Wintersport

Langläufer liebäugeln mit Schneekanone im Aargau – WWF kritisiert das scharf

Loipenpräparator Bernhard Aeschbach zeigt es an Bis er mit dem Schneetöff und dem Ratrac losfahren und die Loipen präparieren kann, benötigt es noch rund 20 Zentimeter mehr Schnee im Gebiet Kalthof-Wiliberg.

Loipenpräparator Bernhard Aeschbach zeigt es an Bis er mit dem Schneetöff und dem Ratrac losfahren und die Loipen präparieren kann, benötigt es noch rund 20 Zentimeter mehr Schnee im Gebiet Kalthof-Wiliberg.

Der Aargauer Langlaufverein Kalthof-Wiliberg denkt über eine Kunstschneeloipe nach. Nur schon der Gedanke daran missfällt dem WWF.

Zwar ist jetzt der erste Schnee gefallen, trotzdem hofft Bernhard Aeschbach, Loipenpräparator und ehemaliger Präsident des Aargauer Langlaufvereins Kalthof-Wiliberg, auf mehr Schnee: «Auch wenn es für die Präparation einer Langlaufloipe weniger Schnee braucht als für eine Skipiste, im Moment reicht es noch nicht. Wir benötigen noch rund 20 Zentimeter mehr.» Zurzeit liegen im Start- und Ziel-Gelände der Loipe erst 8 Zentimeter Schnee.

Schneemangel herrschte bisher ja nicht nur in der Region, sondern landesweit in den Skigebieten. Da drängt sich die Frage auf, warum man das Problem nicht wie an anderen Orten löst, nämlich mit Schneekanonen. Aeschbach: «Die Schneekanonen selber sind nicht das Problem. In den Skiorten wird jedes Jahr aufgerüstet, deshalb findet man stets günstige Angebote etwas älterer Modelle auf dem Markt.»

Angebot für 1500 Franken

«Unser Vizepräsident hatte ein Angebot für eine Schneekanone zum Preis von 1500 Franken auf dem Tisch», sagt Aeschbach weiter. Problematisch sei in erster Linie die Strom- und Wasserversorgung. «Es hat kaum Hydranten entlang der Loipe, das würde bedeuten, dass wir den Schnee in Handarbeit verteilen müssten, was zwar machbar, aber sehr aufwendig wäre.»
Während der Einsatz von Schneekanonen laut Bernhard Aeschbach in früheren Jahren eigentlich «ausser Diskussion» stand, scheint die Idee einer Kunstschneeloipe mittlerweile nicht mehr ganz so abwegig.

Schliesslich wird die klimatische Entwicklung dafür sorgen, dass es dereinst unmöglich werden wird, überhaupt eine Loipe präparieren zu können. «Wir haben zwar noch nicht berechnet, welche Wassermengen benötigt und welche Kosten auf uns zukommen würden, aber grundsätzlich wäre der Einsatz von Schneekanonen schon interessant. Seit Ende November sind die Temperaturen wirklich ideal, wir hätten seit Wochen eine super Loipe anbieten können.»

Die Ideen des Langlaufvereins Kalthof-Wiliberg lösen harsche Kritik aus. Regula Bachmann, die Präsidentin des WWF Aargau, spricht von Verhältnisblödsinn. «Schneekanonen im Mittelland sind eine Verschleuderung von Ressourcen, Strom- und Wasserverbrauch sind nicht zu rechtfertigen», sagt sie. Sie erklärt, der Kunstschnee würde bei den Temperaturen im Mittelland rasch wieder schmelzen.

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Thema auf dem Horben

Es ist nicht das erste Mal, dass man im Kanton Aargau über den Einsatz von Schneekanonen nachdenkt. Im Winter 2005/2006 führte Landwirt Alois Waser, der Betreiber des Horben-
Skilifts, einen Kunstschnee-Produktionsversuch auf dem Freiämter Hausberg durch. Mithilfe einer kleinen Anlage der Firma Bächler aus Auw wurde damals auf 800 Metern über Meer erfolgreich Kunstschnee hergestellt.

Der lokale Skiliftbetreiber stellte danach in der Öffentlichkeit Überlegungen zum Kauf von drei sogenannten Schneelanzen an. Das Projekt wurde aber auf Eis gelegt, weil es massive Proteste aus dem grünen Lager gab. Zwei Jahre später versuchte Alois Waser einen Investor für die kleine Beschneiungsanlage – die rund 300 000 Franken kosten sollte – zu finden. Da er keinen Geldgeber fand, wurde das Projekt zum zweiten Mal auf Eis gelegt und seither nicht wieder aufgenommen.

Übrigens: Obwohl in den letzten Tagen auch im Aargau ein paar Zentimeter Schnee gefallen sind, sind die Loipen in Wiliberg geschlossen, der Skilift auf dem Horben steht still. Die Betreiber der Skilifte auf dem Rotberg in Villigen und in Wegenstetten im Fricktal entscheiden heute, ob sie ihre Anlagen am Wochenende in Betrieb nehmen.

Lesen Sie hier auch den Kommentar zu diesem Thema.

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