Kinos
Landkino-Betreiber haben mit sinkenden Zuschauerzahlen zu kämpfen

Für das Atelier Kino Reinach war 2010 das schlechteste Jahr überhaupt. Bietet man kein Unterhaltungsprogramm wie Lasershow, Bar und Imbissrestaurant an, bleiben die Leute offenbar weg.

Barbara Vogt
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Einsam: Rolf Häfeli, Kinobetreiber in Schöftland

Einsam: Rolf Häfeli, Kinobetreiber in Schöftland

Die Generalversammlung der Cinema 8 Schöftland vom Montag brachte ernüchternde Zahlen: 2010 besuchten noch 25000 Personen das Kino, das sind 11000 Eintritte weniger als 2009. Doch 2009 war auch ein aussergewöhnlich gutes Jahr für Rolf Häfeli: Als erster Kinobetreiber in der Schweiz nahm er dreidimensionale Filme in sein Programm auf. «Die Kinofreaks kamen von weit her», sagte er an der Generalversammlung.

Von einem solchen Bekanntheitsgrad können Landkinos heute nur noch träumen. Im Gegenteil: Sie kämpfen ums Überleben. Für das Atelier Kino Reinach war 2010 das schlechteste Jahr überhaupt. «Viele Besucher sind verloren gegangen», so die traurige Bilanz des Kinobetreibers Hansjörg Beck.

Ohne Unterhaltung keine Leute

Das Kino Scala Zofingen machte im letzten Jahr ganz dicht. Mit den Kinos sei es wie mit den Lädeli, die allmählich den Zentren weichen müssen, begründeten die Betreiber den Schritt. In Oftringen und Emmen gibts Kinotempel, die sich ein attraktiveres Angebot leisten können, als es dem einstigen Scala je möglich gewesen wäre. Solche Multiplex- und auch Heimkinos machen es den kleinen Kinobetreibern schwer. Dadurch hat sich auch das «Fortgehverhalten» der Leute gewandelt: Entweder
sie schauen sich gemütlich daheim einen Film an oder sie gehen in Städte ins Kino.

Biete man kein Unterhaltungsprogramm wie Lasershow, Bar und Imbissrestaurant an, so der Reinacher Kinobetreiber, blieben die Leute weg. Und junge Leute verirrten sich kaum nach Reinach: Sie gehen in die grossen Kinos nach Emmen, Oftringen oder Aarau. Hätte Beck nicht noch andere Kinos, die das Atelier unterstützen, ginge Reinach wohl bald zu.

Da könne man nur noch auf ein vielseitiges Angebot setzen, sonst gehe man unter, meint Rolf Häfeli aus Schöftland. Deshalb richtet er sein Programm familienfreundlich aus. Erst kürzlich realisierte er eine Raucherbar. «Die Leute mögen es, sich vor oder nach dem Kino zu treffen. Sie schätzen den Mix von Gastronomie und Filmkultur.»

Kleine Kinobetreiber müssen sich mit dem Umstieg von Zelluloid-Filmen auf digitale Projektoren befassen. Und dies kostet bis zu 200000 Franken. Auch wenn der Bund den kleinen Unternehmen diese Modernisierung erleichtern will, können sich diese viele gar nicht mehr leisten.