Muhen
Linda Zach lebt seit zwei Jahren fast ohne Plastik – so macht sie es

Die fünffache Mutter aus Muhen, die als Informatikerin arbeitet erzählt in der «Biberburg», wie man nachhaltiger einkaufen kann. Ihr Mann und die Kinder seien von Anfang an dabei gewesen.

Flurina Dünki
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Linda Zach's auf Instagram geposteter Lappen.
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Linda Zach's auf Instagram geposteter Weihnachtskranz.
Linda Zach Instagramm
Linda Zach's auf Instagram gepostete Seife.
Linda Zach's auf Instagram gepostete Kräutersammlung in Gläsern.
Linda Zach ist die Mutter von fünf Kindern und arbeitet als Informatikerin.

Linda Zach's auf Instagram geposteter Lappen.

Linda Zach / ZVG

Wenn Linda Zach dem Metzger im Supermarkt ein gläsernes Tupperware entgegenstreckt, verzieht dieser keine Miene. Bereitwillig füllt er das Geschnetzelte oder die Pouletfilets ins mitgebrachte Gefäss, statt in Papier und Plastiksäckli. Zu Beginn sei das anders gewesen, sagt die 45-jährige Zach. Da habe sie regelmässig in verwirrte Gesichter hinter der Theke geschaut. Zu Beginn, das war vor zwei Jahren, als sie anfing, Plastik und anderes Wegwerfmaterial aus ihrem Alltag zu verbannen.

«Seit zwei Jahren lebt meine Familie fast ohne Plastik.» Im Fernsehen verfolgte sie damals das Experiment einer Familie, einen Monat ohne Plastik zu leben. «Der Gesundheitsvergleich von vor und nach dem Experiment erschreckte mich. Wir essen wegen der Plastikverpackung derart viele Schadstoffe mit, da sagte ich: ‹fertig!›»

Haarseife statt Shampoo

Die fünffache Mutter aus Muhen, die als Informatikerin arbeitet, krempelte ihr Einkaufsverhalten komplett um. Keine Plastiksäckli mehr, keinen Salatkopf mit Plastikhülle, Pasta nur noch in Kartonverpackung. In der ersten Zeit sei sie der Freak gewesen. «Unverpackt»-Läden, woher sie heute viele Lebensmittel beziehe, habe es noch keine gegeben. «Lange habe ich nach Haarseife gesucht, damit ich keine Shampooflaschen mehr wegwerfen muss. Sogar in Reformhäusern hatten sie diese noch nicht.»

Sie gehe aber nicht soweit, jeden Plastikschnipsel aus dem Haushalt zu verbannen. Auf Pommes Chips müsse die Familie nicht verzichten «und natürlich habe ich auch Dosen mit Plastikdeckel. Es geht ja nicht in erster Linie darum, ganz ohne Plastik zu leben, sondern diese Einwegverpackungen zu vermeiden.»

Ohne Plastik gehts ins Gewicht

Mann und Kinder (zwei sind im Primarschulalter, drei schon ausgezogen) seien von Anfang an dabei gewesen. Die Kinder hätten sich schnell daran gewöhnt, ihre Sandwiches in Bienenwachstüchern statt Zellophanfolie eingewickelt zu bekommen. «Nur meine ältere Tochter zieht mich regelmässig auf, weil sie nicht verstehen kann, dass ich statt Monatsbinden einen Menstruationscup benutze.» Unterstützung von der Familie war wichtig, denn die Umstellung sei eine Herausforderung gewesen. Eine, die nicht nur Köpfchen erfordert, sondern auch Muskeln, wenn der Plastik durch Glas- und Edelstahl-Tupperware ersetzt wird. «Oft kommen meine grösseren Kinder zum Essen nach Hause, dann schleppe ich jeweils für sieben Personen.»

Grundnahrungsmittel wie Fleisch, Gemüse oder Milch seien inzwischen kein Problem mehr. Schwieriger sei es, an Süssigkeiten ohne Knisterverpackung zu kommen. «Also mache ich die jetzt selber. Rezepte dafür bekomme ich über Instagram, wo ich mit vielen Gleichgesinnten in der ganzen Welt verknüpft bin». Und es scheint, als seien auch ihre eigenen Instagram-Posts bei den Nutzern beliebt. Über 1300 Abonnenten folgen ihr. «Frau_Linda», wie sie sich auf Instagram nennt, lädt dort etwa ihre Rezepte für Gummibonbons aus Quittengelee und Trockenshampoo (Maisstärke und Kakaopulver). Oder sie verrät, wie man eine Bratpfanne mit Backpulver reinigt oder WC-Tabs selber herstellt – in der Eiswürfelform. Auch wenn etwas nicht geklappt hat, teilt sie dies und hofft auf Ratschläge der Community. Etwa, wenn das selbst gemachte Geschirrspülmittel wegen dem harten Wasser zu wenig gut gewirkt hat.

Damit nicht nur Instagram-Nutzer von «Frau Lindas» Tipps für einen abfallarmen Haushalt profitieren, gibt sie morgen ihre Erfahrung in einem Vortrag in der «Biberburg» in Hirschthal weiter. Dort wird man erfahren, was Linda Zach in der Weihnachtszeit aus alten Büchern macht und was sie aus Essig, Natron und Zitronensäure zusammen mixt.