Reitnau
Leitbild will nachhaltige Energieversorgung, Gemeinderat gegen Windrad

Der Informationsabend zu den zwei geplanten Windkraftanlagen «uf em Chalt» ob Staffelbach und ob Reitnau statt war gut besucht und es gab positive und negative Stimmen. Auch Regina Lehmann-Wälchli, Gemeindeammann von Reitnau, ergriff das Wort.

Christine Wullschleger
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Regina Lehmann will kein Windrad ob Reitnau.

Regina Lehmann will kein Windrad ob Reitnau.

Chris Iseli/zvg

Frau Lehmann, der Gemeinderat Reitnau hat sich gegen das Windprojekt ob Reitnau und Staffelbach ausgesprochen. Warum?

Der Gemeinderat hat seinen negativen Entscheid, der sich lediglich auf die Baute im Gemeindebann Reitnau bezieht, nicht leichtfertig getroffen. Aus unseren vertieften Abklärungen konnte nur eine Ablehnung durch den Gemeinderat resultieren, da wir zum Schluss gekommen sind, dass die Lebensqualität unserer Bewohner durch dieses geplante Grossprojekt beeinträchtigt würde und die gesundheitlichen Auswirkungen heute nicht abzuschätzen sind.

Im Leitbild der Gemeinde steht, dass für die Energiegewinnung ausschliesslich nachhaltige Quellen wie Wind genutzt und grössere Anlagen wie Windkraftwerke geplant werden sollen. Der Gemeinderat spricht sich jedoch gegen das Windprojekt «uf em Chalt» aus. Das passt nicht zusammen.

Schade – Sie sprechen damit aus unserem Leitbild, das übrigens aus dem Jahr 2008 stammt, nur den letzten Punkt einer ganzen Palette Aussagen zur nachhaltigen Energieversorgung an. Sicher ist, dass bei der Erarbeitung des Leitbildes der Gemeinde Reitnau dannzumal niemand an eine Anlage mit einer Nabenhöhe von 160 Metern und einem Rotordurchmesser von 120 Metern gedacht hatte. Niemand hatte sich dannzumal vorgestellt, dass diese Anlage im Wald platziert würde, was eine Waldrodung von 50 Aren voraussetzt.

Dennoch, warum handelt der Gemeinderat nicht so, wie es das Leitbild vorgibt?

Der Gemeinderat hat immer die Aufgabe, die aktuelle Situation sachlich zu beurteilen, nach bestem Wissen eine Entscheidung zu fällen und seine Haltung den Einwohnern transparent darzulegen. Entscheiden jedoch wird auch in diesem Falle unsere Bevölkerung.

Wie stehen Sie persönlich zur Windkraftförderung im Suhrental?

Ich persönlich bin klar der Meinung, dass in unserer Region keine effiziente Anlage gebaut werden kann, da der notwendige regelmässige Wind fehlt. Windkraftanlagen gehören dort gebaut, wo permanent nützliche Windstärken gemessen werden. Ich bin überzeugt, dass ohne die Förderung durch den Bund während
20 Jahren, niemand auf die Idee kommen würde, hier eine Windkraftanlage zu planen.

In der Luzerner Gemeinde Entlebuch werden die Windkraftanlagen für die Tourismusförderung eingesetzt, wäre das nicht auch in Reitnau oder im ganzen Suhrental denkbar?

Reitnau ist auch ohne Windrad eine der schönsten Gemeinden unseres Kantons. Ich bezweifle, ob es zum Wohle unserer Gemeinde und förderlich für das Suhrental wäre, wenn «Touristen» ihre Autos im Wald parkieren würden, um die Windkraftanlage aus nächster Nähe besichtigen zu können.

Fördert die Gemeinde Reitnau andere Projekte zur nachhaltigen Energieversorgung?

Nebst der Verwaltung und der reformierten Kirchgemeinde bezieht die Schulanlage Reitnau die Wärme von unserer Holzschnitzelheizung, die mit Holzschnitzeln aus unseren Wäldern betrieben wird. An der kommenden Gemeindeversammlung werden wir zudem unserer Bevölkerung beantragen, weitere Gebäude an die Holzschnitzelheizung anzuschliessen. Ebenso wurde das Schützenhaus Reitnau im Jahre 2014 mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet.