Interview

Mehr Homeoffice heisst auch, der Wohnort kann weiter weg sein - auf solche Zuzüger hofft man in Menziken

Andreas Mäder, Vorsteher Ressort Raumplanung, über den trotz Leerwohnungen nicht enden wollenden Bauboom in Menziken.

Menziken hat eine konstant hohe Zahl Leerwohnungen. Gemäss den neusten Daten standen am 1. Juni 234 Wohnungen leer, letztes Jahr waren es 232, und 2018 waren es 224. Das Dorf mit 6500 Einwohnern muss also einen Topf praktisch nie vermieteter Wohnungen haben. Trotzdem wird intensiv gebaut. Für 24 Wohnungen neben dem Huus 74 liegt ein Baugesuch auf und an der Stelle der ehemaligen «Waag» werden dereinst 36 Wohnungen gebaut.

Menziken, hat seit Jahren viele leere Wohnungen. Beunruhigt Sie das?

Andreas Mäder: Allein die Tatsache, dass Wohnungen in Menziken leer stehen, macht mir keine Sorgen.

Wie erklären Sie sich, dass trotz der hohen Leerstände laufend Baugesuche für Mehrfamilienhäuser eingereicht werden?

Wir haben relativ günstiges Bauland, wenn man etwa mit den Bodenpreisen des Seetals vergleicht. Die Wohnungen von Neubauten in Menziken sind nicht viel teurer als die in alten Gebäuden. Zudem haben die Negativzinsen sicher auch mit der Bautätigkeit zu tun. Geld in Bauprojekte anzulegen, zahlt sich momentan aus.

Sind die Wohnungen in Menziken also allgemein günstig?

Ja, dem ist so.

Wer zieht in die Neubauwohnungen. Menziker, die ihre Wohnung wechseln, oder Auswärtige?

Die Mehrheit der Leute, die in Neubauten ziehen, sind Zuzüger.

Was passiert mit den alten Wohnungen, die frei werden?

Problematisch wird es, wenn Eigentümer von Mehrfamilienhäusern nach dem Auszug von Mietern keine Sanierungen mehr vornehmen. Dann könnten diese zusätzliche Sozialhilfebezüger nach Menziken locken.

Wie kommt es dazu?

Wenn nichts mehr an einem älteren Gebäude gemacht wird, verschlechtert sich der Zustand und die Wohnungen können dann irgendwann nur noch als Sozialwohnungen vermietet werden. Vielen solcher Eigentümern tut es nicht weh, wenn sie ihre Wohnungen nicht mehr zum vorherigen Preis oder gar nicht mehr vermieten, denn ihre Investition hat sich inzwischen bereits ausbezahlt.

Wie kann der Gemeinderat verhindern, dass es so weit kommt?

Leider sind uns da die Hände gebunden. Wir können Vermieter nicht zwingen, ihre Gebäude zu renovieren.

Steigt mit den Zuzügern, die in die Neubauten ziehen, die Steuerkraft Menzikens?

Wir beobachten, dass anständige Steuerzahler in die neuen Mehrfamilienhäuser ziehen. Wir hoffen, mit dem Trend zum Homeoffice noch mehr Zuzüger zu haben, denn nahe beim Sitz der Firma zu wohnen, wird für viele Personen weniger wichtig.

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