Muhen

Lea Suter reist in Gebiete, in denen kürzlich noch Krieg herrschte: «Frieden ist einer der härtesten Kämpfe»

Lea Suter will etwas über den Frieden lernen, und reist dafür um die ganze Welt. Für den 28. Oktober hat die Gemeinde Muhen sie eingeladen, um über ihre Arbeit auf dem internationalen Parkett und ihr Projekt peaceprints.ch zu erzählen.

«Wir assoziieren Frieden mit etwas Niedlichem: Streichelzoo, Kuscheltiere, ein bisschen nett sein – etwas für Softies», sagt Lea Suter. «In Realität ist Frieden einer der härtesten Kämpfe, die ein Mensch kämpfen kann.» Diese Weisheit hat sie nicht in einem Lehrbuch für Völkerrecht gelesen. Lea Suter hat mit ihren 36 Jahren schon viele Menschen kennen gelernt, die sich mit Mut und Ausdauer für Frieden einsetzen. Hat deren Kämpfe geschildert bekommen. Gefunden hat sie sie etwa in Ruanda, Myanmar, Irak oder den Besetzten Palästinensischen Gebieten.

Lea Suter sitzt am Esstisch im Haus ihrer Eltern in Muhen, wo sie zu Besuch ist. Vom Wohnzimmer sieht man runter auf das Dorf ihrer Kindheit und Jugend. Das Bild von friedlich vor sich hinqualmenden Kaminen passt so gar nicht zu den Gräueltaten, von denen sie erzählt. Von Massakern unter Familienmitgliedern in Ruanda oder von Kindern, die in Mali gezwungen wurden, die Leute des eigenen Dorfs zu töten.

Für den 28. Oktober hat die Gemeinde sie eingeladen, um über ihre Arbeit auf dem internationalen Parkett und ihr Projekt peaceprints.ch zu erzählen, für das sie seit drei Jahren Personen in der ganzen Welt besucht, um über deren Friedensarbeit zu schreiben.

«Das Unbekannte hat mich angezogen»

Sie sei nicht aus Ablehnung gegen das Dorf in einen international geprägten Beruf gekommen, betont Lea Suter im Müheler Wohnzimmer und straft das gängige Klischee Lügen. «Mich hat das Unbekannte angezogen, der Reiz, meine Komfortzone zu verlassen.»

Sie studierte Germanistik und Russistik und verbrachte drei Jahre in Russland. Danach wurde sie in Genf von der Kulturabteilung der UNO angestellt, um Veranstaltungen zu organisieren, die in Zusammenarbeit mehrerer Länder entstehen. Dabei beobachtete Lea Suter, wie einfach Repräsentanten verschiedener Länder, die sich sonst aus dem Weg gingen, durch Kultur ins Gespräch kamen.

Ein paar Jahre später – sie war inzwischen stellvertretende Geschäftsleiterin am Forum Aussenpolitik (foraus) in Genf – beschloss sie, ein Jahr Auszeit zu nehmen. Während andere in einem solchen Jahr einen Tauchkurs in Thailand oder Trekking in Patagonien buchen würden, machte sich die Mühelerin auf die Suche nach dem Schlüssel zum Frieden.

Wie gelingt der Ausweg aus der Gewaltspirale?

Statt der von Kriegsreportern gestellten Frage: «wie entsteht Krieg?», möchte Lea Suter als Friedensreporterin wissen: «Wie entsteht Frieden?», konkreter: «Wie gelingt es einem Menschen, Auswege aus dem Gewaltkreislauf zu finden?»

Um die Personen zu finden, die ihr dies beantworten, betreibt sie aufwendige Recherchen und begleitet ihre Protagonisten über mehrere Tage. Die Friedensreportagen schreibt sie auf der Projektwebsite peaceprints.ch nieder. So ist dort über das Projekt einer Rockschule im kosovarischen Mitrovica zu lesen, in der Kosovo-Albaner und Kosovo-Serben gemeinsam Musik machen. Oder das Musikfestival «caravane culturelle pour la paix» (Kulturkarawane für den Frieden) in Mali, bei dem Menschen verschiedenster Ethnien zusammenfinden.

Inzwischen arbeitet sie als Geschäftsleiterin der Gesellschaft Schweiz-UNO in Bern, unternimmt aber weiterhin Reisen zu Friedensförderinnen und -fördern. Im Covid-Jahr 2020 wird sie allerdings zum Pausieren gezwungen.

Nicht nur in Zonen von bewaffneten Konflikten ist ein Engagement für ein friedliches Zusammenleben nötig, ist Lea Suter überzeugt. Auch für die Schweizer Gesellschaft wäre dies förderlich. Ihr jüngstes Projekt entwickelt sie deshalb im eigenen Land: In Ilanz GR ist sie Teil der Aufbaugruppe für ein Forum für Friedenskultur.

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