Chaotisches Wahlergebnis in Menziken: Ein Zugezogener verweist bei den Gemeindeammannwahlen die Alteingesessenen auf die Plätze. Erich Bruderer (45, FDP), erst vor anderthalb Jahren aus Leimbach gekommen, machte als Ammann mit 375 am meisten Stimmen. Von den drei Anwärtern auf den Chef-Posten hat keiner das absolute Mehr (531 Stimmen) geschafft. In den Gemeinderat wurden sie alle drei gewählt. Hier lief ihnen aber ein anderer Neuling den Rang ab. Der ehemalige «Homberg»-Wirt Andreas Mäder (60, SVP), erst seit einem guten halben Jahr im Gemeinderat, wurde mit dem Spitzenresultat von 947 Stimmen wiedergewählt. Der fünfte Gemeinderatssitz bleibt vakant, weil es keine weiteren Anmeldungen gab.

Trotz Nicht-Wahl zum Ammann ist Newcomer Bruderer mehr als zufrieden mit dem Ergebnis: «Ich bin superfroh über das Resultat. Meine Chancen waren für mich im Vorfeld schwer abschätzbar.» Zum zweiten Wahlgang am 26. November werde er deshalb definitiv noch einmal antreten – allenfalls auch mit Unterstützung der Linken. Da er «eher auf der linken Seite der FDP» politisiere, wolle er im Hinblick auf den zweiten Wahlgang das Gespräch mit der SP suchen. Dem 45-jährigen Neuzuzüger ist weder Menziken noch die Politik fremd. Bruderer ist in Menziken aufgewachsen und zur Schule gegangen, erst später zog er nach Leimbach. Dort sass er vier Jahre lang im Gemeinderat. Vor 20 Jahren gründete er die ebcom AG, ein IT-Unternehmen. Was als Einmannbetrieb startete, ist heute ein KMU mit 14 Mitarbeitern in Reinach. Bruderer, der sich als Liberaler mit grünem Einschlag und als Zahlenmensch bezeichnet, will wirtschaftliches Denken ins Amt einbringen.

SP-Kandidat abgeschlagen

Wenig Erfolg hatte Sozialdemokrat Alfred Merz (62). Der Grossrat, seit 12 Jahren Menziker Vizeammann, wurde nicht nur mit dem schlechtesten Resultat zum Gemeinderat gewählt, er ist mit 149 Stimmen Rückstand auf Bruderer auch bei der Ammann-Wahl weit abgeschlagen. Trotzdem, sehr enttäuscht ist er nicht. «Ich habe das herausgeholt, was von der Parteistärke her zu erwarten war», sagt er. Ob er im zweiten Wahlgang noch einmal als Ammann kandidiere, werde er nach Rücksprache mit der Partei bekannt geben.

Zufrieden mit dem Wahlergebnis ist der Bisherige Hans Heinrich Leuzinger (60, SVP). Er erhielt als Ammann die zweitmeisten Stimmen (326) und wurde auch auf Platz zwei (861 Stimmen) in den Gemeinderat gewählt. Für ihn eine gute Ausgangslage für den zweiten Wahlgang, wie er sagt: «Wenn mich die Partei weiter unterstützt, werde ich auf jeden Fall als Ammann noch einmal kandidieren. Ich gebe das Feld noch nicht frei.» Bemerkenswert: Parteikollege Andreas Mäder wurde auch ohne Kandidatur 95-mal auf die Liste als Ammann gesetzt. Ob die SVP umsattelt? Populär ist Mäder jedenfalls: Er erhielt auch als Vizeammann 355 Stimmen – ohne zu kandidieren.