Schmiedrued-Walde
Lärm? Nein, es ist Musik in den Ohren der Fans: Motorsäge motort am Motocross mit

Die Nütziweid war in der Hand von rund 250 Töff-Freaks: «s’ Raserenne», das lizenzfreie Motocross in Schmiedrued-Walde, ist jedes Mal ein grosses Spektakel. Am Wochenende fand es bereits zum 32. Mal statt. Bei optimalen Bedingungen. Der herumfliegende Dreck und der Staub sorgten für die richtige Atmosphäre.

Peter Weingartner
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Motocross-Spektakel auf der Nütziweid
29 Bilder
Wer erwischt die Ideallinie
Vor dem Start zum Plausch-Training
Sprünge
Nandos (links) Töff wird bewundert.
Seitenwagen in der ersten Kurve
Nando Kollers Holztöff.
Marco Pendts Grabestampfer 2
Motorsäge zum Anfeuern.
Marco Pendts Grabestampfer 1
Maco Pendts Grabestampfer 3
Kurz nach dem Start
Kampf um gute Sicht.
Kampf um Positionen 1
Kampf um Positionen 2
Kampf um gute Positionen in der ersten Kurve
Florian Maurers (links) Konstruktion
Glace-Wetter.
Es stiebt.
Erste Kurve 1
Früh übt sich...
Erste Kurve 2
Erde fliegt schon in der erstenKurve.
Erste Kurve 3
Dumm gelaufen.
Das einzige weibliche Seitenwagengespann
Er scheint gut im Rennen zu liegen.
Blicke auf die Ranglisten.
Die Kleinsten vor dem Start.

Motocross-Spektakel auf der Nütziweid

«Es stiebt schon wieder», sagt einer im Publikum, obwohls doch geregnet hat am Freitagabend. Und gestürmt: Das Gerüst mit den Werbeplachen fiel, und auch Zelte der Fahrer auf der «Passhöhe» – das sind die Sportler, die aus der Westschweiz, aus Süddeutschland oder Österreich ins Ruedertal pilgern, aber auch Campingfreunde aus der nächsten Nachbarschaft – landeten in Teilen im Maisfeld. Das weiss Marcel Kümmerli, der Platzspeaker. Seis drum: Die Wolken bauen am Samstag Drohkulissen auf, doch sonderlich beeindrucken sie nicht, solange sie sich nicht entleeren.

Lachen, Kopfschütteln, Staunen

Als ob der Motorenlärm – hohe Töne spucken die Zweitakter, knarrend tiefe die Viertakter – nicht genug wäre. Severin Müller aus Schlossrued wirft die Motorsäge (ohne Schwert und Kette) an, wenn seine Kollegen vorbeidonnern. Was soll das? «Anfeuern», sagt er, «das haben sie in Frauenfeld auch gemacht.» Er erntet Lachen und Kopfschütteln. Eigentlich führe er ja mit, doch hat er sich beim Motocross eine Rückenwirbelverletzung zugezogen.

Thomas Wicki aus Gontenschwil, zehn Jahre in der Plauschklasse dabei, hat dieses Jahr nicht gebastelt. «Schön, wenn nach dem Wochenende nichts weh tut», lacht er. Und überhaupt: Mit dem Bau eines Gripen-Töffs – man erinnert sich, das Militärflugzeug – hat er vor vier Jahren die Konkurrenz gewonnen: «Ziel erreicht.» Auch dieses Jahr lädt die Plauschklasse zum Staunen: Nando Kollers und Florian Maurers umgebaute Töffli, Marco Pendts Ruedertaler Grabestampfer.

Schanzenlos glücklich?

Gröbere Erdverschiebungen sind seit vier Jahren verboten. Also keine grosse Schanze und weniger Bodenwellen. Dennoch stellen die ausgefahrenen Spuren hohe Anforderungen. Bei den Seitenwagen lässt das einzige weibliche Tandem Jennifer Siebmann/Cornelia Brügger aus Lengnau seinen Gegnern Platz zum Überholen. Man will keinen Unfall riskieren. Das ist auch die Devise des Motoclubs Ruedertal, und die Trauer über die fehlenden grossen Sprünge hält sich da in Grenzen.

Umfrage: Warum fahren Sie am lizenzfreien Motocross auf der Nütziweid mit?

Nando Koller (12), Moosleerau, Eigenkonstruktion «Es macht Spass, in der Plauschkategorie mitzufahren. Auch das Konstruieren, zusammen mit meinem Vater, macht Freude. Ich bin zum vierten Mal dabei, dieses Jahr mit meinem Töffli ‹Nidbesseraberlänger›.
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Thomas Mengozzi (45), Holderbank, KTM 450 ccm3 «In jungen Jahren bin ich als Lizenzierter Rennen gefahren; das letzte Mal hier oben war ich vor 20 Jahren. Es hat mich wieder gepackt; das Zusammensein mit Gleichgesinnten, das Fachsimpeln, das macht Spass.»
Hausi Burgener (55), Triengen LU, KTM 450 ccm3 «Das ist eine Traditionsveranstaltung. Erstmals war ich 1989 dabei. Leidenschaft pur. Wenn du Benzin im Blut hast, machst du da mit. In den Neunzigern fuhr ich richtige Rennen; jetzt geht es ums Geniessen.»
Bruno Müller (65), Fahrwangen, Greeves 250 ccm3 «Ich mache bei den Oldtimern mit. 50-jährige Töffs zu fahren und zu zeigen, daran haben die Leute Freude. Früher hab ich wettkampfmässig Rennsport betrieben; heute steht klar der Plausch im Vordergrund.»
Tanja Burkhardt (18), Schöftland, Yahama IZ 125 ccm3 «Das ist das einzige Rennen, das ich fahre. Weil die Nütziweid so nahe ist. Mein Vater fuhr lange mit; mich hats auch gepackt. Ich bin zum vierten Mal dabei und stehe nun nicht einmal auf dem letzten Platz!»

Nando Koller (12), Moosleerau, Eigenkonstruktion «Es macht Spass, in der Plauschkategorie mitzufahren. Auch das Konstruieren, zusammen mit meinem Vater, macht Freude. Ich bin zum vierten Mal dabei, dieses Jahr mit meinem Töffli ‹Nidbesseraberlänger›.

Peter Weingartner