Wildunfall
Lenkerin am Handy fährt Reh an – was hätte sie danach tun sollen?

Diese Woche hat eine Lenkerin, die am Handy war, zwischen Holziken und Safenwil ein Reh angefahren. Dann fuhr sie einfach weiter. Doch wie verhält man sich richtig, wenn man sich selbst plötzlich in dieser Situation wiederfindet?

Emiliana Salvisberg
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Im Kanton Aargau sind im Jahr 2013 gesamthaft 1290 Rehe auf der Strasse umgekommen.

Im Kanton Aargau sind im Jahr 2013 gesamthaft 1290 Rehe auf der Strasse umgekommen.

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«Bei einem Unfall mit einem Wildtier ist der Lenker vom Strassenverkehrsgesetz her, aber auch moralisch verpflichtet, diesen unverzüglich der Polizei zu melden», betont Jagdaufseherin Rosmarie Müller aus Kölliken. Im Kanton Aargau sind im Jahr 2013 gesamthaft 1290 Rehe auf der Strasse umgekommen.

Die Obfrau und Aufseherin der Jagdgesellschaft Kölliken-Ghürst musste am Montagnachmittag Jagdaufseher Thomas Bruchhaus aus Safenwil mit seinem Hund aufbieten, um ein verletztes Reh aufzuspüren. Gegen 15.30 Uhr ereignete sich auf der Kantonsstrasse zwischen Holziken und Safenwil, etwa 200 Meter nach der Reithalle, der Wildunfall.

Ein Reh wurde von einem blauen Ford Fiesta erfasst, blieb vorerst schwer verletzt auf der Strasse liegen und schleppte sich danach in den Wald. «Es wurde beobachtet, dass eine weibliche Person telefonierend am Steuer sass. Die Fahrzeuglenkerin entfernte sich, ohne anzuhalten. Nachfolgende Autofahrer alarmierten die Polizei, die mich sofort anrief», sagt Rosmarie Müller.

Welches ist bei einem Wildunfall die häufigste Ursache?

Rosmarie Müller: Oft springt ein Wildtier an einer unübersichtlichen Stelle unvermittelt auf die Fahrbahn, sodass ein Fahrzeug keine Chance zum rechtzeitigen Bremsen hat. Bei den Rehen ist es zudem so, dass sogar zwei oder mehr Tiere hintereinander die Fahrbahn überqueren, womit die meisten Lenker nicht rechnen. Dies passiert meist in der Dämmerung oder nachts, kann aber auch mitten am Tag vorkommen.

Was, wenn das verletzte Tier flüchtet?

Wichtig ist, sich die Fluchtrichtung des Tieres zu merken. Dies hilft dem Jagdaufseher, mit seinem speziell ausgebildeten Hund an der richtigen Stelle die Suche aufzunehmen.

Was soll der Unfalllenker unterlassen?

Falls das Tier auf der Strasse liegt und noch lebt, keinesfalls versuchen, sich zu nähern. Dies verursacht nur noch grössere Angst bei einem Wildtier, das nicht mehr zur Flucht in der Lage ist. Wildhüter und Jagdaufseher rücken zu jeder Tages- oder Nachtzeit aus, um ein verletztes Tier möglichst rasch von seinem Leiden zu erlösen.

Wer muss verständigt werden?

Die Polizei ist unter der Notfallnummer 117 sofort zu kontaktieren. Die Polizei benötigt eine gute Ortsangabe der Unfallstelle und bietet dann den zuständigen Wildhüter auf. In der Regel kann die Polizei den Fahrer und den Jagdaufseher telefonisch verbinden.

Wie verhält sich der Lenker nach einem Wildunfall richtig?

Als Erstes ist es wichtig, ruhig zu bleiben und darauf zu achten, dass man sich selber nicht gefährdet. An der Unfallstelle bleiben, diese gut sichern, mit Warnblinker und Aufstellen des Pannendreiecks. Das Tragen einer Signalweste ist gerade in der Dunkelheit von Vorteil.

Wer bezahlt den Schaden?

Dieser wird durch die Kaskoversicherung des Fahrzeughalters getragen, wenn das durch den Jagdaufseher ausgestellte Unfallprotokoll vorgelegt wird.

Wird der Autolenker gebüsst?

Nein, auf keinen Fall. Die Polizei erscheint nicht selber am Unfallort, sondern vermittelt lediglich den Kontakt zwischen Lenker und Jagdaufseher. Die Notrufzentrale fungiert nur als Drehscheibe und bietet den Jagdaufseher auf.