Region
Martin Goldenberger: «Auf das obere Suhrental hat niemand gewartet»

Martin Goldenberger ist überzeugt, dass es in Zukunft nur gemeinsam geht im Tal – sonst ist man bald einsam.

Aline Wüst
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Der Schlossrueder Martin Goldenberger ist Präsident des Regionalverbands Suhrental. Emanuel Freudiger

Der Schlossrueder Martin Goldenberger ist Präsident des Regionalverbands Suhrental. Emanuel Freudiger

Vom Regionalverband Suhrental hat man kaum etwas gehört in letzter Zeit. Warum ist der Verband eingeschlafen?

Martin Goldenberger: Weil es der Region zu gut geht.

Das glaube ich nicht.

Es stimmt auch nicht – überhaupt nicht. Aber der Druck war bisher einfach noch zu klein, als dass man sich zwingen musste, zusammen zu sprechen und sich gemeinsam zu bemühen.

Gescheitert ist aus diesem Grund vor ein paar Jahren die Idee von der gemeinsamen Vermarktung der Region. Warum?

Es gab Gemeinden, die ausscherten, weil sie das Geld für das Marketing reute. Viele vertraten die Meinung, dass sie sich selber behaupten können.

Welchen Standpunkt vertreten Sie?

Ich finde diese Haltung absolut falsch. Wenn jeder nur für sich schaut, werden das obere Suhrental und das Ruedertal irgendwann von anderen übernommen.

Im benachbarten Wynental sieht die Situation anders aus. Der Regionalverband «aargausüd impuls» ist sehr präsent. Warum nehmen sich die Wynentaler stärker als Region wahr als die Suhrentaler?

Das Wynental hat keine andere Wahl. Reinacher oder Menziker haben bedeutend länger in einen grösseren Ort zu reisen als wir im Suhrental.

Der Wynentaler Regionalverband betreibt sogar Wirtschaftsförderung. Sie hinken dem Nachbarn hinterher.

Darum müssen wir unsere Interessen jetzt bündeln. Als kleiner Regionalverband ist man gefährdet, von den grossen Nachbarn wie Aarau oder Zofingen gefressen zu werden. Aber nicht, weil sie sich um uns sorgen.

Sondern?

Damit sie mehr Einwohner in ihrer Region haben. Richtung Aarau könnten sie dann noch mehr zusammenballen und bei uns ist dann einfach das Naherholungsgebiet. Das Ruedertal würde wohl eingezäunt und ein paar Kühe könnten dort das Land abgrasen. Das darf nicht passieren!

Wie wollen Sie das verhindern?

Wir können das nur mit uns selber machen. Darum verstärken wir jetzt die Aktivitäten des Regionalverbands.

Das tönt wenig zuversichtlich.

Doch, ich bin zuversichtlich. Sonst wäre ich am falschen Ort.

Der Regionalverband Suhrental vereint Gemeinden aus drei Bezirken. Macht das den Zusammenhalt so schwierig?

Bestimmt. Die Einwohner merken die Bezirksgrenze zwar kaum aber für die Behörden ist das entscheidend.

Das heisst konkret?

Innerhalb der Bezirke haben wir einfach öfters miteinander zu tun. Ausserhalb sehen wir uns nur bei Sachgeschäften. Aber nur wer zusammensitzt, kann gemeinsam Ideen entwickeln.

Wie wollen Sie denn diese Bezirksgrenzen überwinden?

Ich will den Dialog fördern und vor allem das Marketing für die Region stärken. Und den Leuten klar machen, dass sie nicht nur kommunal, sondern vermehrt im Sinn der ganzen Region denken müssen.

Um das zu erreichen, müssen Sie den Leuten auf die Füsse treten. In der ersten Vernehmlassung kritisierten Sie eine Zonenänderung in ihrer Nachbargemeinde Schmiedrued.

Genau, der Regionalverband hat laut Baugesetz die Aufgabe, sich zu Zonenänderung zu äussern. Das wurde in der Vergangenheit zu wenig gemacht. Wollen wir aktiv sein, müssen wir dieser Aufgabe nachkommen.

Um erfolgreich zu sein, müssen Sie sich also unbeliebt machen.

Nein, aber der Verband muss entscheiden, was regional stimmt. Dass sich das nicht immer mit den Einzelinteressen der Gemeinden deckt, ist naturgegeben. Wir werden in Zukunft öfters reinreden. Aber wird werden uns immer finden – da habe ich keine Bedenken.

Arbeitsplätze heisst Bevölkerungszuwachs und den streben Sie an. Wie wollen Sie das erreichen?

Verschiedene Bestrebungen in diese Richtungen wurden schon gemacht. Zum Beispiel mit einer Kartei, in der alles verfügbare Land aufgeschrieben ist. Aber zwingen kann man niemanden dazu ins Suhrental zu kommen.

Aber locken.

Wir haben keine Steuergesetze im Aargau, die dies ermöglichen.

Bleibt also nur das Hoffen.

Nein, wir bieten eine gute Infrastruktur. Im für das Gewerbe vorgesehenen Gebiet im Grossraum Kölliken, Hirschthal, Schöftland ist die Autobahn einen Katzensprung entfernt. Aber die für das Gewerbe vorgesehene Fläche muss man umzonen, was zu Interessenkonflikten führt.

Die wären?

Landschaftserhalt oder Gewerbe ansiedeln. Soll man gutes Ackerland umzonen? Das begrüssen die Gemeinden nicht immer und es ist raumplanerisch immer gut zu hinterfragen.

Würden eine Grossgemeinde Schöftland die Region stärken?

Wegen der steigenden Kosten müssen sich die Gemeinden zwingend darüber Gedanken machen. Aber für eine Fusion muss es immer auf Ebene der Behörden stimmen. Wenn die Gemeinderäte den Draht zueinander nicht haben, bringt es nichts.

Sie befürworten also Fusionen im oberen Suhrental?

Überstürzen bringt nichts. Aber prüfen ist immer gut. Wer nicht prüft, ist nicht ehrlich. Kleine Gemeinden sind sich der Problematik bewusst. Aber grösser heisst immer professioneller und professioneller heisst immer auch teurer.

Macht es Sinn, dass die 160-Seelen-Gemeinde Wiliberg eigenständig bleibt?

Wiliberg präsentiert sich medienwirksam. Die Gemeinde hat ausserdem eine gute, sonnige Lage und die Finanzen im Griff. Es kann nicht das Ziel eines Verbands sein, ein solches Kleinod zu zerstören. Unser Ziel muss es sein, die Gemeinden zu unterstützen, zu entlasten und übergeordnete Lösungen zu suchen.

Was ist das nächste Projekt des Regionalverbands?

Wir überprüfen die Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Zofingen.

Was hat innerhalb des Regionalverbands in der nächsten Zeit oberste Priorität?

Wir müssen uns jetzt einsetzen und Geld in die Hand nehmen. Auf uns wartet niemand. Und zwar weder aufs obere Suhrental noch auf seinen Regionalverband. Wenn wir Bedeutung wollen, müssen wir uns jetzt aufmachen und uns positionieren. Wer nicht wirbt, der stirbt. So einfach ist das.

Wie werben Sie?

Man kann die Region einzig mit der sehr guten Wohnlage und den guten Verkehrsanbindungen verkaufen.

Warum wohnen Sie eigentlich in Schlossrued und nicht in Aarau?

Ich bin in der Nachbargemeinde aufgewachsen. Meine Frau ist von Schlossrued. Ich könnte nie in Aarau wohnen.

Warum nicht?

Ich habe nichts gegen Aarau. Aber ich bin nicht so aufgewachsen. Das ländliche Dorfleben ist das Ein und Alles für mich.