Menziken
Markus Kirchhofer, ein genauer Beobachter, verdichtet in Strichen

Markus Kirchhofer stellte in der Bibliothek Menziken seinem Gedichtband «eisfischen», mit 100 Gedichten dem Publikum vor. Die Vernissage-Rede hielt der Menziker Autor Karl Gautschi.

Peter Weingartner
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Markus Kirchhofer stellte in der Bibliothek Menziken seinem Gedichtband «eisfischen» vor.
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Vernissageredner Karl Gautschi, Menziken.
Fritz Bär umrahmte die Vernissage mit Cembalo-Musik.
Markus Kirchhofer, Unterkulm, stellte seinen Lyrikband vor und signierte seine Bücher.

Markus Kirchhofer stellte in der Bibliothek Menziken seinem Gedichtband «eisfischen» vor.

Peter Weingartner

Mit dem Titel des Bandes, «eisfischen», hat Markus Kirchhofer, der Ruedertaler Autor, der im Wynental lebt, eine treffende Chiffre für sein lyrisches Schreiben gefunden. Vom «ködern im unsichtbaren» ist ein langer Weg bis zum „abschmecken“ und «anrichten» des Fisches, so ist im ersten Text des Buches zu lesen. Oder wie es Karl Gautschi in seiner Einführung sagte: Auf das Notieren und Entwerfen eines Eindrucks, einer Erinnerung, einer Stimmung oder einer Idee folgt das Feilen und Polieren am Text.

Inspirierende Reisen

Zwischen Liebe im ersten und Vergänglichkeit im fünften «Kapitel» lotet Kirchhofer in «eisfischen» die ganze Spannweite menschlicher Existenz aus. In Bildern und Beobachtungen, Momentaufnahmen, die Abgründe öffnen und zärtlich berühren. Sie illustrieren das Wesen des Lyrikers, der mit hoher Sensibilität und Offenheit durch die Welt geht. Zu den Gedichten der mittleren drei Kapitel liess sich der Autor auf Reisen inspirieren: Frankreich, Finnland, Irland. Kirchhofer beobachtet genau, skizziert mit knappen Worten Stimmungen. Lakonisch kombiniert er in sieben Zeilen die irische Hungersnot des 19. Jahrhunderts mit den gläsernen Bankgebäuden der Gegenwart.

Fühlen statt interpretieren

Lyrik ist leise, braucht den intimen Rahmen, wie ihn die Bibliothek Menziken bietet, wo zwei Dutzend Personen sich auf Markus Kirchhofers Texte einliessen. Karl Gautschi sagte es: Man darf nicht zu viel herum interpretieren. Der Leser muss sich einfühlen, was sich aber nicht erzwingen lasse. Beim Vortrag am Mittwochabend erleichterte Fritz Bär – wie Gautschi ein ehemaliger Lehrer des Autors – dieses In-Stimmung-Kommen mit Cembalomusik des jungen Mozart, die jener in London komponiert habe. Wassermusik zu Wassergedichten.

Die erste Soloproduktion von Markus Kirchhofer lässt mitunter auch schmunzeln. Galgenhumor? Die letzten Zeilen des letzten Gedichts, das im Alterszentrum spielt: «der oberst im generalstab / geht am arm der / pflegefachfrau / windeln wechseln».

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