Reinach AG
Mister Saalbau: Der Herr über Licht und Ton

Der Saalbau Reinach feiert sein 50-Jahr-Jubiläum. Für alt Bühnenmeister Eugen Gautschi,einen Mann der ersten Stunde, ist es, als obs erst gestern gewesen wäre.

Peter Siegrist
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Eugen Gautschi oder «Mister Saalbau» war bis 2013 Bühnenmeister.
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Aufbau der Dachkonstruktion und Aufrichte für den Saalbau. Das Baugerüst war aus Holz.
Mister Saalbau, Reinach

Eugen Gautschi oder «Mister Saalbau» war bis 2013 Bühnenmeister.

Peter Siegrist

Keiner kennt in Reinach den Saalbau und dessen Geschichte so gut wie Eugen Gautschi (76). Er war seit der Einweihung im August 1965 bis Mitte 2013 verantwortlicher Bühnenmeister. Eine Aufgabe, die er mit Herzblut erfüllte und welche ihm letztlich den Beinamen «Mister Saalbau» eintrug.

Acht Jahre vergingen von der ersten Planungssitzung bis zur Einweihung des neuen Saalbaus. Acht Jahre, die sich lohnten, denn die Reinacher hatten es geschafft, ein grosses, für das kulturelle Leben wegweisendes Projekt, zu stemmen. Budgetiert seien 900 000 Franken gewesen, weiss Gautschi zu erzählen, «gekostet hat der Bau dann das Doppelte». Nur, das sei begründet und akzeptiert gewesen, während des Baus habe man entschieden, einen hydraulisch absenkbaren Saalboden und weitere Raffinessen einzubauen. Dafür sei Reinach in Besitz eines Vorzeigegebäudes gekommen.

Turnhalle genügte nicht mehr

In den 1960er-Jahren waren vor allem die Reinacher Vereine an einem Saal mit einer Bühne interessiert. Die alte Turnhalle mit Baujahr 1905 genügte den Ansprüchen schon lange nicht mehr. Gesangsvereine, die beiden Turnvereine und die Musikgesellschaft wünschten sich eine bessere Infrastruktur für ihre Unterhaltungsabende. Eugen Gautschi selber war bei den Guttemplern engagiert, ein Verein, der jeweils in der Turnhalle vor zahlreichem Publikum Theater spielte. Schon damals war er auf der mehr oder weniger improvisierten Turnhallenbühne als Bühnenmeister im Einsatz.

Mit der Eröffnung des Saalbaus war es nur logisch, dass die Saalbaukommission Eugen Gautschi als Bühnenmeister engagierte. «Und dies über Jahrzehnte ohne Vertrag», sagt Gautschi lachend. Gautschi, der bei der Post als Briefträger arbeitete, hat diese Aufgabe im Nebenamt erfüllt. «Da gab es manchmal schon kurze Nächte». Nach den Vorstellungen von Gasttheatern und Orchestern, musste jeweils die Kulissen und das Bühnenmaterial wieder abgebaut und verladen werden.

Eugen Gautschi blickt auf eine gute Zeit zurück, er hat den auch den Wandel der kulturellen Bedürfnisse erlebt. Einerseits brachten vermehrt Tournee-Theater in Reinach bekannte Stücke auf die Bühne, andererseits hätten viele Vereine aufgehört mit ihren Unterhaltungsabenden. «Die Zeit hat sich gewandelt, die Interessen und das Engagement der Vereinsmitglieder auch.» Im Bereich der Bühnentechnik sei der Saalbau immer modern gewesen, sagt Gautschi. Im analogen Zeitalter genügten zu Beginn noch Ton- und Lichtmischpulte mit knapp einem Dutzend Reglern. «Hightech im Saalbau» stand damals dennoch in der Zeitung. Heute schmunzelt Gautschi. Erst mit dem Bau der Glaskabine für Licht und Ton an der Saalrückwand hielt die digitale Technik vor 12 Jahren im Saalbau Einzug. Da musste er sich mit der ganzen Computer-Technik anfreunden.

Prägende Kontakte mit Künstlern

Wesentlich geprägt haben Gautschi aber die vielen Kontakte mit Schauspielern und Musikern, mit Autoren und Regisseuren. Alle bekannten Schweizer Bühnenkünstlerinnen und Künstler, aber auch viele Schauspieler aus Deutschland und Österreich traten im Saalbau auf. Und sowohl Friedrich Dürrenmatt als auch Horst Tappert haben im Saalbau über Wochen neue Stücke inszeniert.

Einerseits habe seine Arbeit ihm die Tür zur Musik- und Theaterkultur geöffnet, sagt Gautschi, andererseits habe er viele Künstler mit ihren Ecken und Kanten hinter der Bühne, während der Pausen kennen gelernt. Hektisch sei es manchmal schon gewesen, wenn etwa der Materiallastwagen oder gar ein Ensemble erst spät ankamen. «Mehr als einmal haben wir noch die letzten Szenen ausgeleuchtet, als das Publikum bereits im Saal sass.» Gautschi kannte sie alle persönlich: Ruedi Walter, Margrit Rainer, Ces Keiser und Margrit Läubli, Walter Roderer, Jörg Schneider, die Damen von den Acapickels, Uschi Glas, Gunter Philipp, Gustav Knut, die Liste noch lang. Gern erinnert er sich Gautschi an das Cabaret Rotstift. «Die Rotstifte waren hinter der Bühne genau so lustig wie auf der Bühne.»

Eugen Gautschi hat sich mit 60 Jahren bei der Post pensionieren lassen und während seiner letzten Berufsjahre als Bühnenmeister und zusätzlich als Saalbauhauswart gearbeitet. Das war ein wunderbarer, schrittweiser Übergang in einen neuen Lebensabschnitt. «Eine Arbeit zu erfüllen, die einem Freude macht. Was gibt es Schöneres?» Da glaubt man Eugen Gautschi auf Anhieb, wenn er heute sagt: «Ich bin ein glücklicher Mensch.»