Der letztlich dem deutschen Klöckner-Konzern gehörende Aluminium-Händler Metall Service Menziken investiert in die Zukunft. Vor kurzem hat er einen Roboterarm in Betrieb genommen, der einen grossen Effizienzsprung bringt. «Und nun planen wir Investitionen für den Ersatz älterer Maschinen», sagt Geschäftsführer Matthias Ruch. Er ist schon vor 25 Jahren zum Unternehmen gestossen, hat dessen Wandel vom einstigen Metall-Walzwerk zu einem modernen Service- und Handelsunternehmen entscheidend mitgestaltet.

Der Roboterarm hat einen Mitarbeiter von der mühseligen Arbeit an der Bürstmaschine für Aluminiumbleche erlöst. Der Mitarbeiter wurde nicht stellenlos, sondern bekam einen neuen Job im Unternehmen. Und die Firma profitiert von der höheren Geschwindigkeit des Roboters. Um die ideale Lösung zu finden, hat das Unternehmen nach einem Anbieter gesucht, der die dafür benötigten Arbeitsschritte am besten programmieren kann. Passenderweise konnte die gefundene Firma auch gleich noch einen gebrauchten Roboter zu einem guten Preis vermitteln. Er sei so leistungsfähig, dass sich die Investition schon in zwei Jahren amortisiert haben sollte, sagt Ruch.

Doch bis der Roboter seinen Job im Griff hatte, brauchte es einiges an Einarbeitung. Denn die dünnen Bleche, die er vom Stapel heben muss, tendieren dazu, aneinanderzuhaften, weshalb er zu Beginn regelmässig versucht hat, zwei Bleche gleichzeitig in die Bürstmaschine zu schieben. «Wenn er das macht, kommt es zum Chaos», sagt Ruch. Deshalb wurde der Roboter mehrfach nachgerüstet, bis er seinen Job im Griff hatte. Beim Anheben eines Blechs biegt er es durch, mit Luftstössen versucht er weiter, allfällige weitere Bleche abzulösen. Per Ultraschall prüft er anschliessend, ob er wirklich nur ein Blech mitgenommen hat. Ist alles okay, schiebt er das Blech in die Bürstmaschine, wartet, bis es zurückkommt, dreht das Blech um, damit die andere Seite gebürstet werden kann, und fängt wieder von vorne an. «Der Roboter arbeitet so schnell, dass kleine Ausfälle kein Problem sind», sagt Ruch.

Mehr Maschinen als Mitarbeiter

Bei der Metall Service Menziken ist es wichtig, dass die Mitarbeiter vielseitig eingesetzt werden können. «Wir haben mehr Maschinen als Mitarbeiter», sagt Ruch, weshalb möglichst alle Mitarbeitenden für mehrere ausgebildet sind. Die meisten Maschinen seien bei weitem nicht ausgelastet. Die Maschinen garantieren eine breite Angebotspalette, die wichtig ist für die Kunden. So können sie bei dem Unternehmen von mehrere Tonnen schweren Rollen bis zu einem wenige hundert Gramm schweren Alu-Klötzchen alles Mögliche bestellen.

Nach China verkaufen

Einen Teil dieses Erfolgs hat das Unternehmen Maschinen zu verdanken, die schon bei oder kurz nach der Gründung im Jahr 1952 angeschafft worden sind. Darunter ist etwa ein Ofen, mit dem kleinere Materialmengen veredelt werden. Ein Service, den Grossanbieter mit ihren ungleich grösseren Anlagen nicht zu sinnvollen Konditionen anbieten können. Die Spezialisierung auf kleinere Mengen ist es auch, die die Metall Service Menziken vor der günstigeren Konkurrenz in Osteuropa oder China schützt. «Für kleine Mengen sind die Transportkosten dermassen hoch, dass es für unsere Kunden keinen Sinn macht, in der Ferne einzukaufen», sagt Ruch.

Stattdessen ist es nun Menziken, das für seine Kunden Produkte in diese Länder schickt. Die meisten sind grosse europäische Unternehmen, die Qualität und Know-how aus Menziken schon lange kennen. Einige von ihnen leisten sich den Schiffscontainer ans andere Ende der Welt gerne, um zum Beispiel in einer neuen Niederlassung die Arbeit mit den gewohnten Materialien aufnehmen zu können. Doch das sind Ausnahmen. «Die Durchschnittsbestellung wiegt 50 Kilogramm. Ein Transport von mehr als wenigen hundert Kilometern ist da nicht sinnvoll», sagt Ruch.

Nur zwölf Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen im Ausland, davon den Mammutanteil in Deutschland. Trotzdem ist die Firma sehr international: Ihr Rohmaterial kauft sie ausschliesslich in Euro ein. Und ihre Kunden exportieren fast alle ihre Endprodukte wieder. Sie kommen vor allem aus der Maschinen- und Elektronikindustrie, produzieren Transformatoren oder sind Zulieferer für Autohersteller. Entsprechend hart hat denn auch die Eurokrise das Unternehmen getroffen. «Unser Lager hat bei der Aufhebung des Mindestkurses auf einen Schlag 20 Prozent seines Werts verloren», sagt Ruch. Doch trotz dieser Schwierigkeiten: Für das letzte Jahr konnte das Unternehmen den fünften Absatzrekord in Folge verkünden. Wie ist das möglich? In die Tiefe gehen möchte Ruch nicht. Er sagt: «Wir erbringen hochstehende Dienstleistungen und verfolgen eine Null-Fehler-Politik. So konnten wir 2015 Marktanteile gewinnen.» Wichtig sei ausserdem, dass das Unternehmen seine Kunden unterstütze, indem es grösstmögliche Effizienz bietet.

Gut hundert Angestellte

Heute hat das Unternehmen etwa 2000 Kunden, beschäftigt gut hundert Angestellte und bildet sechs kaufmännische Lehrlinge sowie drei angehende Logistiker aus. Und was ist mit dem Generationenwechsel an der Firmenspitze? «Wann ich mich pensionieren lasse, weiss ich noch nicht sicher. Aber meine Nachfolge ist selbstverständlich ein Thema, das unser Management auf der Agenda hat», sagt Ruch. Der 61-Jährige ist nicht der einzige Fachmann im Unternehmen, der nach mehreren Jahrzehnten auf das Ende seines Arbeitslebens zusteuert, denn die Fluktuation ist tief und mit Ruch wird eine lange Ära enden.