Bezirksgericht Kulm
Mann würgt Ehefrau, bis ihr schwindlig wird – doch sie wünscht keine Strafe

Ein Mann schlug seine Ehefrau mehrmals und würgte sie. Deshalb sass er 20 Tage lang in Untersuchungshaft. An der Gerichtsverhandlung vor dem Bezirksgericht Kulm kam es allerdings nicht zu einem Schuldspruch.

Peter Siegrist
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Der Mann schlägt seine Frau wiederholt, doch sie will nicht, dass er bestraft wird. (Symbolbild)

Der Mann schlägt seine Frau wiederholt, doch sie will nicht, dass er bestraft wird. (Symbolbild)

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Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm gegen Ugur (Name geändert), einen knapp 30-jährigen türkischen Staatsbürger aus der Region, listet strafbare Handlungen aus dem Bereich häuslicher Gewalt auf: Gefährdung des Lebens, einfache Körperverletzung und wiederholte Tätlichkeiten gegenüber der Ehefrau.

Ugur, schlank, gepflegt, in Jeans und Turnschuhen, sitzt vor Gerichtspräsident Christian Märki. Begleitet wird Ugur von seinem amtlichen Verteidiger, Markus Härdi. Laut Anklage hat Ugur am 1. Juli 2011 mit seiner Ehefrau in der ehelichen Wohnung gestritten. Dabei hat die Frau geschrien, was Ugur veranlasste, sie mit einem Faustschlag ins Gesicht zum Schweigen zu bringen.

Weiter schlug Ugur mit einem Ledergurt auf seine Frau ein, schlang einen Gurt um ihren Hals. Das war noch nicht der Schluss des ehelichen Zwists. Die Frau konnte sich befreien und behändigte sich kurzerhand eines Messers, um sich zu verteidigen. Dieses drehte ihr Ugur aus der Hand, legte ihr dann eine Kordel um den Hals und würgte sie, bis ihr schwindlig wurde. Erst als es der Frau gelang, die Wohnungstür zu öffnen und um Hilfe zu schreien, liess Ugur von ihr ab.

Diese Szene blieb für Ugur nicht ohne Folgen, er wurde für 20 Tage in U-Haft genommen. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten bedingt mit einer Probezeit von vier Jahren.

Wegen Verfahrensmangel sistiert

Dies die Fakten laut Anklage. Der Verteidiger wies gleich zu Beginn darauf hin, dass die Ehefrau bereits am 13. Juli 2011 geäussert habe, sie wolle keine Bestrafung – weder für den jüngsten Vorfall noch die vorherigen Übergriffe. Das Verfahren sei einzustellen. Im September 2014 habe die Ehefrau ihren Willen nochmals bestätigt. Das Paar wohne weiterhin in einer gemeinsamen Wohnung und habe in der Zwischenzeit zwei Kinder, erklärte der Anwalt.

Da die Staatsanwaltschaft es unterlassen habe, das Verfahren einzustellen, stelle er jetzt den Antrag auf Einstellung oder die Sistierung des Verfahrens auf sechs Monate. Gerichtspräsident Märki nahm den Antrag entgegen und gab nach kurzer Unterbrechung den Entscheid des Gerichts bekannt.

Das Gericht stellt fest, dass die Staatsanwaltschaft nicht über die Absichtserklärung der Ehefrau befunden habe. «Das hätte sie jedoch tun müssen», erklärte Märki. So habe die Staatsanwaltschaft die Rechte des Angeklagten beschnitten. Weil vier Vorfälle von häuslicher Gewalt vorlägen und der Angeklagte vorbestraft sei, weise das Gericht den Antrag auf Sistierung ab. Ankläger und Verteidiger können gegen diese Verfügung beim Obergericht Beschwerde einlegen. Die Verhandlung bleibt unterbrochen.