Reinach
Lieber verschenken statt wegwerfen

Die Heilsarmee engagiert sich bei Schweizer Tafeln und organisiert Lebensmittelabgabe. Diese ermöglicht es bedürftigen Familien, gesünder zu essen.

Peter Siegrist
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Der Saal der Heilsarmee in Reinach füllt sich jeweils rasch am Mittwochabend. Mütter und Väter, viele mit ihren Kindern, aber auch Alleinstehende, Menschen unterschiedlichen Alters treffen um halb sechs Uhr ein. Eines haben sie gemeinsam, sie tragen alle eine oder mehrere Einkaufstaschen mit sich. Die Leute kommen zur Lebensmittelabgabe des Projektes «Schweizer Tafeln». Im September 2009 startete die Heilsarmee damit. «Soziales Engagement für benachteiligte Menschen gehört zu uns», sagt Cindy Bertschi, Sozialarbeiterin FH bei der Heilsarmee.

Cindy Bertschi empfängt die Ankommenden und kontrolliert deren Bezugskarten. Die vier freiwilligen Helfer haben im Voraus die angelieferten Waren sortiert und einem Gemüsemarkt gleich schön aufgestellt. Die Leute setzen sich auf die Stühle im Saal und warten, bis sie an die Reihe kommen, um dem Warengestell entlang zu gehen und einzupacken. Alles läuft ruhig und gesittet ab, keine Hektik, es hat genug für alle. Die Helfer sorgen dafür, dass alles gerecht verteilt wird. Die Wartezeit können sich die Leute mit einer Tasse Kaffee oder Tee verkürzen und zu einem Gespräch mit anderen Schicksalsgenossen nutzen.

Echte Unterstützung für Familie

Monika Braun kommt aus Oberkulm und spricht über ihr Schicksal. «Ich stehe offen zu unserer Situation, die Leute im Dorf wissen es, und wir verstecken uns nicht.» Brauns Ehemann leidet an einer Rückenkrankheit, wurde operiert und kann nicht mehr arbeiten.

Sie selber sorgt als Mutter für die vier Kinder und kämpft in dieser schwierigen Situation mit psychischen Problemen. «Seit fünf Jahren beziehen wir Sozialhilfe und haben daher ein sehr enges Budget.» Die Lebensmittelabgabe in Reinach ermögliche es der Familie, gesünder zu essen, mehr Gemüse, Salat und Früchte auf den Tisch zu stellen.

Gemüse und Früchte für Familie

Midiya Shesko und ihr Mann kommen aus Syrien und wohnen mit ihren drei Kindern seit vier Jahren in der Schweiz. Sie sind Asylbewerber. «Das Essen hilft uns echt, wir könnten uns nicht so Gemüse und Früchte kaufen.» Shesko spricht bereits sehr gut deutsch. Sie lerne es mit Bekannten und ihren Kindern, sagt sie.

Jeden Mittwoch kommen rund 50 bis 70 Personen – Tendenz steigend – vorbei und füllen ihre Tragtaschen mit Gemüse, Früchten, Salat und Brot. Die meisten leben in einer schwierigen finanziellen Situation, sind schon von der Sozialhilfe abhängig und daher froh, dass sie bei Schweizer Tafeln gute und gesunde Esswaren erhalten.

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