zum Gemeindeschreiber gewählt – was er an seinem Beruf mag und womit er Mühe hat.

Rahel Plüss
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Leimbach hat 446 Einwohner: Als Gemeindeschreiber ist Luca Zanatta Dreh- und Angelpunkt der kleinen Wynentaler Gemeinde – nah dran, an allem und allen.

Leimbach hat 446 Einwohner: Als Gemeindeschreiber ist Luca Zanatta Dreh- und Angelpunkt der kleinen Wynentaler Gemeinde – nah dran, an allem und allen.

Rahel Plüss

Er erinnert sich, als wärs gestern gewesen. «Es war ein Sprung ins kalte Wasser», sagt Luca Zanatta. Zwar sei er gut unterstützt worden, sein Vorgänger Raphael Huber habe ihm im ersten Monat noch unter die Arme gegriffen, aber es sei halt schon viel auf einmal gewesen. «So ist das hier, in einer solch kleinen Gemeinde, aber das ist genau das, was mir so gut gefällt.» Luca Zanatta ist seit einem Jahr Gemeindeschreiber von Leimbach. Als er das Amt antrat, war er gerade mal 19 Jahre alt – und damit wohl einer der jüngsten Gemeindeschreiber der Schweiz.

Luca Zanatta empfängt die AZ zum Gespräch im Gemeindehaus. Es ist kurz nach 17 Uhr. Heute hat der Schalter länger geöffnet. Der Gemeindeschreiber hält die Stellung. Die beiden andern Verwaltungsangestellten sind bereits im Feierabend. Das Telefon klingelt. Luca Zanatta entschuldigt sich und eilt an den Schreibtisch. Dem jugendlichen Aussehen zum Trotz: Kompetent berät er die Person am andern Ende der Leitung.

Leimbach hat aktuell 446 Einwohner. Als Gemeindeschreiber führt Luca Zanatta hier Kanzlei, Einwohnerkontrolle und Sozialdienst in Personalunion. Er ist Dreh- und Angelpunkt der kleinen Wynentaler Gemeinde, nah dran, an allem und allen. Viele Leute im Dorf kenne er bereits mit Namen, sagt er. «Das war vorher anders. Komplett anders.» Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann bei der Gemeindeverwaltung Reinach war er als Kundenberater im Stadtbüro Baden tätig. Es habe ihm gefallen, «aber dort ist man eine Nummer von vielen», sagt er. Er habe seinen Fachbereich betreut und wenig Kontakt zur Bevölkerung gehabt. Von einer der grössten Verwaltungen im Kanton hat er also vor einem Jahr in eine der kleinsten gewechselt; in ein Dorf in dem jeder jeden kennt – und in dem er als Kanzler Einblick in fast alles bekommt.

«Kein Tag wie der andere»

Die Vielfalt der Aufgaben sei spannend. Und herausfordernd zugleich. «Hier ist kein Tag wie der andere», sagt er. Da könne am Morgen ein Baugesuch reinkommen, am Nachmittag ein Sozialhilfefall auftauchen oder ein Schulthema zu behandeln sein, und wenn die Behörden einladen, würde er abends durchaus auch mal den Apéro ausschenken. «Solange ich nicht nur noch Gläser fülle, ist das voll in Ordnung», sagt der junge Gemeindeschreiber und lacht. Er fühle sich wohl in der Gemeinde. Trotzdem. Die Nähe habe auch seine Schattenseiten. «Ich habe manchmal Mühe, abzuschalten», sagt er. «Etwa, wenn ich in Prozesse involviert bin, die ich selber nicht steuern kann.» Eine traurige Familiengeschichte etwa. Ein Kind, das fremd platziert werden müsse. Da falle es ihm schwer, nicht auch noch in seiner Freizeit dran zu denken. Ausgleich finde er unter anderem in der Musik. Er spielt leidenschaftlich Klavier. Auch in der Guggenmusik in Pfeffikon und in der Feuerwehr Gontenschwil-Zetzwil ist er dabei. Zusammen mit Kollegen hat er im September zum zweiten Mal das After-Sun-Festival in Zetzwil organisiert.

Räumliche Distanz ist wichtig

Noch wohnt Luca Zanatta zu Hause bei seinen Eltern in Zetzwil. Eins ist für ihn klar: Sollte er mit seiner Freundin zusammenziehen – die er im Stadtbüro Baden kennen gelernt hat – wird das sicher nicht in Leimbach sein. Räumliche Distanz zu seinem Arbeitsplatz ist ihm wichtig.

Ein richtig ausgewachsener Kanzler ist Luca Zanatta noch nicht. Berufsbegleitend besucht er derzeit die Gemeindeschreiberausbildung. Dennoch führt er seine Geschäfte mit wachsender Sicherheit und guter Fachkompetenz. Die Leimbacher Behörden bereuen ihre Wahl jedenfalls nicht. «Unser Bauchgefühl hat uns nicht im Stich gelassen», sagt Gemeindeammann Janine Murer. Vor Jahresfrist hatte sich Zanatta gegen acht Mitbewerber durchgesetzt und vom Gemeinderat einstimmig den Zuschlag erhalten. «Luca Zanatta ist ein Ausnahmetalent für sein Alter.»