Gränichen

Liebegg hat Talsohle hinter sich: «Wir müssen und wollen die Einmaligkeit des Schlosses vermarkten»

Vor drei Jahren rutschte die Betriebsrechnung von Schloss Liebegg in die roten Zahlen. Nun kann der Schlossbetrieb für 2018 ein gegenüber den Vorjahren deutlich verbessertes Ergebnis vorlegen.

Vor drei Jahren rutschte die Betriebsrechnung von Schloss Liebegg in die roten Zahlen. Defizite von über 50'000 und zweimal über 60'000 Franken prägten das operative Ergebnis der Jahre 2015 bis 2017. Eine Entwicklung, die Fragen nach der Zukunft des Aargauer Seminarschlosses par excellence aufwerfen könnte.

Dies nicht zuletzt wegen der tendenziell zunehmenden Konkurrenz im Kerngeschäft der Liebegg. Eben erst war etwa die Rede davon, dass auf der Lenzburg künftig auch das frisch renovierte Bernerhaus (früher Stapferhaus), zusätzlich zum Ritterhaus, «bespielt», sprich vermietet werden müsse.

An der Generalversammlung des Vereins Schloss Liebegg, in dessen Hände der Kanton Aargau das Schloss – als Besitzer desselben seit 1946 – gelegt hat, konnten nun aber Präsident Urs Bachmann und Vorstandsmitglied Markus Merz, der die Betriebsrechnung 2018 präsentierte, ein Stück weit Entwarnung geben. Merz sprach von einem guten Jahr. Der Fehlbetrag hat sich auf rund 17 000 Franken reduziert. Damit hat sich das operative Ergebnis gegenüber 2017 um rund 46 000 verbessert. Merz zeigte sich überzeugt: «Wir haben die Talsohle durchschritten.»

Das gelte nicht zuletzt für die Seminarbuchungen. Der Kanton habe in letzter Zeit viele Meetings auf der Liebegg durchgeführt. Merz zeigte sich zuversichtlich, dass der Betrieb eines Tages wieder schwarze Zahlen schreiben werde. Die Ausgaben habe man im Griff. Und die Liebegg habe Potenzial. In Zukunft, so deutete Merz an, werde man mit dem vor einem Jahr eingezogenen Hexenmuseum noch «einiges machen».

Die Einmaligkeit vermarkten

Urs Bachmann machte klar: «Wir müssen und wollen die Einmaligkeit des Schlosses vermarkten.» Er liess zudem durchblicken, dass es in einer verschärften Konkurrenzsituation gelte, einen Schritt nach vorn zu machen.

Bachmann machte in diesem Zusammenhang einen Querverweis auf das Zentrum Bärenmatte in Suhr, wo er als Betriebsleiter fungiert: Angesichts der Projekte «Alte Reithalle» und «Aeschbachhalle» habe man in Suhr eines erkannt: «Wenn das alles kommt, müssen wir wieder mal ein wenig in die Bärenmatte investieren.» Tatsächlich hat die Sommergmeind 2016 dann die für die Auffrischung nötigen 3 Mio. Franken gesprochen. (Das Zentrum Bärenmatte wird seit 1995 als Spezialfinanzierung eigenwirtschaftlich geführt.)

«Der Kanton steht zur Liebegg»

«Der Kanton steht zum Schloss Liebegg», versprach Landstatthalter Markus Dieth gegenüber den anwesenden rund 130 von etwa 650 Vereinsmitgliedern. Als Ausdruck dieses Bekenntnisses hatte Dieth auch Urs Heimgartner, den neuen Leiter Immobilien Aargau, mitgebracht. Und er fügte bei: «Wir haben einen Weg gefunden, miteinander die Zukunft zu gestalten.» Wie der Vertreter des Regierungsrates durchblicken liess, ist für den Monat April ein Workshop mit Exponenten des Vereins und des Kantons geplant.

Dieth strich die Bedeutung des Hexenmuseums heraus: Dieses sei «eine unglaubliche Möglichkeit, die Liebegg bekannt zu machen.» Museumsleiterin Wicca Meier-Spring führte die Versammlung an die Problematik der frühneuzeitlichen Hexenprozesse heran. Anhand eines Falls aus Gränichen zeigte sie auf, dass schon blosser Argwohn seitens der Dorfbevölkerung zu einem Todesurteil führen konnte: 1611 wurden die verwitwete Adelheid Härdi, ihre 15-jährige Tochter Anna und schliesslich auch ihre 24-jährige Dienstmagd Barbli Suter nach Lenzburg gebracht, gefoltert und vom Landgericht verurteilt – Adelheid Härdi zum Tod durch das Feuer, die andern beiden zum Tod durch das Schwert. Nachzulesen bei Peter Steiner (Wynentaler vor dem Scharfrichter, Jahresschrift der Historischen Vereinigung Wynental, 1966) und in der Gränicher Dorfgeschichte von Markus Widmer-Dean (2003).

Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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