Sie treten in den bekanntesten Konzertsälen der Welt auf. Sind Preisträger internationaler Klassikwettbewerbe und spielen auf exquisiten Instrumenten. Doch wenn Hotelière Ljuba Manz (77) die hochkarätigen Violinisten und Pianisten zusammenruft, versammeln sie sich für ein Wochenende auf der Böhler-Passhöhe nach Unterkulm.

Dort, im Landhaus der Familie Manz, organisiert die bekannte Jetset-Dame heuer bereits zum zweiten Mal die Musiktage Dornegg. Zur Hotelgruppe Manz Privacy gehören etwa das St. Gotthard in Zürich oder das Hotel Euler in Basel. Vom 7. bis 9. September können die Besucher Klängen aus den Federn von Vivaldi, Paganini und Mendelssohn lauschen.

Die Hoteliers und die Musiker

Die gute Vernetzung in der Klassik-Szene verdankt die Familie den Zwillingsbrüdern Alexander und Michael Manz (38), beide ausgebildete Konzertpianisten. Die beiden Söhne von Ljuba und ihres 2010 verstorbenen Mannes Caspar E. Manz sorgen schon zu Ausbildungszeiten für ein volles Musiker-Haus. Auch der berühmte Schweizer Dirigent Paul Sacher findet den Weg ins Hotel St. Gotthard – und mit ihm Musiker aus der ganzen Welt. Die Familie fördert einige der Nachwuchsvirtuosen finanziell. Durch den persönlichen Kontakt erfahren sie von den kläglichen Honoraren vieler Musiker, von denen sich nur schwer eine Ausbildung finanzieren liess.

Wie sich Armut anfühlt, hat Ljuba Manz am eigenen Leib erlebt. Sie wird mitten im Zweiten Weltkrieg in der Ukraine geboren, wohin ihre Familie aus Russland flüchten musste. Von ihrer langen Zeit in Wien, wo sie danach hinzieht und das damals immer noch von Truppen besetzt ist, hat sie ihren sympathischen Akzent. Sie kommt nach Zürich, bildet sich weiter im Wirtschaftsbereich und lernt den Hotelier Caspar E. Manz kennen, den sie später heiratet. Der fast 20 Jahre ältere Manz überträgt 1987 die Leitung der Hotelgruppe seiner Frau, später werden auch die Söhne ins Management eingebunden.

Grosser Erfolg im ersten Jahr

Die erste Austragung der Musiktage vor einem Jahr diente als Experiment. Ljuba Manz wollte ertasten, ob die Klassikkonzerte in ländlicher Umgebung Anklang finden und zur jährlichen Veranstaltung taugen. Wie sich schon am Freitagabend zeigte, folgen nicht nur Musiker dem Ruf der Hotelkönigin, sondern auch die Zuhörer. In Scharen strömten sie von beiden Tälern her auf die Böhler-Passhöhe und nahmen den Fussmarsch zum Landhaus auf sich. «Ich habe mir nicht vorstellen können, dass die Leute bei diesem strömenden Regen unser Landhaus aufsuchen. Die Begeisterung für die Konzerte, die sie durch Regen und Kälte laufen liessen, hat mich sehr gefreut», sagt Ljuba Manz, als die AZ sie kürzlich telefonisch auf der Fahrt zu den Salzburger Festspielen erreicht. Manche seien an jedem der drei Tage gekommen. Grosse Freude an ihrem Publikum hätten auch die Künstler gehabt, die bereits seit Wochen eifrig für die zweite Ausgabe der Musiktage am Vorbereiten seien.

Zur Eröffnung ein Tango

Öffentliche Konzerte werden dieses Jahr am Freitag und Sonntag stattfinden. Am Samstag empfangen die Manzens eine geschlossene Gesellschaft. Persönlich begrüssen wird Ljuba Manz aber ihre Gäste an jedem Tag. Der erste Konzertabend steht im Zeichen des Tangos. Gespielt werden sie vom weltberühmten Argentinier Marcelo Nisinman auf dem Tangoinstrument schlechthin – dem Bandoneon. Zwischen den Tangos spielt das Schweizer Kammermusik-Trio Rafale (Maki Wiederkehr, Daniel Meller, Flurin Cuonz). Am Sonntag werden Kompositionen von Felix Mendelssohn und Maurice Ravel gespielt. Wer noch einen Platz ergattern will, muss sich beeilen: Beide Tage sind schon fast ausgebucht.

Ursprünglich ging Ljuba Manz für dieses Jahr ein noch grösseres Projekt durch den Kopf. Ihr schwebte der Bau einer permanenten Konzerthalle auf dem Gelände vor, wo regelmässig Konzerte – auch von Gruppen der Region – gespielt werden könnten. Dazu kann sie sich auch vorstellen, die umliegenden Gemeinden ins Boot zu holen. Soweit sei man aber zur Zeit noch nicht.

Informationen auf www.dornegg.ch. Der Eintritt ist gratis, es gibt eine Kollekte.