Unterkulm
Martin Tanner wird neuer Gastro-Seelsorger der katholischen Kirche

Diakon Martin Tanner, 51, ist seit zwei Jahrzehnten Gemeindeleiter der Bruder-Klaus-Pfarrei in Unterkulm. Jetzt übernimmt er neu das Mandat des Gastgewerbeseelsorgers der römisch-katholischen Kirche im Aargau.

Peter Siegrist
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Diakon Martin Tanner freut sich auf seine neue Teilzeitarbeit als Wirtepfarrer im Aargau.

Diakon Martin Tanner freut sich auf seine neue Teilzeitarbeit als Wirtepfarrer im Aargau.

Peter Siegrist

«Beizenpfarrer ist als Bezeichnung durchaus auch korrekt», schmunzelt Tanner.
Nur, wer braucht denn um Himmelswillen einen Pfarrer in der Beiz? Die Meinung der Kantonalkirche ist da theologisch begründet. «Jesus Christus hat es vorgelebt: Der Geist ist empfänglicher, wenn er zusammen mit dem Körper genährt wird. Nicht von ungefähr spielt die Tischgemeinschaft eine wichtige Rolle in allen Evangelien.»
Martin Tanner sieht das ganz prosaisch. Und er zitiert seinen damaligen «Pfarr-Lehrer», der jeweils gesagt habe: «Ein Telefon wirkt Wunder». Als Wirtepfarrer habe er für Wirtsleute, Angestellte und auch für Gäste da zu sein. «Ich hebe den Telefonhörer ab, wenn es klingelt, bin immer bereit zuzuhören.» Und Tanner betont, er sei für alle da: «Wenn jemand in Not ist und einen Menschen sucht, der ihm zuhört, dann frage ich nicht zuerst, ob er katholisch sei.» So wie Tanner sein Amt als Armeeseelsorger ausübt - er ist seit 22 Jahren als Feldprediger tätig - sieht er sich auch in der Gastroszene zuerst einmal als Mitmensch. «Meine Erfahrungen als Mitglied des Care-Teams Aargau, meine theologische und psychologische Ausbildung ermöglichen mir, Menschen in Not beizustehen».
Tanner ist als Wirtepfarrer nicht allein, er hat mit Andreas Pauli einen reformierten Kollegen. Das Gastropfarramt sei vergleichbar mit einem Gefäss, das wir beide jetzt mit Inhalten füllen können. Tanner liebt es, in Bildern zu sprechen, und er sagt, «manchmal haben wir Menschen ein Reserverad nötig, wenn wir einen Nagel eingefangen haben.»
Zuständig für den ganzen Kanton
Wenn ein Wirt ihn rufe und das Gespräch suche, ob im Fricktal oder Freiamt, dann werde er hinfahren. Aber auch die Möglichkeit am Stammtisch mit Gästen in Diskussionen über Gott und die Welt verwickelt zu werden, das könne er sich gut vorstellen. Und als Credo für seine erste Arbeit sieht Tanner: «Wenn es gelingt mit unaufdringlicher Präsenz Vertrauen zu wecken, wenn jemand sagt, dem würde ich etwas anvertrauen, zu dem würde ich gehen», dann könne er auch in der Gastrogemeinde etwas bewirken.
Aus seiner Seelsorgertätigkeit in der Gemeinde oder Armee weiss Tanner, «die Menschen warten häufig zu lange, bis sie Hilfe suchen und annehmen. Statt zu handeln, wenn es nur glimmt, rufen sie erst an, wenn schon Feuer im Dach ist.»
Engagement der Kantonalkirchen
Die zwei Landeskirchen im Aargau stellen die beiden Seelsorger auf Mandatsbasis an. Einmal im Jahr, jeweils am Dienstag der Karwoche wird Tanner mit seinem reformierten Amtskollegen den ökumenischen Gottesdienst für die Mitglieder und Gäste des Aargauischen Wirteverbandes zelebrieren. Tanner freut sich mit seinem Engagement , nebst seiner Tätigkeit als Gemeindeleiter ein neues Schwergewicht zu setzen. Und dies in einem Umfeld mit ganz unterschiedlichen Menschen.