Grossratswahlen

Letztes Jahr leitete er noch Philipp Müllers Wahlkampf – nun ist er mit 26 Grossrats-Rentner

Adrian Meier (FDP) wurde als Grossrat abgewählt.

Adrian Meier (FDP) wurde als Grossrat abgewählt.

Wie der Freisinnige Adrian Meier litt und seine Niederlage um die Abwahl aus dem Grossen Rat bewältigte.

Als Adrian Meier (FDP) vor vier Jahren als 22-Jähriger überraschend in den Grossen Rat gewählt wurde, machte er im Foyer des Grossratsgebäudes einen solchen Freudensprung, dass er prompt auf den Füssen von Parteikollegin Bettina Ochsner aus dem Freiamt landete. Sie nahm es ihm nicht übel und der Reinacher erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: «Das war Freude pur, ein prägendes Erlebnis.»

Am vergangenen 23. Oktober war wieder Wahlsonntag. Diesmal sollte es anders kommen. Nachdem der 26-Jährige am Morgen bereits Wahlplakate eingesammelt hatte und am Mittag feststand, dass die FDP im Bezirk Kulm leicht verliert, begab er sich ins Grossratsgebäude, um dort – genau wie vor vier Jahren – auf die Wahlresultate aus den weiteren Bezirken zu warten. Was folgte, hat sich eingeprägt wie ein Film: Der gesamte Kanton war ausgezählt und die einzelnen Sitze in den Bezirken wurden zugeteilt. Als der Bezirk Kulm an der Reihe war, kam die SVP zuerst.

Die Volkspartei holte einen vierten Sitz. Der Name von Newcomerin Karin Bertschi (26) leuchtete grün auf: gewählt. «In diesem Moment hat es angefangen zu rattern bei mir», sagt Adrian Meier und schaut ins Leere. Er habe noch gedacht, «jetzt wirds eng in der Kiste», da war auch schon die FDP dran. Sein Name wurde nicht grün. Nicht gewählt.

Viel Zuspruch bekommen

«Schockstarre» ist das einzig passende Wort, das ihm gerade einfällt, um seinen damaligen Zustand zu beschreiben. Adrian Meier sitzt in einem Reinacher Café. 37 Tage sind seither vergangen.

Die Sonne scheint. Ein guter Tag, um nach vorne zu blicken. Aber auch, um für die az noch einmal Rückschau zu halten. «Heute kann ich das. Vor drei Wochen wäre ich noch nicht dazu in der Lage gewesen», gesteht er. Nach Bekanntgabe des Wahlresultats und in den darauffolgenden Tagen habe er viel Trost und Zuspruch bekommen – von Leuten aus der Partei, aber auch von ausserhalb, und von solchen, von denen er es nicht erwartet hätte. «Das hat mir extrem geholfen.»

Dennoch habe er zu beissen gehabt. Unbegreiflich. Er hatte über 600 Stimmen mehr gemacht als vor vier Jahren und es hatte trotzdem nicht gereicht. Renate Gautschy (Gontenschwil) wurde, wie erwartet, bestätigt. Er nicht. «Ich war vor den Kopf gestossen, hatte nicht damit gerechnet.» Die FDP Kulm hatte ihren zweiten Sitz an die SVP verloren. Daran änderte auch sein gutes Resultat nichts.

Sollten sein Engagement und die ersten politischen Erfolge einfach umsonst gewesen sein? Frust machte sich breit. Er hatte doch politisch eben erst Fahrt aufgenommen. Mit Stolz denkt er an seine ersten erfolgreichen Vorstoss 2013 zurück: Er erreichte, dass die Kantonspolizei fortan nicht mehr allein aufgrund eines Drogenschnelltests vorschnell an die Öffentlichkeit gelangen darf. Sie muss zuerst die eindeutige Blutuntersuchung abwarten. Hintergrund war damals ein Verkehrsunfall in Gontenschwil, bei dem ein 14-Jähriger zu Unrecht in Verruf kam.

Vor Jahresfrist konnte er das Präsidium der Kommission Allgemeine Verwaltung übernehmen. Ein wichtiger Schritt, um sich etwa in der Debatte um den Finanz- und Lastenausgleich gewichtig fürs Wynental stark machen zu können und sich Gehör und Respekt im Rat zu verschaffen. «Jetzt ist diese Leitung einfach gekappt. Das tut weh.»

Politik von der Seitenlinie aus

Natürlich habe er im ersten Moment daran gedacht, alles hinzuschmeissen. Die erste Grossratssitzung, die direkt am Dienstag nach den Wahlen stattfand, sei ihm extrem schwergefallen. Er dachte sich: War jetzt alles für die Katz?

In den ganzen vier Jahren als Grossrat hat er nur an einem Sitzungstag gefehlt. Von seinem Arbeitgeber, der Mobiliar Versicherung in Reinach, wurde er immer unterstützt. Dafür und für die entgegengebrachte Flexibilität ist Adrian Meier dankbar. Auch aus diesem Grund habe er bis zum Ende durchhalten wollen.

Unterdessen hat er seine Freude am Politisieren wieder gefunden. «Ich blicke auf vier gute Jahre zurück. Ich konnte Erfahrungen sammeln, die viele in meinem Alter noch nicht haben.

Das ist wertvoll und nützt mir sicher irgendwann beruflich oder privat.» Politisch will der 26-Jährige jetzt erst mal eine Pause einlegen. Mindestens zwei Jahre hat er sich vorgenommen. «Ich bin noch jung.

Diese Tür ist jetzt zugegangen – für wie lange auch immer.» In nächster Zeit wolle er die Politik von der Seitenlinie aus beobachten, das Geschehen aktiv verfolgen, die Kontakte nicht abreissen lassen.

Das Amt als Präsident der Bezirkspartei werde er vorderhand weiterführen. Mehr nicht. Kommunalpolitisch werde er sicher in nächster Zeit nicht in Erscheinung treten. Eine Kandidatur für den Gemeinderat von Beinwil am See, wo er seit Oktober zusammen mit seiner Freundin wohnt, ist nächstes Jahr also ausgeschlossen? Adrian Meier schmunzelt. «Ich bleibe dabei: Es gibt eine Pause und ich werde ganz bestimmt nicht kandidieren.»

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