«Mir tut es weh, auch für die treue Stammkundschaft», sagt Lilly Lüscher. Das ist ihr weinendes Auge. Anderseits kann ihr niemand verargen, wenn sie nun altershalber nicht nur ans Aufhören denkt, sondern spätestens im April ihrem Uhren- und Schmuckgeschäft in der Pyramide in Schöftlands Dorfstrasse Adieu sagt. «Ich möchte noch etwas von der Welt sehen, Neues erfahren, reisen, vor allem nach Südafrika zieht es mich, die Wildpärke, die Natur», sagt sie. Ihr lachendes Auge.

«Time to say goodbye»

Die Schaufenster verkünden es. «Wir schliessen – alles ist reduziert», steht da. Und auf der anderen Seite sind zwei Sätze zu lesen: «Total Räumungsverkauf», auch Abverkauf genannt, und ein Spruch, der Lilly Lüschers Stimmung wohl am nächsten kommt: «Time to say goodbye».

Am meisten zu schaffen macht ihr nicht ihr Abschied, sondern das Risiko, dass das Geschäft nicht weitergeführt wird. «Heute hat wieder ein Interessent telefoniert», sagt sie, und dann keimt Hoffnung auf, dass jemand ihr Geschäft übernimmt. Denn das ist ihr Wunsch. Und es finden Verhandlungen statt. «Es wäre schade um den Standort, ein Verlust für die Region, zumal die Infrastruktur da ist», sagt sie und spricht auch die zentrale Lage des Geschäfts mit vielen anderen Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung an.

Überregional bekannt

Lilly Lüschers Fachgeschäft lebt nicht von Schöftler Kundschaft allein. Stammkunden kämen auch aus dem Luzerner Surental, aus der Agglomeration Aarau und aus dem Wynental. Diesen Stamm hat sie sich erarbeitet, nachdem sie 1993 das frühere Bijouteriegeschäft zur Miete übernommen hatte. Ihr Credo: «Alle sollen etwas kaufen können hier; mein Geschäft steht in Schöftland und nicht an der Zürcher Bahnhofstrasse.» Dennoch: Sie kann aus exklusiven Kollektionen auswählen und bietet mit ihren Mitarbeiterinnen – zwei Vollzeit, eine Teilzeit angestellt – auch einschlägige Dienstleistungen an. «Wir machen kleinere Reparaturen an Schmuck und Uhren.» An der Uhrenmacherschule muss sich ausbilden lassen, wer Markenuhren verkaufen will. Batterien werden gewechselt, Perlen im eigenen Atelier neu gefasst.

«Das Personal wäre froh, wenn es weiterginge», sagt sie, aber natürlich halten die Mitarbeiterinnen die Augen offen. Bis vor drei Jahren hat Lilly Lüscher Lehrlinge ausgebildet. Sie selber, eine Seetaler Bauerntochter, hat vor 50 Jahren Bijouterieverkäuferin gelernt, sich später weitergebildet, ein Handelsdiplom gemacht. Der Handel liegt ihr auch näher als das Handwerk. «Mein Herz schlägt für diese Branche seit meiner Jugendzeit», sagt sie. Sie verspricht in den Wochen des Räumungsverkaufs ein breites Angebot an Uhren und kostbarem Schmuck zu unterschiedlich stark reduzierten Preisen.