Schöftland

«Man muss sich der Zeit anpassen»: Tüftler weiss sich zu helfen

Statt am Weihnachtsmarkt zeigt Werner Herger seine Kunstwerke nun halt bei sich in der Werkstatt.

Statt am Weihnachtsmarkt zeigt Werner Herger seine Kunstwerke nun halt bei sich in der Werkstatt.

Kein Weihnachtsmarkt in Schöftland dieses Jahr – aber Werner Herger hat eine Idee. Er lädt potenzielle Kunden dieses Jahr zu sich in die Werkstatt ein.

Viele Weihnachtsmärkte sind abgesagt, von Strassburg über Zürich bis Bremgarten und Schöftland. Corona hat den Stecker gezogen. Dabei wollte man gerade in Schöftland neu mit dezenter musikalischer Hintergrundmusik zusätzlich weihnachtliche Stimmung verbreiten. Und die Live-Darbietungen der Musikschule und anderer lokaler Musizierender hätte man gerne über Lautsprecher dem Publikum an den gut 50 Ständen zu Ohren kommen lassen. Das weiss Werner Herger, 57, Kundenschreiner und Mitglied des Weihnachtsmarktkomitees in Schöftland. Er weiss noch mehr: sich zu helfen nämlich.

Wie gemäss Sage ein anderer Urner, Wilhelm Tell, wird Herger aktiv. «Ich habe viele neue Sachen gemacht und weiss, dass sie den Leuten gefallen», sagt er. Und damit ist er nicht allein; Herger denkt an die anderen Handwerkskünstlerinnen, die mit unterschiedlichen Materialien Sachen für den Weihnachtsmarkt hergestellt haben. «Man muss sich der Zeit anpassen, optimistisch sein», sagt Werner Herger, dessen Urner Dialekt noch nicht ganz abgeschliffen ist. Und den die Liebe aus Spiringen im Schächental, Nachbargemeinde von Bürglen, Tells Heimat, ins Suhrental gebracht hat.

Er hat seine Werkstatt im eigenen Haus

«Ich bin ein Tüftler», sagt Werner Herger von sich selber. Und stets um Neues bestrebt. Für diesen Weihnachtsmarkt hat er sich Miniaturmöbel ausgedacht in fantasievollen Formen, mehrheitlich rund, und mit Schubladen versehen, die sich öffnen lassen. Allesamt Unikate. «Ein Hobby muss Freude machen», sagt der Möbelschreiner. Er muss nicht davon leben, und er weiss, dass ein realistischer Stundenansatz mit dem Portemonnaie des Durchschnittskunden nicht kompatibel wäre. Er stellt auch kleine Sachen her, Tiere, Sterne, Kreisel, Kugeln, Pilze.

Werner Hergers Werkstatt im Untergeschoss seines Hauses ist gut ausgerüstet. Da hängt auch eine Urner Treichel, die er sich bei einem Hol- und Bringmarkt in Schöftland geleistet hat, aber auch eine hölzerne Erinnerung an seinen Vater, dem er seine handwerkliche Geschicklichkeit verdankt, ist da zu sehen. Der dreifache Familienvater selber sieht bei seiner jüngsten Tochter Milena seine Gene: Sie vertritt den Kanton Aargau bei den Swiss Skills, den Schweizerischen Berufsmeisterschaften. Nicht als Schreinerin, aber als Confiseurin.

Er öffnet seine Werkstatt für Besucher

Fantasie und Genauigkeit paaren sich bei Hergers Arbeiten. Man schmunzelt über die Verspieltheit und ahnt die stille Freude des Handwerkers an seinen Stücken, Holzdekorationen, Geschenke, Spielsachen, mit viel Herzblut hergestellt. Das Schaufenster am Wanderweg, der an seinem Haus vorbeiführt, zeigt eine Auswahl dieser kleinen Kunstwerke aus verschiedenen Holzarten. Und bald heisst es: Eintreten bitte! Das Beispiel der Bauern im Frühling und Sommer, die florierenden Hofläden haben Werner Herger zusätzlich motiviert, die potenziellen Kunden zu sich in die Werkstatt am Juraweg 1 einzuladen. Er tut dies an den vier letzten Samstagen vor Weihnachten (ab 28. November), jeweils von 9 bis 18 Uhr.

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