Er hat es schon mehrmals in die Top Ten der Schweizer Hitparade geschafft: Etwa im Duett mit Fabienne Louves («Hemmigslos liebe») oder mit einer Hymne an seine Ehefrau («Severina»). Die Rede ist von Marc Sway (37). Als Sohn eines Schweizer Rock- und Bluessängers und einer brasilianischen Tanzlehrerin kam er schon früh mit verschiedensten Musikströmungen in Kontakt. Müsste er sich auf einen Stil festlegen: «Am meisten bin ich Soul-Sänger.»
Am 3. Mai kommt Marc Sway mit dem Zürcher Theater Rigiblick und «Tribute to Ray Charles» nach Reinach in den Saalbau. Im Telefoninterview mit der az sprach er über die blinde Jazz-Legende und darüber, was der Saalbau mit einem Schnellboot zu tun hat.

Marc Sway, was erwartet die Besucher in «Tribute to Ray Charles»?
Marc Sway: Das Tolle und Spezielle ist die Kombination von Musik und Inhalt. Zwischen den Songs erläutert Daniel Rohr (Direktor des Theaters Rigiblick, die Red.) Ray Charles’ Leben und Lebenswerk mit witzigen Anekdoten. So lernen ihn die Zuschauer kennen. Das ist das Erfolgsrezept unserer Show und eine Ebene, die bei Konzerten etwas fehlt.

Das Programm wird exklusiv und zum ersten Mal ausserhalb des Theaters Rigiblick aufgeführt. Was ist das für ein Gefühl?
Für uns ist es natürlich ein Experiment. Seit drei Jahren spielen wir das Programm im Rigiblick, jedes Mal war es ausverkauft. So ist es immer weitergegangen. Jetzt, wo wir rausgehen, wird der Vogel flügge.

Wie hat es die Saalbaukommission geschafft, Sie ausgerechnet nach Reinach zu locken?
Die Leute vom Saalbau sind zu uns gekommen und haben angefragt. Nachdem wir die Location besucht haben, war schnell klar: Der Saalbau eignet sich super für die Show.

Wie ist es für Sie, auf einer etwas kleineren Bühne zu stehen?
Das ist noch schwierig zu erklären. Die physikalischen Gegebenheiten, die Chemie ist ganz anders. Man könnte eine grosse Bühne wie das Hallenstadion mit einem Kreuzfahrtschiff vergleichen. Da gibt es grosse Bewegungen, du musst von den Zehntausenden auch den hintersten im Saal erreichen. Eine kleinere Bühne wie der Saalbau wäre dann ein Schnellboot: Hier ist alles viel agiler, intimer, persönlicher. Ich finde beides toll: Ich liebe die Abwechslung und möchte beides nicht mehr missen.

Was bedeutet Ihnen Ray Charles?
Ich liebte seine Musik schon als kleiner Junge. Und auch seine Geschichte ist faszinierend: Er wuchs in der Zeit absoluter Rassentrennung in Georgia auf, musste als Blinder gegen noch grössere Widerstände kämpfen als die anderen Schwarzen. Und am Schluss sang er mit «Georgia On My Mind» die Hymne von Georgia. Das war unglaublich und macht ihn zu einer grossen Figur. Nicht nur als Musiker, sondern auch als Mensch.

Sehen Sie ihn als Identifikationsfigur?
Das kann man so nicht sagen. Ja, Ray Charles hat mich stark geprägt und beeinflusst mit seiner Art zu singen und zu performen. Am Schluss aber muss ein Künstler sich selbst sein, eine Eigenheit haben. Auch Ray Charles hat lange die Lieder von Nat King Cole gesungen. Ganz gross geworden ist er aber, als er sich gelöst hat und zu einer eigenen Person geworden ist.