Reinach
Markus Dürrenberger vertont «Sunrise» live im TaB Atelier Kino

Ein Bauer hat eine Affäre mit einer schönen Frau aus der Stadt. Die Ehefrau soll verschwinden, und zwar im See – die Mordpläne entwickeln sich aber ganz anders als geplant.

Dominic Kobelt
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«Sunrise», 1927, von Regisseur Friedrich Murnau, einem bedeutenden Regisseur aus der Stummfilmzeit. zvg

«Sunrise», 1927, von Regisseur Friedrich Murnau, einem bedeutenden Regisseur aus der Stummfilmzeit. zvg

Die Geschichte tönt nach einem modernen Thriller – eigentlich tönt sie aber überhaupt nicht, es handelt sich nämlich um den Stummfilm «Sunrise». An der Oscarverleihung 1929, der ersten, die überhaupt stattfand, erhielt Friedrich Wilhelm Murnaus Film drei Oscars. Am 13.Oktober gibt es den Schwarz-Weiss-Film im TaB Atelier Kino zu sehen.

Der Film wird live vertont

Die Zuschauer müssen trotz Stummfilm nicht auf die Musik verzichten: Markus Dürrenberger wird live für die Geräuschkulisse sorgen. Mit Murmeln in Glasschalen, Spieldosen, Piano- und Akkordeonspiel sorgt er für die nötige Atmosphäre. «Stummfilme sind seit jeher mit Musikbegleitung aufgeführt worden», so Dürrenberger. Nur das gesprochene Wort sei erst später dazugekommen – als es möglich wurde, eine Tonspur gemeinsam mit dem Bild aufzuzeichnen und über Verstärkeranlagen wiederzugeben. «Musik hingegen konnte man schon immer live und in ausreichender Lautstärke zum Film spielen.» Ein Film verliere ohne Musik sofort an Wirkung: «Das hat mit der Tiefenwirkung der Musik als Sprache der Seele zu tun», sagt Dürrenberger. Es sei sehr wichtig, wie die Musik in Relation zum Film stehe: «Es ist die Hauptaufgabe des Komponisten von Stummfilmmusik, Musik zu komponieren, die den Film in seiner Aussage unterstützt und im Glücksfall diese sogar erweitert.»

Traum erfüllte sich dank Verbot

Dürrenberger hatte schon während seines ganzen Musikerlebens den Wunsch, irgendwann einmal Filmmusik zu machen. Dieser ging in Erfüllung, als er eine Anfrage des Projektes «Cinéma Solaire» aus Zürich erhielt: «Die Stadt hatte die Auflage gemacht, dass während des Gastspiels im Frühjahr 2011 keine Verstärkeranlage gebraucht werden dürfe.» Also hätten sich die Initianten kurzfristig für eine Stummfilmwoche mit unverstärkter Live-Musikbegleitung entschieden, erzählt Dürrenberger: «Ich sagte sofort mit Freuden zu – aber auch mit Respekt angesichts der grossen Aufgabe, 95 Minuten lang einer preisgekrönten Leinwandarbeit eine adäquate musikalische Begleitung beizufügen.»

Mehrere Filme standen dem Musiker bei dem Projekt zur Auswahl. Dass er sich gerade für die Vertonung von «Sunrise» entschieden habe, nennt der Musiker heute einen Glückstreffer. «In der fraglichen Woche hatte ich nur an zwei Abenden Zeit und der andere Film hat mich von der Beschreibung her nicht so angemacht», sagt Dürrenberger. Ihm sei erst später klar geworden, dass «Sunrise» ein Meisterwerk der Stummfilmzeit sei: «Dies wurde mir erst mit der Zeit bewusst, da ich mich in der Folge hinsichtlich weiterer Stummfilmprojekte eingehender mit dem Thema zu beschäftigen begonnen habe.» Es sei entsprechend eine schöne Herausforderung, der Ästhetik des Films auch musikalisch gerecht zu werden und sie wenn möglich noch zu vertiefen.

Der Film «Sunrise» wird am 13. Oktober um 20.15 Uhr im TaB Atelier Kino gezeigt. Türöffnung 19 Uhr. Vor Filmbeginn: kurzes Gespräch mit Markus Dürrenberger. Weitere Infos auf www.tab.ch