Teufenthal

Lehrer Hegnauer: «Das Epizentrum lag quasi unter meinem Haus»

Otto Hegnauers Leben ist ein einziges grosses Abenteuer. Alex Spichale

Otto Hegnauers Leben ist ein einziges grosses Abenteuer. Alex Spichale

Der Wynentaler Lehrer Otto Hegnauer baute die Schule «Esmono: Ecole sur les Montagnes Noires» (Schule über den Schwarzen Bergen) in Haiti. Mittlerweile ist seine Schule verschiedenen Institutionen bekannt, welche das Projekt unterstützen.

Der 81-jährige Otto Hegnauer ist ein wahrer Stehaufmann. Der ehemalige Teufenthaler Lehrer ist dem Tod schon einige Male von der Schippe gesprungen. Zum Beispiel während des Erdbebens in Haiti 2012, als er sein gesamtes Hab und Gut verloren hat. Trotzdem ist Otto Hegnauer in seine Wahlheimat Haiti zurückgekehrt.

«Das Beben hat mir alles genommen», sagt Hegnauer. Noch heute geht es im nahe, wenn er erzählt, wie er die Naturkatastrophe überlebte. Der Zufall wollte es, dass die Kupplung seines Autos schlappmachte, und er zwangsläufig im Haus einer Freundin übernachten musste.

Später fand Otto Hegnauer sein Bett hundert Meter von den Trümmern seines Hauses entfernt wieder. «Das Epizentrum lag quasi unter meinem Haus», erzählt er. Mehrere Tage dauerte es, bis er ausreisen konnte. «Es hatte so sein müssen», sagt Hegnauer.

Crash-Landungen überlebt

Otto Hegnauer schaut auf ein bewegtes Leben zurück. Er wuchs in Zug als Einzelkind auf, als 12-Jähriger gründete er den Schweizer Jugendtierschutz, der besteht heute noch. Nach der Lehrerausbildung unterrichtete er in Teufenthal.

«Ich hatte zahlreiche Aquarien und Terrarien», sagt Hegnauer. Bald zog es ihn in die Tierfilmerei, er drehte Filme in Teufenthal und war im Schweizer Nationalpark tätig.

Er begann für das Schweizer Fernsehen zu arbeiten, zuerst als Kabelträger, später produzierte er eigene Sendungen. «Ich habe immer meinen Weg gefunden», sagt Hegnauer. Danach war er als Reiseleiter in Afrika unterwegs, später als Hersteller von Ausbildungsmedien für die Migros.

«Es haben sich immer neue Türen aufgemacht», sagt er. Drei Crash-Landungen mit dem Flugzeug hat Hegnauer überlebt. «Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mehrmals geboren wurde», schmunzelt er.

Otto Hegnauer heiratete eine in der Schweiz wohnende Haitianerin. Sie wollte ihm ihre Heimat zeigen und so reisten die beiden nach Haiti. «Ich war hin und weg in dieser Welt mit wenig Industrialisierung und Globalisierung», sagt Hegnauer.

Während seine Frau in der Schweiz blieb, fand Hegnauer in Haiti «ein Stücklein heile Welt», baute 1994 ein Haus und blieb. «Ich bin schon ein Idealist», sagt er. Damals habe er sich geschworen, nie wieder in die Schweiz zu kommen. Die Natur wollte es anders: Das Erdbeben liess ihm nichts ausser seinem Pass und dem Laptop.

Abenteuerliches Leben

Trotz allem kehrte er in seine Wahlheimat zurück. «Nicht mehr hinzugehen, wäre Desertion gewesen», sagt er. «Ich konnte doch diese Menschen nicht alleine lassen.»

Mit seiner AHV errichtete er die Schule «Esmono: Ecole sur les Montagnes Noires» (Schule über den Schwarzen Bergen) und ermöglichte so auch den ärmsten und vom Erdbeben meist getroffenen Kindern eine Perspektive.

«Wie alle um mich herum musste ich mit nichts beginnen und einen neuen Lebensstil entwickeln», schildert Hegnauer diese Zeit. Er sei der Meinung, man solle alles teilen.

Mittlerweile ist seine Schule verschiedenen Institutionen bekannt, welche das Projekt unterstützen. «Das überwältigt mich ein bisschen», sagt er.

Otto Hegnauers Leben ist ein einziges grosses Abenteuer mit zahlreichen Höhenflügen und Tiefschlägen. Unterkriegen lässt er sich nicht.

«Ob man es Glück, Zufall oder Bestimmung nennt, ist egal», sagt er. «Ich freue mich auch auf den Tod, dann erfahre ich endlich die Wahrheit, ob es danach weitergeht oder nicht.» Auch das sei ein Abenteuer.

Otto Hegnauer heute im «Aeschbacher» um 22.20 Uhr auf SRF 1. Auf www.swissfot.ch schreibt er über seine Erlebnisse.

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