«Es ist fünf vor zwölf». Damit sagt Harold Sacher aus Holziken, was viele Bewohner beschäftigt: die angespannte Verkehrssituation in der Gemeinde, konkret im Bereich Obermatt-, Bändli- und Mattenstrasse. Die Interessengemeinschaft «Obermatte, Bändli und Matte» hat deshalb beim Gemeinderat einen Antrag eingereicht, in dem sie diesen auffordert, umgehend ein Gesuch für eine angepasste und gesicherte Verkehrsführung beim Kanton einzureichen.

113 Anwohner haben den Antrag unterschrieben, sagt Harold Sacher von der Interessengemeinschaft. «Die Unterschriften kamen innert kurzer Zeit zusammen. Das zeigt, wie sehr sich die Leute Sorgen machen. Die Gemeinde muss jetzt handeln und nicht erst, wenn etwas passiert ist.» In den letzten Jahren sei eine starke Verkehrszunahme zu verzeichnen, schreibt die Interessengemeinschaft in ihrem Antrag. Nicht zuletzt wegen der neuen Logistikbetriebe, die in Kölliken entstanden sind. Die meisten Lastwagen würden via Holziken auf die Autobahn fahren. Entstehe zudem die Monsterüberbauung «Im Labi», müsse mit einem drastischen Verkehrsaufkommen gerechnet werden.

«In den Stosszeiten ist es so schlimm, dass die Autofahrer, die vom Bändli in die Kantonsstrasse einbiegen und Richtung Zofingen fahren wollen, gar nicht mehr auf die entgegengesetzte Fahrbahn kommen», sagt Sacher. «Sie fahren ins Dorf, kehren irgendwo und fädeln so in die Kantonsstrasse ein.» Unterschriftensammlerin Liliane Mathys hörte von vielen Anwohnern, wie schwierig es geworden sei, die Kantonsstrasse im Bereich der Obermatt- und Mattenstrasse zu den Bushaltestellen zu überqueren. Das bekräftigt Harold Sacher: «Das ist für Kinder, Fussgänger und für Reiter, die in den Wald oder in die Reithalle gehen und dafür die Strasse überqueren müssen, gefährlich.»

Fussgängerstreifen würde helfen

In ihrem Antrag verlangt die Interessengemeinschaft, dass die Zu- und Wegfahrt im besagten Knoten durch den Kanton mit baulichen Massnahmen verbessert wird. Alleine ein Fussgängerstreifen in diesem Bereich wäre für viele Anwohner eine Erleichterung, sagt Harold Sacher. Die nächsten Strassenüberquerungen – die Unterführung bei der Reithalle und der Fussgängerstreifen vor dem Gemeindehaus – seien unzumutbar weit weg. Harold Sacher kann sich auch einen Kreisel vorstellen, der die Einfahrt von den Quartierstrassen im Bändli in die Kantonsstrasse erleichtert. «Ein kleiner, nützlicher Kreisel würde bereits genügen. Das muss ja kein Riesenprojekt sein», sagt er.

Harold Sacher denkt laut über eine andere Lösung nach: über den Bau einer Strasse, die um Holziken herum quer durchs Land von Zofingen her Richtung Landi führen würde. Natürlich ginge dadurch viel Kulturland verloren, gibt er zu bedenken. «Aber eine solche Verbindung würde den Verkehr durch Holziken erheblich entlasten.»

Bei Strassensanierung Thema

Auch der Holziker Gemeinderat wünscht sich eine Verkehrsentlastung durchs Dorf; er unterstützt die Interessengemeinschaft in ihrem Anliegen. «Mit ihren Unterschriften haben die Anwohner ein grosses Zeichen gesetzt.» Holziken erlebe eine Riesenentwicklung, sagt Gemeindeschreiber Michael Urben. «Da müssen wir auch mit der Infrastruktur mitgehen können. Nur geht diese nicht so schnell voran, wie es eigentlich nötig ist.» Bereits vor drei Jahren, als es um die Ausarbeitung des Erschliessungsplans «Im Labi» ging, habe der Gemeinderat den Kanton auf die Verkehrsproblematik im Dorf aufmerksam gemacht. Damals sagte das Departement Bau, Verkehr und Umwelt jedoch, dass man diese erst mit einer Sanierung der Strasse angehen wolle.

Die 113 Anwohner haben mit ihrem Antrag das Thema jetzt wieder aufs Tapet gebracht, so Urben. «Der Gemeinderat wird auf alle Fälle dran bleiben.» Diese Woche ging der Kanton auf die Forderungen der Antragssteller ein, wenn auch erst einmal in schriftlicher Form. Er sei bestrebt, das Anliegen in der Gemeinde anzugehen.

Hoheit aus Aarau hat das Sagen

Bis dahin sind der Gemeinde die Hände gebunden, so Urben: «Da die Verkehrsmassnahmen auf einer Kantonsstrasse erfolgen, gibt der Kanton den Takt vor. Die Gemeinde sei an die Hoheit gebunden und könne keine Projekte ins Auge fassen. Er könne lediglich in Gesprächen versuchen, eine bestmögliche Lösung für die Gemeinde zu erzielen.