Dürrenäsch
Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung finden ein neues zuhause: Der Verein Katzenhübel übernimmt das Höchweidhus

Der Verein Katzenhübel (Teufenthal) hat offiziell die Pacht für das Höchweidhus in Dürrenäsch übernommen.

Anja Suter
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Fürs Bild ohne Maske: Werner Schlapbach, Andrea Kuzma, Simona Schäppi, Cynthia Cavazzutti und Sandra Münger (v.l.).

Fürs Bild ohne Maske: Werner Schlapbach, Andrea Kuzma, Simona Schäppi, Cynthia Cavazzutti und Sandra Münger (v.l.).

Sandra Ardizzone

Noch ist es ruhig im alten Bürgerheim von Dürrenäsch, es liegt etwas abgelegen vom Dorf. Das Bürgerheim ist eines von drei in der Region. Jenes in Seengen wurde an der letzten Gemeindeversammlung an die Pächter verkauft, das in Meisterschwanden dient seit mehreren Jahren als kommunale Asylunterkunft.

Das Bürgerheim in Dürrenäsch stand eineinhalb Jahre lang leer, nur der dazugehörige Landwirtschaftsbetrieb wurde bewirtschaftet. Lange soll es jedoch nicht mehr ruhig bleiben, mit dem Verein Katzenhübel hat die Gemeinde Dürrenäsch neue Pächter gefunden. Hinter dem Verein stecken die drei Geschäftsleiterinnen Cynthia Cavazzutti, Sandra Münger und Simone Schäppi. Mit der Lebensgemeinschaft Katzenhübel in Teufenthal führen sie eine kantonal anerkannte Einrichtung auf einem Bauernhof, auf dem Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung wohnen und von einem Team betreut werden. Auf dem «Katzenhübel» packen Mitarbeiter und Bewohner mit an, um etwa die Tiere zu versorgen oder das Gemüse zu ernten.

Die Nachfrage nach Plätzen ist gross

Sechs Wohnplätze mit integrierter Tagesstruktur kann der Verein anbieten, die Warteliste ist lang. «Es war schon immer die Idee, dass wir uns einst vergrössern möchten», sagt Cavazzutti. «Wir haben viele Anfragen von Menschen, die in der Natur leben und arbeiten möchten.» Im letzten Herbst erhielt der Verein dann eine Anfrage vom Gemeinderat Dürrenäsch. «Sie fragten, ob wir es uns vorstellen könnten, das Bürgerheim zu übernehmen», sagt Cavazzutti. Die drei Frauen präsentierten dem Gemeinderat ihr Projekt und wurden unter mehreren Bewerbern als neue Pächterinnen ausgewählt. Das Projekt des Vereins lehnt sich an das Betriebskonzept im «Katzenhübel» an.

Im «Höchweidhus» sollen eine Wohngruppe mit Tagesstruktur für sieben Personen mit Beeinträchtigung sowie drei geschützte Arbeitsplätze entstehen, zudem auch Ferien- und Entlastungsplätze für zwei Personen.

Im oberen Stock gibt es zudem eine grosszügige 3-Zimmer-Wohnung. «Geplant ist da eine WG oder Platz für eine Familie, die im Alltag leichte Unterstützung benötigt», sagt Cavazzutti. Die Pacht für das Höchweidhus übernahm der Verein per 1. November. Die kantonale Betriebsbewilligung haben sie seit Anfang Jahr. Die Pacht für den angeschlossenen Landwirtschaftsbetrieb übernehmen sie stückweise vom Vorgänger. «Mit der Übernahme des Landwirtschaftsbetriebs wollen wir uns sukzessive vergrössern», sagt Münger. Geplant sind unter anderem Gänse, Wollsäue, Schafe und Hühner. Der Hof soll unter dem Biolabel geführt werden.

Gemeinde wird auch in Zukunft mitfinanzieren

«Das Höchweidhus soll ein Begegnungsort für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen werden. Uns ist auch die Inte­gration im Dorf sehr wichtig», sagt Cavazzutti.

Vorstellbar wären für das Team unter anderem auch eine Besenbeiz und ein Hofladen. Die Eröffnung wäre ursprünglich in diesem Herbst geplant gewesen, coronabedingt wurde sie nun auf März 2021 verschoben.

Gemeinderat Werner Schlapbach ist vom Projekt begeistert: «Wir haben auch viele positive Rückmeldungen aus dem Dorf erhalten. Ausserdem haben wir mit dem Verein eine sehr gute Zusammenarbeit.» Momentan wird das Höchweidhus noch renoviert. Böden werden neu gemacht und Wände gestrichen, die Kosten übernimmt die Gemeinde. Weitere Veränderungen am Haus finanziert der Verein vor. «Die Gemeinde wird sich aber in den nächsten Jahren finanziell an Umbauprojekten beteiligen», sagt Frau Gemeindeammann Andrea Kuzma.

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