Holziken
Marsch, Juchzer und ein Ruhebänkli für 44 Jahre als Gemeindeschreiber

Der Beifall für sein Lebenswerk löste bei Ehrenbürger Hansueli Mathys feuchte Augen aus. Er hatte der Gemeinde Holziken 44 Jahre als deren Gemeindeschreiber gedient. Zum Dank erhielt er ein Ruhebänkli.

Peter Weingartner
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Hansueli Mathys tritt nach 44 Jahren als Gemeindeschreiber von Holziken ab.
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Was Hansueli Mathys wohl denkt
Reitnauer Jodler vor Mathys
Schwyzerörgelkiquartett Schenkenberg 2
Reitnauer Jodler 1
Mathys und Lüscher lauschen dem Mathys-Marsch
Mathys und Ernst Hasler
Hansueli Mathys und Ernst Hasler

Hansueli Mathys tritt nach 44 Jahren als Gemeindeschreiber von Holziken ab.

Peter Weingartner

So wohltuend kann Selbstironie sein. Da unterläuft Gemeindeammann Peter Lüscher bei der Begrüssung zur Verabschiedung von Hansueli Mathys ein Lapsus.

Lüscher erwähnt alle Gemeindeammänner von Ernst, Lämmli, Liniger, Haueis und Hischier bis zu ihm selber, die in den 44 Jahren, in denen Mathys als Gemeindeschreiber diente, «unter Hansueli» gewirkt hätten. «Über», korrigiert er sich schnell, doch die Gäste in der vollen Mehrzweckhalle haben verstanden.

«Ich kann nur für mich sprechen, aber einmal musste es raus», entschuldigt sich Peter Lüscher augenzwinkernd.

Bänkli und Marsch

44 Jahre als Gemeindeschreiber, dann noch ein knappes Jahr zur Einführung des Nachfolgers: Hansueli Mathys hat Holziken geprägt. Auf der Bühne steht das Bänkli, das die Gemeinde ihrem jüngsten Ehrenbürger geschenkt hat.

«Wir werden es auf deinem Spazierweg aufstellen», sagt Moderator Lüscher und kündigt die nächste Attraktion an: Roland Basler, der Dirigent der Musikgesellschaft Holziken, hat einen Marsch für Mathys komponiert und in diesen «Im Aargau sind zwöi Liebi» eingewirkt.

Nach dem Marsch gibt Lüscher noch einen drauf: Basler habe dirigiert, «wie Hansueli die Gemeinderatssitzungen geleitet hat». Während einer witzigen Tonbildschau über sein Wirken – unter Ausklammerung der für den Geehrten unerfreulichsten Ereignisse – verwirft Mathys einige Male die Hände, und er schmunzelt über den eigenen O-Ton: «Ich bin e vehemänte Gägner von ere nöie Turnhalle.»

Autor Manfred Lüthi lässt Einwohner Eigenschaften Mathys’ nennen: grosszügig, flexibel, vor den Kopf stossend, fair, hilfsbereit, direkt, gutmütig, kämpferisch, laut, warmherzig, bauernschlau.

«Habs gerne gehört»

Vom Gemeinderat erhält Hansueli ein Buch mit persönlichen Widmungen. Peter Lüscher: Er sei nicht immer ein bequemer Schreiber gewesen, habe aber stets die bestmögliche Lösung gesucht und das Herz auf dem rechten Fleck gehabt. Und dann hat der Geehrte das Wort.

Er habe nur Gutes gehört, das sei etwas übertrieben, «aber ich habs gerne gehört». Er dankt fürs Aushalten seiner Launen, auch seiner Familie, die ihm immer habe folgen müssen.

Und den Verwaltungsangestellten legt er ans Herz: «Ihr seid für die Einwohner da, nicht umgekehrt.» Da alle seine Lehrlinge gewesen seien, «kanns nicht fehlen», sagt er, bevor die Leute aufstehen und Hansueli Mathys feuchte Augen klatschen.

Hofmanns Erinnerungen

Grossen Beifall erhält aber auch Regierungsrat Urs Hofmann für seine launige und pointenreiche Ansprache. Der Sozialdemokrat in der Höhle des Löwen, der SVP-Hochburg Holziken. «Wenn er nur ein Braver gewesen wäre, stünden heute nicht so viele von ihnen hier», sagt Hofmann.

So habe sich Mathys zwar einst für den ersten Teil des Ausdrucks «verdammti Fotzelcheibe» an die Adresse der Gewerkschaften, die Ernst Haslers Regierungsratskandidatur nicht unterstützt hatten, entschuldigt. Seine Rache: Er machte die SVP zur wählerstärksten Partei.

Nach Schinken und Kartoffelgratin gibts den Überraschungsauftritt der Reitnauer Jodler. Mathys, bekennender Volksmusikfan, geniesst, bis er selber auf die Bühne muss. Da er den Text nicht kennt, ist ihm nicht ganz wohl. Da mischt er sich lieber wieder unters Volk, disputiert mit seinen Gästen, holt Weinnachschub, lacht und lässt es sich wohl sein.

Wird Hansueli Mathys, der Macher, Urs Hofmanns Ratschlag befolgen? «Ein richtiges Löwenmännchen geniesst auch ab und zu das Nichtstun.» Vielleicht in Südafrika, Mathys’ zweiter Heimat.