Muhen
Landverkauf spült Geld für neues Schulhaus und Doppelturnhalle in die Gemeindekasse

In Muhen hat die Gemeindeversammlung zum letzten Mal in der Turnhalle Süd getagt. In den Sommerferien beginnt der Rückbau. Um Investitionen von über 20 Millionen Franken für die Schul-Infrastruktur abzufedern, kann der Gemeinderat wertvolles Bauland verkaufen.

Peter Weingartner
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Nach der Versammlung gingen die Diskussionen bei Wurst und Brot weiter. Die Schulbauen im Hintergrund werden abgerissen.

Nach der Versammlung gingen die Diskussionen bei Wurst und Brot weiter. Die Schulbauen im Hintergrund werden abgerissen.

Picasa;Peter Weingartner;

Heiss war es an der letzten Gemeindeversammlung in der Turnhalle Süd. Allerdings bloss, was die Temperaturen angeht: Gemeinderätin Cornelia Wüthrich fächelte sich auf der Bühne mit einem richtigen Fächer Frischluft zu.

Höhere Entschädigung für Gemeinderäte

Cornelia Wüthrich (SP) und Werner Schertenleib (SVP) treten bei den Gemeinderatswahlen im Herbst nicht mehr an. Gertrud Jost (SVP), Raphael Levy (parteilos) und Gemeindeammann Andreas Urech (SVP) werden, falls wiedergewählt, in der neuen Amtsperiode besser entschädigt. Die Gemeindeversammlung sagte klar Ja zu folgenden Ansätzen: Gemeindeammann 36 000 Franken (seit 2010 30 000), Vizeammann 21 000 Franken (19 000), Gemeinderat 19 000 Franken (17 000). Eine Stimmbürgerin kritisierte, eine solche Lohnerhöhung sei in der Privatwirtschaft kaum möglich und stellte die Frage nach dem Arbeitsaufwand. Man schreibe keine Stunden auf, sagte Ammann Andreas Urech, doch geschätzt belaufe sich der Aufwand beim Ammann auf 30 bis 40 Prozent eines Vollpensums, beim Vizeammann auf etwa 30 und bei einem Gemeinderat auf etwa 20 Prozent. Er könne sich ein solches Amt nur dank eines flexiblen Arbeitgebers (wo er zu 100 Prozent angestellt ist) leisten, der nicht fixe Präsenzzeiten verlangt.
Die anderen Traktanden der Gmeind wurden ebenfalls genehmigt. (wpo)

Die traktandierten Geschäfte aber gingen schlank durch, obwohl auch kritische Fragen gestellt wurden – dies nebst der Erhöhung der Gemeinderatsentschädigungen (siehe kleiner Artikel zum Verkauf von 4289 Quadratmetern Bauland am Gibel: «Wer kann sich noch Wohneigentum leisten, wenn 650 Franken pro Quadratmeter zum Standard werden», fragte eine Mühelerin, und beantwortete die Frage gleich selbst: nicht Familien mit Kindern, sondern Doppelverdiener. Der Gemeinderat beantragte der Versammlung den Verkauf der 4289 Quadratmeter grossen Parzelle 85 am Gibel an die Bähni Lüscher Immo AG aus Muhen; dies zu einem Quadratmeterpreis von rund 650 Franken. Bei zwei Gegenstimmen und sechs Enthaltungen sagten die Stimmberechtigten – anwesend waren 133 von insgesamt 2711 – deutlich Ja zum Verkauf der Parzelle, die der Gemeinde gehört.

Für «oberen Mittelstand»

Gemeindeammann Andreas Urech gab der Votantin recht: Billighäuser werden auf der Parzelle nicht entstehen. Der Druck talaufwärts steige, da Entfelden kaum noch über Baulandreserven verfüge. Aus finanzieller Hinsicht sei der Verkauf für die Gemeinde erfreulich, doch entstünden da keine Häuser für 500 000 bis 700 000 Franken, sondern Bauten «für den oberen Mittelstand», so Urech. Der Gemeinderat habe den Auftrag, das Land möglichst profitabel zu verkaufen. Es sei denn – das sagte Andreas Urech nach der Versammlung bei Wurst und Brot gegenüber der az – die Gemeindeversammlung hätte auf entsprechenden Antrag hin explizit den Bau von Wohnraum für wirtschaftlich Schwächere beschlossen.

Der Verkauf der Parzelle spült der Gemeinde rund 2,8 Millionen Franken in die Kasse. Geld, das mithilft, das Müheler Jahrhundertprojekt mit Kosten von 23 Millionen zu finanzieren: Schulhausneubau mit Doppelturnhalle. Am Gibel besitzt die Einwohnergemeinde insgesamt rund 99 Aren frisch erschlossenes Bauland an bester Lage. Davon soll noch mehr verkauft werden. Nicht alle Grundstücke kommen bei einem Verkauf vor die Gmeind. Andreas Urech: «Bei Geschäften bis 500 000 Franken ist der Gemeinderat zuständig, zwischen 500 000 Franken und einer Million können Gemeinderat und Finanzkommission entscheiden.»

Schulraum in der «Waldeck»

Am 10. Juli ist Baustart für die Ersatzneubauten Schulhaus Süd und Mehrzweckhalle mit den Vorbereitungsarbeiten für den Rückbau der bestehenden Gebäude. Damit sind auch die Tage der Turnhalle Süd gezählt. Die Erschliessung der Schulanlage wird mit provisorischen Zugängen sichergestellt. Bei der Baustellenzufahrt entsteht für den Schulbetrieb eine Passerelle. Unter www.muhen.ch können die Bauarbeiten dank Webcam mitverfolgt werden.

Provisorischer Schulraum für drei Abteilungen entsteht in den Erdgeschossräumen des ehemaligen Restaurants Waldeck. Da sei man bereits am Umbauen, sagte Andreas Urech und zeigte an der Gemeindeversammlung Fotos. Ab Juli bis zum Abschluss der Ersatzneubauten stehen diese Räume der Schule zur Verfügung.