Muhen

Landwirtschaftliche Genossenschaft verbannt Palmöl aus Futter für Milchkühe

Thomas Bieli, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Muhen.

Thomas Bieli, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Muhen.

In der Futterproduktion für Milchvieh wird das verpönte Palmöl nun durch Rapsöl ersetzt.

Kaum ein landwirtschaftliches Produkt steht hierzulande derart im Verruf wie Palmöl. Dies obschon oder gerade weil es sich in jedem zweiten verarbeiteten Supermarktprodukt findet. Seinetwegen fallen in Südostasien ganze Regenwälder zum Opfer, verlieren Elefanten und Orang-Utans ihre Lebensräume, verdunkeln Brandrodungen regelmässig den Himmel über Indonesien. Und da sind die Konflikte zwischen lokaler Bevölkerung und Plantagenbetreibern sowie die problematischen Arbeitsbedingungen noch gar nicht erwähnt.

Nachteil für Milchproduzenten

Es ist dieser ökologische Hintergrund, vor dem man Thomas Bielis Motivation sehen muss. Der Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Muhen (LG) hat die Nase nämlich gestrichen voll. Bieli prangert nicht nur den «Umweltfrevel» an, der in Südostasien beim Anbau von Ölpalmen betrieben wird; «auch die einheimischen Milch- und Rapsproduzenten leiden seit Jahren unter den biligeren Palmölimporten.» Denn jedes Kilo Palmöl, das importiert wird, verdrängt ein Kilo hiesigen Rapsöls oder Milchfetts.

Darum steht Bieli, der selbst beim Rügen der Palmölindustrie ein Lächeln im Gesicht trägt, Schulter an Schulter mit all jenen, die sich gegen das geplante Freihandelsabkommen der Eidgenossenschaft mit Malaysia auflehnen. Dieses sieht eine Reduktion der Zölle auf Palmöl vor – und würde es damit weiter vergünstigen. Schon heute kostet südostasiatisches Palmöl weniger als Schweizer Rapsöl – trotz 100-prozentigen Zollaufschlags. Bis vor ein paar Tagen verarbeitete Thomas Bieli das missliebige Produkt selbst: In gehärtetem Zustand wird es dem Mischfutter für Milchvieh beigemischt, um den Energiegehalt zu steigern, 25 Tonnen jährlich allein in der LG Muhen. Der Bauernstand schneidet sich ins eigene Fleisch. Doch damit ist nun Schluss, schliesslich setzt die Genossenschaft auch beim Getreide auf regionale Rohstoffe.

Auf seiner langjährigen Suche nach einer Alternative ist Bieli auf dem europäischen Markt fündig geworden. «Endlich», möchte er sagen, «denn das Palmöl war mir schon lange ein Dorn im Auge». Nun ist er der Erste in der Schweiz, der an dessen Stelle seinen Futtermischungen gehärtetes Rapsöl beimengt – und das Palmöl aus den Rezepten verbannt.

Preisunterschied kaum spürbar

Um es vorwegzunehmen: Ja, natürlich ist das per Trocknungsprozess gehärtete Rapsöl etwas teurer als Palmöl. Doch die Differenz ist auf die Menge derart marginal, dass Bieli die Futterpreise für seine Kunden nicht nach oben anzupassen braucht. «Das ist alles im Rahmen der gewöhnlichen Preisschwankungen. Ich kann ja auch nicht bei jeder Veränderung die ganzen Preise neu kalkulieren», erklärt er.

Bevor Thomas Bieli seine erste Bestellung über sechs Tonnen gehärteten Rapsöls aufgab – die Lieferung erfolgte Anfang April –, klärte er ab, ob sich dieses aus agronomischer und technischer Sicht genauso gut verarbeiten liesse wie Palmöl. Sein Fazit: «Es unterscheidet sich im Handling nicht.»

Seine Kunden, die rund 60 Milchbauern unter den über 130 Genossenschaftern, werden es ihm danken. Überhaupt rechnet er mit breiter Zustimmung, denn das Bewusstsein innerhalb der LG sei gerade hinsichtlich der Palmöl-Problematik beträchtlich. Trotzdem werde Aufklärungsarbeit vonnöten sein. «Aber die leiste ich gerne, denn es ist mir ein persönliches Anliegen», sagt er.

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