Zofingen/Kölliken

Maturaarbeit mit Selbstversuch: Kanti-Schülerin auf dem Weg zu 2000 Watt

Anna Bossard aus Kölliken zieht aus ihrer Maturarbeit den Schluss: «Es ist für eine Familie in der Schweiz heute noch nicht möglich, mit 2000 Watt pro Kopf auszukommen.»bkr

Anna Bossard aus Kölliken zieht aus ihrer Maturarbeit den Schluss: «Es ist für eine Familie in der Schweiz heute noch nicht möglich, mit 2000 Watt pro Kopf auszukommen.»bkr

Inwieweit kann man sich der Vision einer 2000-Watt-Gesellschaft in der gelebten Realität annähern? Anna Bossard aus Kölliken machte in ihrer Maturarbeit den Selbstversuch unter Einbezug ihrer Familie

Was ist eine 2000-Watt-Gesellschaft? Diese Frage hat sich Anna Bossard, Zofinger Kanti-Schülerin aus Kölliken, gestellt. «Im Unterricht habe ich stets davon gehört, konnte mir aber nichts Konkretes darunter vorstellen.» So wurde die Recherche zum Thema ihrer Maturarbeit.

Wie hat sie ihren Energiebedarf und denjenigen ihrer Familie gemessen? Das war für Anna Bossard eine echte Hürde, die sie mit einem Internetrechner überwinden konnte. Dieser half ihr festzustellen, welche Handlungen des Alltags welchen Energiebedarf haben und daraus resultierend abzuleiten, wo man auf dem Weg zu den 2000 Watt mit Erfolg ansetzen müsste. «In meiner Maturarbeit habe ich untersucht, welche Leistung auf Primärenergiestufe die Familie Bossard mit ihrem Lebensstil im Jahr 2014 gebraucht hat», sagt sie.

Primärenergie? «Das ist die Gesamtsumme», erklärt Bossard. Ein Beispiel aus der Literatur: Verbrennt man (C02-neutrales) Holz, dann muss man den Energiebedarf der Waldarbeiter, der Kettensäge, des Transports in die Energierechnung einfliessen lassen. «Kleidung ist etwas sehr Energieintensives», sagt Bossard. Wolle man wirklich Energie sparen, dann dränge sich der Secondhand-Shop förmlich auf.

«Oder man wählt hochwertige Kleidung, die lange genutzt werden kann.» Ähnliches gilt laut Bossards Erkenntnissen für den Bereich Ernährung. «Ein hohes Einsparungspotenzial besteht in einer rein vegetarischen Ernährung.» Dazu gehört mit einem auf den Energiebedarf fokussierten Blick auch ein Verzicht auf Milch oder Eier.

Auto- und Bahnfahrten schlagen sich massiv auf das Energiebudget nieder, was insbesondere für Flugreisen gilt. Mit dem Jet für Ferien nach Barcelona und Korsika zu reisen, das hinterlässt in der Energiebilanz tiefe Spuren. Auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft sind solche Ferien eigentlich ein No-Go.

Die Familie Bossard umfasst sechs Personen. Der jüngste Bruder von Anna ist neun Jahre alt und besucht die Schule in Kölliken. «Als Jüngster trägt er auch Kleider der Geschwister aus und isst wenig.» Aber auch seine Energiebilanz bewegt sich über 4000 Watt. Eine wichtige Ursache dafür hat Anna Bossard im Grundverbrauch unseres Landes ausgemacht. «Das ist der Staat mit seinen Leistungen, zu denen beispielsweise die Spitäler gehören. Und die Bahn benötigt auch Strom für ihre Haltestellen.» Auf den Kopf umgerechnet, spricht Bossard von 1000 Watt.

4935 Watt pro Kopf

Dennoch, und das ist erstaunlich: Der Pro-Kopf-Leistungsgebrauch der Bossards lag im Jahr 2014 bei 4935 Watt. «Ja, meine Familie ist umweltbewusst und besitzt auf dem Hausdach Sonnenkollektoren für Warmwasser und Photovoltaik.»

Vater Martin, der bei Biosuisse als Lobbyist arbeitet («ja, im Bundeshaus»), überraschten die aus seiner Wahrnehmung hohen Werte, welche die Tochter ermittelt hatte. Sparbemühungen wurden eingeleitet. So wurde ein Sparduschkopf eingebaut, um den Warmwasserbedarf zu reduzieren. Das Fazit aber: «Es ist für eine Familie in der Schweiz heute nicht möglich, mit 2000 Watt pro Kopf auszukommen.»

Meistgesehen

Artboard 1