«Wer Augentropfen braucht, hat mit Sicherheit eine Ampulle benutzt, die von einer unserer Maschinen produziert worden ist», sagt Ernst Schweizer, Geschäftsführer der Maroplastic AG. Sie feiert dieses Jahr 50 Jahre Bestehen. Am Samstag, 15. September, ist Tag der offenen Tür.

Der Kunde wünscht und bezahlt

Um eines klarzustellen: Die Firma in Reitnau produziert nicht die Ampullen; sie stellt vielmehr die Maschinen her, die solche Ampullen oder Kunststoffflaschen, für Infusionen beispielsweise, produziert. «Unsere Kunden sind vor allem Betriebe der Pharmaindustrie, die ihre Produkte in einer bestimmten Form auf den Markt bringen wollen», sagt Schweizer. Der Wunsch des Kunden ist die Herausforderung der Maroplastic AG.

Die Investition einer solchen Anlage ist meistens über eine Million Euro. Bottelpack-Anlagen nennt man sie. Sie stellen pro Stunde, je nach Auftrag, 100 bis über 34 000 Stück Behältnisse her, die von 0,04 bis 10 000 Milliliter Flüssigkeit enthalten. Pharmazeutika, Haus-Chemie, Beauty, Softdrinks. Pro Jahr baut die Firma bis 15 solcher Anlagen unterschiedlicher Grösse.

Die Blow-Fill-Seal-Technologie machts möglich, dass 100 Prozent aseptisch und unter Berücksichtigung aller pharmazeutischen Regularien abgefüllt werden kann. Kunststoff wird in eine Form, seis Ampulle oder Flasche geblasen (blow), die Anlage füllt (fill) unter sterilen Bedingungen eine Flüssigkeit ein und versiegelt (seal) das Gefäss.

Einst 5, heute 120 Mitarbeitende

Die Rommelag-Gruppe, zu der die Maroplastic AG gehört, ist nicht nur Erfinder dieses Verfahrens, sondern auch Weltmarktleader auf diesem Gebiet. Was 1969 mit fünf Personen in Reitnau angefangen hat, ist heute ein Unternehmen mit 120 Mitarbeitenden. Bereits 1970, ein Jahr nach der Aufnahme des operativen Geschäfts, erhielt die Firma einen Grossauftrag: 17 Maschinen für die Sowjetunion.

Bis 1999 hat man in Lizenz für die Hansen-Gruppe mit Sitz in Sulzbach-Laufen (D) gearbeitet. Dann hat die Hansen-Gruppe, heute heisst sie Rommelag-Gruppe mit der Familie Hansen als Besitzer, die Maroplastic AG übernommen. «Wir sind alles eigenständige Firmen der Gruppe», sagt Ernst Schweizer, «wir, die Maroplastic AG, decken die Sparten Engineering und Service ab.» Weltweit stehen 1800 Bottelpack-Anlagen in über 80 Ländern auf allen Kontinenten.

Profitabler Zugang zu China

Die ganze Gruppe beschäftigt rund 1900 Mitarbeitende in den Standorten Deutschland, Schweiz, China und USA. «Dank des Freihandelsabkommens der Schweiz mit China haben wir Liefervorteile, da der Zoll durch entsprechende Ursprungsnachweise entfällt», sagt Ernst Schweizer. Keine Angst, kopiert zu werden? «Wir bieten ein Rundum-Paket und können durch unsere Kundennähe perfekte Performance gewährleisten», sagt er. Kompetenz, Erfahrung, Verlässlichkeit, Vielfältigkeit, Flexibilität und eine nachhaltige Begleitung der Kunden: «Wenn das stimmt, kommt der Kunde wieder.»

Um Qualität zu gewährleisten, stellt die Firma ausschliesslich Berufsleute an. «Ich könnte noch zehn weitere Fachkräfte gebrauchen», erklärt Ernst Schweizer. Maroplastic bildet auch Lehrlinge aus: Polymechaniker, Produktionsmechaniker, Konstrukteur, Logistiker.

Kunststoff statt Glas?

Konkurrenz zu den Produkten, welche die Anlagen der Maroplastic AG herstellen, sind Gefässe aus Glas. Noch seien jene in der Überzahl, sagt Ernst Schweizer. Doch er sieht die Chance, dass bei Neuprodukten Kunststoff bessere Karten hat, aus ökonomischen und ökologischen Gründen. Natürlich gelte es, die Abfallfrage in den Griff zu bekommen. «Was bei uns anfällt, bis drei Tonnen pro Maschine im Einfahrprozess, wird geschreddert und geht – zu einem vernünftigen Recycling-Preis – zurück zum Kunststoff-Lieferanten», sagt er.

Der Tag der offenen Tür bietet am Samstag auf einem Rundgang einen Einblick in das Unternehmen im Grünen ob Reitnau. Fürs leibliche Wohl sorgt eine Festwirtschaft, und auch Kinder kommen auf ihre Kosten.