SP, Grüne und GLP lehnen die kantonale Richtplanänderungen betreffend «Zentrumsentwicklung Schöftland; Festsetzungen neuer Werkstattstandort AAR bus+bahn» ab.

Wie aus ihren Stellungnahmen hervorgeht, die sie im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens gemacht haben, finden sie es unnötig, von der heutigen Landwirtschaftszone eine so grosse Fläche Siedlungsgebiet für den Wohnschwerpunkt Schöftland abzuschneiden. Sie finden es weiter zu früh, jetzt schon die neue Werkstatt der WSB (heute Aargau Verkehr) zu planen (da sie erst 2045 benötigt wird) und sie sind der Meinung, dass die Einwohner zu wenig Mitwirkungsmöglichkeit hatten.

Stimmt die Fraktion geschlossen?

FDP und CVP stimmen den Richtplananpassungen dagegen klar zu. Zünglein an der Waage bei der Abstimmung im Grossen Rat wird die SVP sein. Die Partei stimmt der Richtplananpassung zwar zu, wegen der «Fruchtfolgefläche, welche für immer verschwinden wird» jedoch mit einem etwas unguten Gefühl. Es stellt sich also die Frage, ob die SVP-Fraktion im Grossen Rat geschlossen Ja stimmen wird oder ob der 10-Hektaren-Kulturlandverlust für den einen oder anderen Parlamentarier, insbesondere aus dem Suhrental, ein Killerargument sein wird. Wenn ja, dann würde das Projekt in der heutigen Form schon auf Stufe Kantonsparlament bachab geschickt.

Beschluss aussetzen?

Das Grossvorhaben, das das Gesicht von Schöftland über die nächsten drei Jahrzehnte massgebend verändern würde, erfordert mehrere Richtplananpassungen. Erstens für die Festsetzung des künftigen Standorts neuer Depot- und Werkstattanlagen der Bahn im Gebiet Hegmatte zwischen Suhre und Suhren- talstrasse (3,5 Hektaren). Zweitens für die Festsetzung eines Wohnschwerpunkts in der «Hegmatte» und dem Mühleareal (6,5 Hektaren). Weiter muss die Umwandlung von Landwirtschaftsland in Siedlungsgebiet und der Verlust an Fruchtfolgefläche im Richtplan eingetragen werden.

Mit der Verankerung des Depot- und Werkstattstandorts im Richtplan würden gemäss SP «Entscheidungen vorweggenommen, die erst in etwa 15 bis 20 Jahren gefällt werden müssten.» Auch GLP und Grüne sind dieser Ansicht. Letztere schlagen per Eingabe vor, den Richtplanbeschluss auszusetzen. Zudem ist für SP und GLP das Verfahren zur Standortsuche zu intransparent. Für die GLP reicht «für ein derart grosses bis grössenwahnsinniges Projekt eine Grobbeurteilung schlicht nicht aus.» Auch sei das Wynental wegen des «stärker ausgefallenen strukturellen Wandels, insbesondere des Rückgangs industrieller Tätigkeiten» geeigneter für die Neubauten.

«Sorgfältige Standortevaluation»

Genau gegenteiliger Ansicht sind die Parteien rechts der Mitte. Die FDP spricht von einer «sorgfältigen Standortevaluation» und gemäss der CVP hat ein «umfassender Strategieprozess» mit Aargau Verkehr, der Gemeinde Schöftland und dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt «bestätigt, dass auf dem gesamten Liniennetz für die künftig erforderlichen Depot-/Werkstattkapazitäten keine Alternativen zu Schöftland bestehen, welche die raumplanerischen, betrieblichen und bahntechnischen Anforderungen gleichermassen gewährleisten.»

Auch die Festsetzung eines Wohnschwerpunkts in Schöftland ist aus bürgerlicher Sicht sinnvoll. CVP und FDP kommen nach einer Abwägung zum Schluss, dass den Überbauungsprojekten ein höherer Stellenwert zukommt als dem Erhalt des Kulturlandes. Es sei eine «angesichts der Entlastung des ortsbildgeschützten Dorfkerns und einer aus Siedlungs- und Raumsicht sinnvolle Entwicklung», schreibt die FDP.

«Verdichtungspotenzial nutzen»

Ganz anders sehen das die Gegner: Man müsse das «bestehende Verdichtungspotenzial nutzen», wie es die neue BNO (über die die Wintergmeind abstimmt) aufzeige, schreibt die SP. Man solle «keine Einzonungen auf Vorrat» vornehmen, zumal Schöftland einen sehr hohen Leerwohnungsbestand aufweise. GLP und Grüne bemängeln zusätzlich fehlendes Mitspracherecht der Schöftler. Die Grünen schreiben: «Unter dem Begriff «Stadtbildreparatur» wird mit erschütternder Zielstrebigkeit das Dorfbild von Schöftland den Wünschen von Bahn und Behörden angepasst, ohne je konkrete Vorstellungen und Meinungen dazu in der Bevölkerung erfragt zu haben.»