Unterkulm
Mindestlohn und Kitas: Klassenkampf von der anderen Seite

Löhne zum Leben und kostenloser Zugang zu Kindertagesstätten: Das waren die Themen der Maifeier in der Aula in Unterkulm.

Peter Weingartner
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Christian Capacoel (Sekretär Unia Aargau) und Claudia Mauchle (Juso Aargau)

Christian Capacoel (Sekretär Unia Aargau) und Claudia Mauchle (Juso Aargau)

Peter Weingartner

Nach «roten Spaghetti» mit oder ohne Fleisch für die gut 40 Anwesenden ergriff Christian Capacoel, Sekretär der Unia Aargau, das Wort. Hinter der Behauptung, der Mindestlohn schade nur, versteckten sich gemäss Capacoel Eigeninteresse und Hochmut.

In der Aussage des Arbeitgeberpräsidenten, er könnte mit 4000 Franken nicht leben, sieht er eine entlarvende Doppelmoral. Der Kampf gegen den Mindestlohn sei ein «Kampf gegen alle 330 000 arbeitenden Menschen, die heute weniger als 22 Franken pro Stunde verdienen». Sein Rezept: mehr Lohn für Arbeiter, weniger Gewinne für Unternehmen, tiefere Löhne für Manager.

Armut sei vererbbar, sagte er, ein Mindestlohn sei auch ein Beitrag gegen Kinderarmut und Marginalisierung eines Bevölkerungsteils. Letzteres komme die Gesellschaft teuer zu stehen.

Wandel und Umbruch nötig

«Die Wirtschaft dient nicht den Menschen, sondern die Menschen der Wirtschaft», kritisierte Capacoel die herrschende Ideologie. Unternehmen entlasten, bei Sozialwerken, Schulen und Renten sparen, das diene nicht der Mehrheit. Und genau das sieht er im Sparpaket des Kantons. Hier sei ein Wandel nötig. Wegen des Mindestlohns gehe die Schweiz so wenig unter wie damals, als die Kinderarbeit verboten oder AHV und Mutterschaftsversicherung eingeführt worden seien.

Schliesslich zitierte er den Milliardär Warren Buffet: «Klar läuft der Klassenkampf, doch der wird von meiner Klasse geführt – und wir gewinnen ihn.» Ihn möchte er gerne Lügen strafen.

Recht auf einen Krippenplatz

Claudia Mauchle aus Unterkulm, Juso Aargau, setzte bei ihrer Arbeit in einer Kindertagesstätte an, wo Sozialkompetenzen gefördert würden. Sie kritisierte, dass aus finanziellen Gründen unausgebildetes Personal und Praktikanten eingesetzt würden. Auch gebe es zu wenig Krippenplätze, die erst noch zu teuer seien.

Sie fordert vom Kanton Qualitätskriterien. Um allen Kindern gleiche Chancen zu bieten, müsste der Zugang kostenlos sein, wie bei der Schule. Auch soll jedes Kind Recht auf einen Betreuungsplatz in einer öffentlichen Institution haben. «Sorgearbeit muss gut und fair bezahlt werden», sagte Mauchle. Und sie schloss ab mit: «Kampf für einen Mindestlohn von 4000 Franken.»